In vier von 23 Fällen (17 Prozent) sei es den unter 16-jährigen Testkäuferinnen und -käufern gelungen, Bier und Wein zu kaufen, wie der Kanton Thurgau in einem Communiqué anfangs Februar festhält. In einem von sechs Fällen (17 Prozent) seien Testkäuferinnen und -käufer ausserdem beim Kauf von Tabakwaren erfolgreich gewesen. Bei den Spirituosen habe es hingegen keinen widerrechtlichen Verkauf gegeben. Mit diesen Zahlen braucht sich der Kanton nicht zu verstecken, denn die Verstösse liegen deutlich unter dem schweizerischen Durchschnitt: «Der Anteil der widerrechtlichen Alkoholverkäufe in der Schweiz lag im Jahr 2020 bei rund 30 Prozent.»

Positiver Nebeneffekt der Zertifikatskontrolle

Aber: Die Zahlen seien weniger aussagekräftig als noch vor 2019, also vor dem Beginn der Pandemie. Dies, weil die Gemeinden weniger Testkäufe durchführen liessen. Die Abnahme der Verstossquote sei teilweise auch auf die durch die Behörden angeordnete Zertifikatskontrolle zurückzuführen.

Nicht alle findens gut

Das Engagement der Gemeinden, die die Testkäufe veranlassen – so etwa die Thurgauer hallowil.ch-Gemeinde Aadorf –, sowie der Verkaufsstellen sei ein wichtiger Beitrag zum Jugendschutz, heisst es im Communiqué weiter.

Der Kanton gibt sich zufrieden mit der Verstossquote im Besonderen und den Testkäufen im Allgemeinen. Die Auswertung der hallowil.ch-Leserumfrage vom 11. Februar zeigt ein differenziertes Bild: Zwar stimmen fast zwei Drittel der Umfrage zu, dass der Einsatz von «Mystery Shoppern» ein probates Mittel ist, um herauszufinden, wer sich an die Bestimmungen hält. Aber rund ein Drittel sagt eben auch, dass es ein fieses Mittel ist.

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42 Stimmen wurden insgesamt bis zum 11.2.22 abgegeben (Diagramm vom 11.2.22, Redaktion)


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So hatte hallowil.ch bisher berichtet (2.11.21)

Testkäufe in Aadorf: Betriebe halten sich mehrheitlich an die Gesetze

Auch in Aadorf halten sich die Betriebe grossmehrheitlich an die gesetzlichen Bestimmungen, wenn es um den Verkauf von Alkohol und Tabak geht. Zuzwil hatte bereits im Oktober eine positive Bilanz zu den Testkäufen gezogen. Für die hallowil.ch-Community sind Testkäufe aber nicht nur sinnvolles Mittel wie aus der Umfrage hervorgeht.

Alkohol- und Tabaktestkäufe: «Nicht alle Betriebe halten sich an die Vorschriften» , moniert die Gemeinde Aadorf in den Aadorfer News vom November. Weiter heisst es, die Gemeinde habe in Kooperation mit dem Amt für Gesundheit sowie dem Blauen Kreuz in den Sommermonaten Testkäufe durchgeführt, und zwar ähnlich wie es Zuzwil auch schon getan hat (mehr dazu unten). Mit diesem Mittel werde die Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen erfasst und das Verkaufspersonal könne so sensibilisiert werden. Das sehen nicht alle hallowil.ch-Leser gleich, denn was für die einen ein sinnvolles Mittel ist, ist für die anderen ein fieses Instrument. Und für wieder andere kommt es darauf an, was «testgekauft» wird.

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32 Stimmen wurden insgesamt bis zum 2.11.21 abgegeben (Diagramm vom 2.11.21, Redaktion)


Zwei von zehn

In Aadorf hätten von insgesamt zehn getesteten Betrieben, zwei die gesetzlichen Bestimmungen nicht eingehalten. Man habe die Verkaufsstellen «schriftlich über ihr Abschneiden informiert und auf die gesetzlichen Bestimmungen hingewiesen».

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So hat hallowil.ch bisher berichtet (22.10.21)

Testkäufe: Zuzwil gibt sich zufrieden mit Detailhandel und Gastronomie

Das Instrument der Testkäufe ist nach Ansicht des Zuzwiler Gemeinderates eine wirksame Massnahme des Jugendschutzes und der Suchtprävention. Was sagt die hallowil.ch-Community zum Mittel «Testkauf»?

In Zusammenarbeit mit der kantonalen Fachstelle Jugendschutz führt Zuzwil seit fünf Jahren sogenannte Monitoring-Testkäufe durch, wie im neusten «Zuzwil aktuell» zu lesen ist. Während im Jahr 2019 kaum Verstösse zu vermelden gewesen seien, hätten im August 2020 zwei von elf und im Oktober 2020 fünf von acht getesteten Betrieben gegen die gesetzlich vorgeschriebenen Jugendschutzmassnahmen verstossen. Möglicherweise hätten die Betriebe während des Lockdowns in der Coronapandemie und den daraus resultierenden Einschränkungen das Thema Jugendschutz etwas aus den Augen verloren, da sie in anderen Bereichen gefordert gewesen seien, wird im Zuzwil aktuell vermutet.

Verbesserung zum Vorjahr

Erfreulicherweise seien die Jugendschutzmassnahmen in den Zuzwiler Betrieben in diesem Jahr grösstenteils eingehalten geworden. Bei insgesamt 14 Verkaufsstellen seien Testkäufe durchgeführt worden. Die drei Verstösse (Alkohol und Tabak) hätten alle im Detailhandel stattgefunden, und zwar an zwei Orten, obwohl der Ausweis der Jugendlichen verlangt worden sei. Die kontrollierten Restaurantbetriebe hätten sich alle vorbildlich verhalten und entsprechend reagiert, heisst es weiter.

Dialog und fairer Ablauf

Die Restaurants und Verkaufsstellen seien über das Ergebnis der Monitoring Testkäufe informiert worden. Zusätzlich habe man erneut darauf hingewiesen, dass die Hinweisschilder, welche über die Abgabe von alkoholischen Getränken an Kinder und Jugendliche informieren, gut sichtbar anzubringen sind.

Die Jugendlichen, welche die Testkäufe durchführen, würden für die Aufgaben jeweils geschult und während der Testkäufe begleitet. Im Vergleich zum «normalen» Alltag hätten es die kontrollierten Betriebe denn auch etwas einfacher: Den Testern sei es nicht erlaubt, sich älter zu geben, etwa durch entsprechendes Styling. Auch bei einer Nachfrage nach dem Alter seien sie dazu angehalten, wahrheitsgetreu zu antworten und die eigene und richtige ID vorzuweisen.

Nicht alle Testkäufe sind legitim

Nicht immer geht es bei Testkäufen um den Jugendschutz oder Präventionsmassnahmen. Manchmal geht es vor allem den Detailhändlern eher darum, die Mitarbeitenden zu kontrollieren. Dann kommen sogenannte «Mystery Shopper» zum Einsatz und überprüfen beispielsweise, ob die Angestellten jeweils auf Kundenkarten aufmerksam machen. Die Kolleginnen und Kollegen vom Basler Onlinemagazin «Bajour» haben mit der Manor-Verkäuferin Jacqueline darüber gesprochen. Jacqueline, die in Wirklichkeit anders heisst, hat erzählt, dass sie sich als Angestellte nicht mehr wertgeschätzt und unter Druck gesetzt fühlt. Es sind auch nicht alle Testkäufe legitim, sind es doch auch immer «Überwachungs- und Kontrollsysteme» im Sinne des Gesetzgebers. Und der Einsatz solcher Systeme ist arbeitsrechtlich geregelt, und zwar in Artikel 26 des Arbeitsgesetzes. Dort heisst es: «Systeme, die das Verhalten der Arbeitnehmer am Arbeitsplatz überwachen sollen, dürfen nicht eingesetzt werden.»