Rund 50 Medienvertreter waren am Dienstagnachmittag im Wiler Stadtsaal zugegen, als Karin Keller-Sutter ihre Kandidatur für den Bundesrat bekannt gab (Hallowil.ch hat berichtet). Am Tag danach füllt «KKS» die Gazetten – teilweise sogar die Titelseiten.

Selbst für den Blick, der oftmals mit einer exklusiven Eigenrecherche die Frontseite gestaltet, ist die Wilerin die Hauptgeschichte. «Bundesrätin Keller—Sutter!», titelt das Blatt, um dann mit etwas kleineren Buchstaben zu ergänzen. «Wer sie jetzt noch stoppen kann». Das Boulevardblatt kommt zum Schluss, dass ihr einzig der Bündner FDP-Ständerat Martin Schmid gefährlich werden könnte. Im Kommentar schreibt Politik-Chefin Sermîn Faki, dass ein «Einerticket inakzeptabel» wäre. Einerseits goutiere das die Bundesversammlung nicht. Andererseits würde es Keller-Sutter nicht gerecht. Nur wenn sie gegen mindestens eine andere Persönlichkeit antrete und sich durchsetze, könne sie ihre vielgerühmte Souveränität beweisen. Der Blick nimmt zudem einen Stilcheck vor und kommt zum Schluss, dass die Wilerin modetechnisch alles richtig mache. Einzig die Frisur wirke «etwas hängen geblieben».

«Scheuer, nahbarer, demütiger»

Der Tages Anzeiger titelt: «Jetzt nur nicht zu perfekt wirken». Der Auftritt im Wiler Stadtsaal sei «makellos, nachdenklich und fast demütig» gewesen. Ein Hindernis auf dem Weg in die Regierung sei nicht in Sicht. Karin Keller-Sutter sei eine andere als noch bei der Kandidatur vor acht Jahren. Die Kandidatin von 2018 präsentiere sich «scheuer, nahbarer und demütiger» als im Jahr 2010. Zudem stellt der «Tagi» fest, dass Karin Keller-Sutter die Themen «Frau» und «Ostschweiz» kaum angesprochen habe. Im Kommentar ist Innland-Ressortleiter «Daniel Foppa» der Meinung, dass «nicht viel» schieflaufen könne für KKS. Die einzige Gefahr könne der St. Galler CVP-Regierungsrat Benedikt Würth sein, da am Wahltag zuerst der CVP-Sitz vergeben wird. «Dann wäre Keller-Sutters Herkunft plötzlich ein Problem», schreibt Foppa.

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Der Medienrummel war gross im Wiler Stadtsaal.

Die Neue Zürcher Zeitung richtet den Fokus darauf, dass sich die öffentliche Wahrnehmung von Karin Keller-Sutter gewandelt habe – von der Hardlinerin zur Kompromissschmiedin. Doch solche Etiketten würden der «Topfavoritin» nicht gerecht. Sie sei nicht zur «Kuschelliberalen» geworden, sondern weiterhin eine «FDPlerin durch und durch». In Kommentar schreibt Helmut Stadler, stellvertretender Leiter der Inlandredaktion, dass Karin Keller-Sutter gerechnet habe und nun «die Dominante» in der Gleichung sei. Es blieben aber viele Unbekannte – zumal eine Doppelvakanz zu besetzen sei. Bei allem rechnen dürfe nicht vergessen gehen, dass formale Aspekte wie Geschlecht, Herkunft und Sprache in der Landesregierung von «untergeordneter Bedeutung» seien. Dafür spiele die politische Ausrichtung die entscheidende Rolle – und die Fähigkeit, eine «parlamentarische Hausmacht und Mehrheit im Volk» hinter sich zu bringen.

«Zu perfekt für den Bundesrat?»

In der Aargauer Zeitung lacht Karin Keller-Sutter von der Titelseite. Im danach folgenden Interview wird die Wilerin zitiert, dass es eine Mischung aus Nähe und Distanz brauche, um erfolgreich zu sein. Zu den Beschreibungen, sie wirke berechnend und kühl, sagt Keller-Sutter im «AZ»-Interview: «Ich höre das nicht von Leuten, die mich kennen. Ich nehme das zur Kenntnis, es darf mich aber nicht irritieren.» In seinem Kommentar fragt sich Chefredaktor Patrik Müller, wer die FDP-Frau noch stoppen könne. Die Antwort: «Vielleicht sie selber. Eine so professionelle, inzwischen auch magistrale Frau ist verdächtig in einem Land, das gern das Mittelmass zelebriert.» Zudem: «Zwei St. Galler im Bundesrat – das ginge nicht.» Der Weg in den Bundesrat sei vorgezeichnet, aber es gebe noch Stolpersteine.

Auch in der 19.30-Uhr-Ausgabe der SRF-Tagesschau von Dienstagabend war Karin Keller-Sutter das Hauptthema. Bundeshaus-Korrespondent Christoph Nufer sagte, Karin Keller-Sutter könne nur noch an sich selber scheitern. Ihr Auftritt in Wil habe aber den Eindruck verstärkt, dass derzeit niemand an ihr vorbeikomme.

Auf dem Weg zur «Landesmutter»

Selbstredend ist Karin Keller-Sutter auch in der Wiler Zeitung am Mittwoch das Hauptthema. Nüchtern wird auf der Titelseite getitelt: «Keller-Sutter steigt ins Rennen für den Bundesrat». Im Artikel ist dann zu lesen, dass sie als Kronfavoritin gelte und hoffe, dass noch weitere Kandidaten antreten. Im Kommentar schreibt Chefredaktor Stefan Schmid, dass das «Momentum nun da» sei. Nie seien die Chancen besser gewesen, «Landesmutter» zu werden. Mit Karin Keller-Sutter würde «das Gremium Bundesrat insgesamt gestärkt». Im Lokalteil erinnert Redaktionsleiter Hans Suter daran, dass Wil mit Susanne Hartmann schon die erste St. Galler Stadtpräsidentin gehabt habe. Warum auch nicht die erste St. Galler Bundesrätin?

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Karin Keller-Sutter stand geduldig Red und Antwort.