Herr Bruggmann, was produzieren Sie auf Ihrem Betrieb?

Mein wichtigstes Produkt sind Kartoffeln. Davon produziere ich rund 300 Tonnen pro Jahr, vorwiegend für die Industrie, welche daraus Pommes Frites herstellt. Zehn Prozent davon vermarkte ich als Speisekartoffeln in meinem eigenen Hofladen, oder an Läden in der Region. Mein zweitwichtigstes Produkt ist Sellerie. Auch davon produziere ich den Grossteil für die Industrie und einen kleinen Teil für die frische Vermarktung. Weiter baue ich Erbsen, Karotten, Zuckerrüben, Mais, Urdinkel, Weizen und Sommerraps an.

Was verkaufen Sie sonst noch in Ihrem Hofladen?

Nebst dem Gemüse vermarkten wir Eier von unseren Freilandhühnern, Fleisch von unseren Freilandschweinen und Honig von unseren Bienen. Auch Süssmost von unseren Hochstammobstbäumen bieten wir im Hofladen an. Wir spüren eine immer grössere Nachfrage nach regional produzierten Lebensmitteln. Das freut uns!

Die Konsumenten erwarten von Ihnen, dass Sie möglichst ökologisch produzieren. Wie werden Sie diesen Ansprüchen gerecht?

Diesen Anspruch stelle ich mir auch selbst. Sehr wichtig sind mir meine Biodiversitätsförderflächen. Mit Blühstreifen, 80 Hochstammobstbäumen, Hecken, Steinhaufen, Totholz und vielen weiteren Massnahmen schaffe ich Lebensraum für Reptilien, Amphibien, Vögel und Insekten. Urdinkel und Weizen produziere ich komplett ohne Pflanzenschutzmittel. Ich probiere immer gerne neue Methoden aus. Gerade teste ich ein Hackgerät, das speziell für die mechanische Unkrautbekämpfung in Dammkulturen, wie Kartoffeln oder Karotten, entwickelt wurde.

Was fordert Sie bei Ihrer Arbeit heraus?

Kartoffeln, Zuckerrüben, Sellerie und Raps sind sehr empfindlich auf Pilzkrankheiten, respektive Insektenschädlinge. Diese Kulturen muss ich genau beobachten und bei hohem Krankheitsdruck behandeln. Ich arbeite mit Bekämpfungsschwellen, die sagen, ab wie viel Insekten- oder Pilzbefall eine Behandlung nötig ist. Das bedeutet, ich überprüfe auf meinen Feldkontrollen zum Beispiel, wie viele Blätter bei den Zuckerrüben mit Pilzen befallen sind oder ich zähle die Schadinsekten pro Quadratmeter beim Raps. Weiter hilft uns ein regionales Prognosesystem, das die Wetterdaten von diversen Wetterstationen berücksichtigt und so den Krankheitsdruck vorhersagt.

Denken Sie, solche modernen Technologien helfen in Zukunft, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ökologischer zu gestalten?

Auf jeden Fall. Auch was die heutige Technik leistet, ist beeindruckend. Ich arbeite beispielsweise mit GPS beim Säen, Setzen und Spritzen. Das heisst, auch in unförmigen Parzellen weiss meine Spritze genau, wo bereits behandelt wurde und wo nicht. Da die Sektoren automatisch einzeln ein- und ausgeschaltet werden, verhindert dieses GPS-System, dass gewisse Abschnitte doppelt behandelt werden. Die Feldspritze wird zudem fast zu 100 Prozent auf dem Feld mit integrierter Innenreinigung gereinigt. So wird garantiert, dass das Mittel dort hinkommt, wo es hingehört. Drohnen und Roboter habe ich noch nicht auf meinem Betrieb. Doch auch solche Innovationen, mit denen die Pflanzenschutzmittel noch präziser ausgebracht werden können, sind bereits auf dem Weg in die Praxis.