Regula Elsener, Moderatorin des Abends, stellte gleich zu Beginn der Information klar: «Heute geht es um Knaben». Die Aktualität habe sich mit der Information des Stadtrates noch verstärkt mit dem Vorschlag ohne Kathi weiter zu fahren. Damit würde die über 200-jährige Tradition der Klosterschule enden. Für- und Gegen- getrennte Beschulung seien sich bekanntlich auch Fachleute keineswegs einig.


Für Jungs eine knabengerechte Schule

Heike Breik, Präsidentin der Elternvereinigung, wies eingangs darauf hin, dass die Information lange vor dem stadträtlichen Entscheid geplant wurde. Ihnen sei wichtig gewesen, nicht nur persönliche Eindrücke bekannt zu machen. Mit Allan Gugggenbühl komme heute eine wissenschaftlich fundierte Stimme zu Wort.

Ihre Tochter, so Breik, habe sich für das Kathi entschieden, weil sie immer wieder mit disziplierten Schwierigkeiten im Umgang mit Jungs zu kämpfen hatte. Unterdessen fühle sie sich beim Kathi zu Hause. Nach Breik ist ein Umschwenken auf konkrete Vorteile notwendig, weil das Kathi in den Medien zumeist unter dem Titel der «Tradition» behandelt werde, woran man festhalten müsse. Von der Elternvereinigung aus wollten sie das «Kathi als Modell für mehr Vielfalt» unter die Leute bringen. Dass das Thema interessiert, bestätigte sich an den rund 200 Anwesenden.

Dass sie seitens des Kathi zum Aufbau einer Knabenschule bereit, betonte die seit 2011 aktive Schulleiterin Corinne Alder. Sie seien vom unterschiedlichen Lernen der Geschlechter überzeugt. Der Mut der Stadt sei gefordert, die Vielfalt mit dem Kathi zuzulassen und nicht allein auf Planungssicherheit und Organisation abzustützen.

Jungs auffangen, aber wie?

Der Referent Allan Guggenbühl wies zu seinen Ausführungen eingangs darauf hin, dass sie nicht etwa ideologischer Natur seien, sondern das Resultat praktischer Erfahrungen. Die Frage stelle sich zu Beginn, was mit Jungs passiere im Oberstufenalter, wo sie doch bisher eigentlich erträglich erschienen seien. Der sich immer stärker abzeichnende Anarchismus müsse nicht sein.

Aus seinen Erfahrungen habe er festgestellt, dass etwa ein Drittel der Jugendlichen sich überall behaupten können und nicht auf spezielle Beschulung angewiesen seien. Es sei bewiesen, dass Mädchen und Knaben unterschiedliche Lernprozesse durchlaufen. Die Schule sei auch Austragungsort gesellschaftlicher Dispute. Noch immer sei es nicht selbstverständlich, dass die Schule für die Kinder da ist und nicht umgekehrt. Weil es schön klingende Ideologien gebe, sei die Schule zum Austragungsort dieser Ideologien geworden.

Geschlechterunterschiede anerkennen

Nach Guggenbühl unterscheiden sich Jungs und Mädchen durch unterschiedliche Interessen. Während bei Jungs die Sach-Ebene vorherrsche, sei die Beziehungsebene bei Mädchen im Vordergrund. Jungs denken in Systemen, bei Mädchen steht der Faktor Mensch im Vordergrund. Jungs suchten das Risiko, prahlten gerne und «je extremer, je besser».

Provozieren, damit etwas passiert

Bei Jungs stehe die Struktur an erster Stelle, erst später die Beziehung. Weil man den Bedürfnissen der Jungs nicht gerecht werde, verkämen sie zu Bildungsverlierern. Die verkannten Verhaltensweisen werden katalogisiert. Provokationen werden als Fehlverhalten wahrgenommen und Standards als Disziplinierungsmittel angewendet. Am Beispiel einer provozierenden Schularbeit zeigte Guggenbühl auf, dass Jungs oftmals provozieren wollen, damit etwas passiert.

Zum Profil der Knabenschule wies der Referent darauf hin, dass sich Jungs über den Widerstand orientierten. Es gehöre dazu, dass es Phasen des Frontalunterrichts gebe. Jungs suchten den Wettbewerb, wollten in Hierarchien arbeiten und auch einmal mit einer leichten Überforderung fertig werden, einfach um sich gegenseitig messen zu können. Jungs brauchten klare Anordnungen, mit Bitten erreiche man nichts.

Anrecht auf Förderung

Wenn man nicht bald zur knabengerechten Behandlung komme, droht nach Guggenbühl der Verlust talentierter Jungs. Die Geschlechterdifferenz dürfe nicht den Kindern überlassen werden. Es gehe um Vielfalt, statt Einfalt. Im Anerkennen einer Differenzkultur zeigten sich Zeichen einer hochentwickelten Gesellschaft, schloss Allan Guggenbühl seine Ausführungen.


Podium: Unterschiedliche Religionen sind kein Hindernis

Am nachfolgenden Podium mit Martin Gehrer, Präsident des Administrationsrates des Kath. Konfessionsteils SG und früherer Flade-Schüler, Referent Allan Guggenbühler und den beiden früheren geschlechtergetrennt beschulten Schüler Emire Mustafa, ehemalige Kathi Schülerin und Administratorin der Facebook-Gruppe «Du bisch vo Wil wenn» und David Friedl ehemaliger Flade-Schüler und Student Biologie an der Universität Zürich kamen verschiedenste Erfahrungen zur Sprache.

Während David Friedl sich nicht gross Gedanken gemacht hat, in einer Knabenschule zu sein, war es für Emire Mustafa eine Erleichterung, vom ständigen Provozieren der Jungs Abstand zu bekommen. Emire, aus einer anderen Religion kommend, interessierte sich für die christliche Religion und hat alles mitgemacht. Schmunzelnd wies sie darauf hin, dass sie im Gegensatz zu katholischen Mädchen die Gottesdienste immer besucht habe.

Bei Martin Gehrer wurde der positive Nutzen der getrennten Beschulung eigentlich erst im Nachhinein bewusst. In einer Grossfamilie aufgewachsen, sei der Weg in die Flade vorgezeichnet gewesen. Allan Guggenbühl stellte die Frage in den Raum, weshalb die öffentlichen Schulen nicht bewusster auf die unterschiedlichen Bedürfnisse eingehen.

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Stiftung will ein Kathi Modell B+

Abschliessend informierte Stiftungspräsident Armin Eugster zu ihren Plänen, wie eine Knabenbeschulung Teil der öffentlichen Schulen aussehen könnte. Eine öffentliche Information ist geplant.

Sie störten sich am festgelegten Maximum von 25% der Schüler am Kathi, definiert mit 120 Mädchen und 60 Knaben, was sich finanziell nicht rechnen lasse. Sie wollten ausgeglichene Zahlen mit je 112 Mädchen und 112 Knaben. Zusammen mit privaten Schülern werden es 120 sein. Es brauche eine Bandbreite von 29 %.