An der mittlerweile in die Jahre gekommen Turnhalle in Wuppenau rüttelten während des Infoanlasses phasenweise deutlich hörbar die Windböen. Das passte gut. Denn einerseits wurde in der Halle über die Errichtung eines Windparks debattiert. Andererseits war es ein regelrechter verbaler und emotionaler Sturm, welcher den anwesenden Regierungsrat Walter Schönholzer erfasste.

Seit vor gut zwei Jahren an gleicher Stelle an einem ersten Infoanlass erstmals über die Errichtung eines Windparks zwischen Braunau und Wuppenau informiert worden war, ist der Unmut in der Bevölkerung latent vorhanden. Wollte sich der Wuppenauer Gemeinderat ursprünglich noch nicht festlegen, so vertritt er nun eine klar ablehnende Haltung – genau wie die Ratskollegen in Braunau. «Die vorhandene Technologie ist ohne Regulierung nicht reif für unsere Siedlungsstruktur. Der Windpark ist überstürzt und nicht fertig gedacht. Die Windenergie kann nicht in den Richtplan aufgenommen werden», sagte Wuppenaus Gemeindepräsident Martin Imboden gegen Ende der Veranstaltung. Die gleiche Haltung vertritt die Braunauer Behörde.

Zwei weitere Gemeinden tangiert

Am Infoanlass legten Regierungsrat Schönholzer und Thomas Volken vom kantonalen Amt für Energie die Ausgangslage dar. Daraus ging hervor, dass der Windpark im Vergleich zu den ersten Plänen deutlich kleiner geworden ist und räumlich verschoben wurde. Er ist liegt nun weiter vom Dorf Braunau entfernt und tangiert dafür neu auch die Gemeinden Schönholzerswilen und Bussnang. Der flächenmässig grösste Anteil liegt aber immer noch auf Braunauer Boden. Mit den vier Anlagen sollen 24 Gigawatt-Stunden Strom produziert werden, womit 7000 Haushalte pro Jahr versorgt werden könnten.

Vor allem die Bewohner des Wuppenauer Weilers Greutensberg wehren sich vehement gegen den Windpark, da sie am direktesten betroffen wären. Aber auch sonst kam während der ganzen Diskussionsrunde kein einziges dem Windpark wohlgesinntes Votum. Als «gigantische Monster» und «Bedrohung» wurden die Turbinen bezeichnet. Der Lärm der Rotorblätter ist für die Anwohner ein Problem, der nicht hörbare und wohl gesundheitsgefährdende Infraschall ein anderes. Die Hausbesitzer befürchten zudem eine Minderung der Immobilienpreise – und nicht nur sie eine Verschandelung der Landschaft. Mehrfach wurde ein Mindestabstand Haus-Turbine gefordert.


Das Versprechen des Regierungsrates

Regierungsrat Schönholzer wurde unterstellt, er setze sich nicht für die Bewohner ein, obwohl die Stimmung spürbar gegen den Park sei. Dieser entgegnete, dass der Kanton den Auftrag des Bundes erhalten habe, das Thema Windenergie zu prüfen und nun gewillt sei, diesen Auftrag auszuführen. Schönholzer konnte den Unmut nur bedingt verstehen. Er sagte: «Wenn Sie keine Windanlagen wollen in Wuppenau, dann werden sie auch keine bekommen.» Hintergrund dieser Aussage: Zwar hat der Regierungsrat den neuen kantonalen Richtplan mit möglichen Gebieten für Windparks unlängst genehmigt. Auch wenn dieser vom Kantonsrat im Frühling 2019 auch gutgeheissen wird, ist der Turbinen noch lange nicht Tatsache. Denn dafür sind Änderungen im kommunalen Zonenplan nötig. Diese müssten zuerst vom Gemeinderat vorgeschlagen und dann von der Bevölkerung gutgeheissen werden. Beides ist weder in Wuppenau noch in Braunau ein realistisches Szenario. «Wenn die Gemeinde nein sagt, dann gibt es kein Baugesuch», sagte Schönholzer.

In Wuppenau geistert allerdings ein Gespenst namens «Kantonale Nutzungszone» herum. Es handelt sich um ein Instrument, welches angewendet werden kann, um die Gemeindeinteressen zu überstimmen – wie einst geschehen beim Bau der Kehrichtverbrennungsanlage Weinfelden. Schönholzer versprach: «Von Übersteuerung kann keine Rede sein. Das ist uns nicht gegeben.»

Auch bei Sirnach hat es genug Wind

Trotzdem sammelten die Mitglieder der vor rund zwei Jahren gegründeten IG Lebensqualität Braunau-Wuppenau unter den rund 150 Anwesenden Unterschriften. Diese können während der bis zum 24. Januar laufenden Vernehmlassungsphase zum neuen kantonalen Richtplan eingegeben werden und sollen den Unmut ausdrücken. Am Dienstagabend dürfte die Unterschriftensammlung weitergehen, wenn der gleiche Infoanlass in Braunau (Turnhalle, 19.30 Uhr) stattfindet.

Auch in der Region Sirnach-Littenheid ist genug Wind vorhanden für einen Windpark – und deshalb ein Gebiet im kantonalen Richtplan ausgeschieden. Allerdings braucht es noch weitere Abklärungen. So könnten die Privatklinik Clienia, die Armee oder die Flugsicherung dagegen sein. So geschehen in der Region Bichelsee-Fischingen, wo ursprünglich auch ein möglicher Windpark angedacht war. Da aber Flugzeuge beim Anflug auf Zürich-Kloten gestört worden wären, stellte sich Skyguide quer – und kippte das Windpark-Vorhaben bereits in einer frühen Phase.