Das war’s mal mit dem Hallowil-Abstimmungs-Ticker. Wir liefern noch heute Berichte zur Abstimmung in Niederbüren über den Nicht-Kauf des Textilmuseums sowie über die Hintergründe zum Rücktritt von Schulpräsident Josef Rütsche in Lütisburg nach. Ich bedanke mich für das Interesse an diesem Ticker und freue mich, Sie bald wieder auf Hallowil.ch begrüssen zu dürfen. Einen angenehmen Rest-Sonntag.

Und dann der Knall: Lütisburgs Primarschulpräsident Josef Rütsche erklärt mit der Bekanntgabe des Abstimmungs-Ergebnisses seinen Rücktritt per Ende März 2019. "Die Mehrheit der Bürger verlangt in Bezug auf die Mehrzweckhalle andere Ideen und damit auch eine andere Führung", schreibt Rütsche in einer Mitteilung. Somit dürfte es im ersten Quartal des Jahres 2019 zu Ersatzwahlen kommen. Solange wird Rütsche die Fortsetzung der Bauprojekte sicherstellen.

Und nun ist auch das Ergebnis aus Lütisburg da. Die Stimmbürger stimmen zwar einer Erweiterung des Schulhauses Neudorf für rund 4,6 Millionen Franken mit 404 zu 303 Stimmen deutlich zu. Einen Kredit von knapp 8,5 Millionen Franken für eine neue Mehrzweckhalle verwerfen sie hingegen mit 322 Ja- zu 392 Nein-Stimmen. Die Gegner obsiegten mit knapp 55 Prozent. Die Stimmbeteiligung lag je bei rund 68 Prozent.

Ob das Gebiet nun wirklich überbaut wird, ist allerdings noch nicht sicher. Als nächstes haben die fünf Einsprecher die Möglichkeit, Rekurs beim Kanton zu erheben. Ist der entsprechende Teilzonenplan dann rechtskräftig, wird ein Sondernutzungsplan erarbeitet, aus dem weitere Details zur Überbauung hervorgehen. Gemeindepräsident Metzger geht davon aus, dass es noch mehrere Jahre dauern wird, bis erste Bewohner auf dem Flawa-Areal einziehen.

Auch von den Gegnern liegt eine Stellungnahme vor: "Die Anwohner dürfen bei der Überbauung des Areals mitreden und mitbestimmen. Dieses Mitspracherecht wird wahrscheinlich minim sein und geflissentlich übergangen werden. Ich werde mich weiterhin für eine Überbauung einsetzen, die sich in den Dorfcharakter einfügt, für ein Quartier, wo Kinder spielen dürfen und wo sich Menschen aller Altersstufen, unabhängig vom Status und Nationalität, begegnen dürfen", schreibt Marina Wismer-Egger vom Referendumskomitee.

Auch dieses Ergebnis kommt nicht wirklich überraschend. Zwar hatten 404 Personen mittels Unterschrift gegen diese Umzonung votiert und damit die Abstimmung überhaupt erst ermöglicht. Doch bei einer Infoveranstaltung Anfang Monat hatten die Befürworter die besseren Argumente vorgebracht. Es ist somit auch ein Sieg für den Gemeinderat. «Mit der Umzonung wird die Möglichkeit geschaffen, dass mehr Leben ins Zentrum von Flawil kommt», sagt Gemeindepräsident Elmar Metzger in einer Stellungnahme. 

Nun liegt auch das Ergebnis aus Flawil vor. Der Umzonung des Flawa-Ost-Areals wird deutlich zugestimmt. 1917 Personen sagten Ja, 834 Nein. Somit waren beinahe 70 Prozent für diese Umzonung. Die Stimmbeteiligung lag bei 45,8 Prozent. Somit können die Vorbereitungen vorangetrieben werden, dass auf dem rund 7000 Quadratmeter grossen Stück Land künftig 78 Personen wohnen werden.

Dieses Ergebnis kommt nicht überraschend. Es hat im Vorfeld kein formierte Opposition geben. Der erwartete Schüleranstieg in Bazenheid in den nächsten Jahren ist so deutlich und der Platz in den Schulhäusern bereits jetzt schon derart beschränkt, dass man fast annehmen musste.

Als nächstes liegt das Ergebnis aus der Politischen Gemeinde Kirchberg vor. In Bazenheid kann das Primarschulhaus Neugasse für knapp zehn Millionen Franken neu gebaut werden. Die Stimmbürger befürworteten mit 1515 Ja- zu 891 Nein-Stimmung dieses Bauvorhaben. Das entspricht einem Ja-Stimmen-Anteil von knapp 63 Prozent. Die Stimmbeteiligung lag bei 47,9 Prozent. Bereits im Juni hatte der Souverän Ja gesagt zur Erweiterung der Bazenheider Oberstufe Flurstrasse für gut sieben Millionen Franken - damals gar noch deutlicher.

Das ist doch ein einigermassen deutliches Verdikt in Niederbüren. Zur Erinnerung: Auf Initiative von Bruno Wagner waren Unterschriften gesammelt worden. 253 kamen zusammen, womit die Abstimmung überhaupt erst ermöglicht wurde. Unter anderem mit einer Flugblatt-Aktion waren die Gegner danach auf Stimmenfang gegangen.

Niederbüren hat ausgezählt. Der Kauf des Textilmuseums wird abgelehnt. 338 Personen stimmten Ja, 418 nein. Damit beträgt der Nein-Stimmenanteil gut 55 Prozent. Und dies bei einer sehr hohen Stimmbeteiligung von 71,1 Prozent. 756 der gut 1000 Stimmberechtigten sind zur Urne gegangen für diese kommunale Vorlage. Bei den nationalen und kantonalen Vorlagen war die Stimmbeteiligung tiefer. Ob es nun eine Zukunft für das Textilmuseum gibt, ist offen bis fraglich.

Um die Zeit zu überbrücken, mal diese Meldung hier: Bei der Selbstbestimmungs-Initiative zeichnet sich ein "Nein" ab. Die Stimmbürger von Bettwiesen würden hingegen "Ja" sagen - und dies mit 169:159 Stimmen. Als wirklich repräsentativ kann das also nicht bezeichnet werden. Die Stimmbeteiligung ist in der Hinterthurgauer Gemeinde mit knapp 44 Prozent aber ansehnlich.

Noch lassen die Ergebnisse auf sich warten. Es ist aber davon auszugehen, dass demnächst die ersten Entscheidungen vermeldet werden können.

Sobald die Ergebnisse vorliegen, erfahren Sie es an dieser Stelle.

Der Blick ist vor allem nach Niederbüren, Flawil und Lütisburg gerichtet. In Niederbüren will die Gemeinde das Textilmuseum Sorntal für 430'000 Franken kaufen, jedoch wurde das Referendum ergriffen. In Flawil soll ein rund 7000 Quadratmeter grosses Stück Land das Watteprodukte-Herstellers Flawa umgezont werden, um Wohnraum zu errichten. Auch hier wurde das Referendum ergriffen. In Lütisburg sorgt die Erweiterung des Schulhauses Neudorf und der Bau einer neuen Mehrzweckhalle für geteilte Meinungen.

Guten Sonntag-Mittag, geschätzte Leserinnen und Leser von Hallowil.ch. Herzlich willkommen zum Abstimmungs-Ticker mit dem klaren Fokus auf die umstrittenen kommunalen Vorlagen der Region Wil. Simon Dudle tickert für Sie durch diesen politischen Sonntagmittag und -nachmittag.

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Hier die wichtigsten Infos zu den Vorlagen:

In Niederbüren sorgt das Textilmuseum Sorntal für gespaltene Meinungen. Die Gemeinde beabsichtigt, dieses für 430'000 Franken zu kaufen. Ein bereits gegründeter Verein wäre dann für den Betrieb verantwortlich. Auf Initiative von Bruno Wagner haben allerdings 253 der 1070 Stimmberechtigten Niederbürens mittels Unterschrift ihren Unmut bekundet, womit das Referendum ergriffen wurde. Es war ein teilweise hitziger Abstimmungskampf, bei dem auch Flyer verteilt wurden. Die Gegner befürchten, dass «die alte Fabrik nur kostet». Der Gemeinderat reagierte und schrieb im Mitteilungsblatt, dass «unwahre Behauptungen und Meinungen» in Umlauf gesetzt worden seien.

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Umstritten: Das Textilmuseum Sorntal soll an die Gemeinde Niederbüren verkauft werden.

Flawa-Areal im Brennpunkt

In Flawil gibt eine Umzonung von knapp 7000 Quadratmeter Land mitten im Dorf zu reden. Dort hat der Watteprodukte-Hersteller Flawa für sein Werk 1 keine Verwendung mehr und beabsichtigt, das Gebiet an die Politische Gemeinde zu verkaufen. Die Firma «Schällibaum Ingenieure und Architekten» aus Wattwil würde auf jenem Gebiet Wohnungen für 78 Personen bauen. Allerdings sind fünf Einsprachen eingegangen. Zwar wies der Gemeinderat diese ab oder ging gar nicht erst auf sie ein. Jedoch wurden auch hier Unterschriften gesammelt. 404 kamen zusammen, womit nun auch die Flawiler über einen Landkauf abstimmen können. Die Gegner werfen dem Gemeinderat «überstürztes Handeln» vor, was die Behörde entgegnet. Die Ortsparteien CVP und FDP sprechen sie für die Umzonung aus. Wird diese abgelehnt, ist wieder die «Flawa» am Zug. Es droht eine Industriebrache mitten in Flawil.

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Umstritten: Das Gebiet "Flawa Ost" soll umgezont werden.

Kosten als Zankapfel

Im unteren Toggenburg ist in zwei Gemeinden über Schulthemen zu befinden. In Lütisburg sind es zwei Teil-Abstimmungen. Einerseits soll das Schulhaus Neudorf für knapp 4,6 Millionen Franken erweitert werden. Andererseits ist anstelle der jetzigen Turnhalle eine neue Mehrzweckhalle mit Schulnebenräumen geplant. Kostenpunkt: Knapp 8,5 Millionen Franken. Alles in allem geht es also um eine Summe von rund 13 Millionen Franken, was für eine kleine Gemeinde wie Lütisburg ein rechter «Lupf» ist. Ein «Ja» hätte Auswirkungen auf den Steuerfuss, der zwischen 10 und 15 Prozentpunkten erhöht werden müsste. Im Verlaufe des Wahlkampfs ist ein Gezanke um Zahlen entstanden. Der Schulrat empfiehlt die Annahme der beiden Vorlagen. Der Gemeinderat hat keine Empfehlung abgegeben, wies aber auf die hohen Kosten hin. Die FDP empfiehlt ein Nein mit Verweis auf den hohen Betrag und ein fehlendes Verkehrskonzept. Befürworter sind laut dem «Toggenburger Tagblatt» der Turnverein, die IG Lütisburg und die örtliche CVP.

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Umstritten: In Lütisburg soll das Schulhaus Neudorf (Bild) erweitert werden. Zudem ist eine neue Mehrzweckhalle geplant. 

Weniger umstritten, da zwingend benötigt, scheint der Neubau der Primarschule Neugasse in Bazenheid. Nachdem die Stimmbürger im Sommer der Erweiterung der Bazenheider Oberstufe Flurstrasse für gut sieben Millionen Franken deutlich zugestimmt hatten, geht es nun um einen Baukredit in der Höhe von fast zehn Millionen Franken. Bei einem «Ja» erfolgt der Baustart im Frühjahr 2019 und die Einweihung im Sommer 2020.

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Wohl nicht umstritten: So soll die neue Primarschule Neugasse in Bazenheid aussehen.