Vor dem Spiel war bei den Zuschauern und den Wiler Spielern Geduld gefragt. Weil die Gäste aus Neuenburg im Stau standen, begann das Spiel eine halbe Stunde später als geplant. Das war aber nicht die einzige Änderung bereits vor dem Anpfiff. Cheftrainer Alex Frei stellte sein System um und liess seine Spieler in einem 3-4-2-1-System spielen. Santiago Miranda kam zu seinem Startelfdebüt, Filip Frei und Mergim Brahimi spielten nicht wie bisher beide auf der linken Seite, sondern Filip Frei ging auf die rechte Seite und die beiden Spieler bildeten in der Vorwärtsbewegung die Flügelzange, in der Rückwärtsbewegung die Aussenverteidigung. Wie sich zeigen sollte, war diese taktische Umstellung einer der Schlüssel zum Wiler Erfolg.

Das Spiel begann für die Wiler verheissungsvoll, bereits nach ein paar Sekunden kam es zur ersten Chance. Reichmuth konnte das Zuspiel von Filip Frei aber nicht verwerten. In der Folge waren es dann eher die Neuenburger, die das Spieldiktat übernahmen ohne aber wirklich Gefahr auszustrahlen. Zu ungenau und ideenlos waren sie im Spielaufbau. So kam es, dass Bahloul in der 12. Minute einen Eckball treten konnte. In der Mitte entwischte Muntwiler seinem Bewacher und beförderte mit dem Aussenrist den Ball auf der Höhe des Fünfmeterraums direkt ins Tor. Die Wiler gingen also wieder einmal in einem Heimspiel in Führung, wieder mit dem ersten Schuss aufs Tor. In der Folge waren es weiter die Neuenburger, die versuchten den Ausgleich zu erzielen. Aber auch bis zum Halbzeitpfiff waren die Gäste viel zu harmlos, um die Wiler Führung in Gefahr zu bringen. Sie versuchten es oft mit langen Bällen auf Stossstürmer Mafouta, dieser war aber gegen die neu formierte Wiler Verteidigung auf verlorenem Posten. So gingen die Wiler mit einer 1:0-Führung in die Kabine.

Mit Moral zum Heimsieg

Zu Beginn der zweiten Halbzeit schien Assistenztrainer Badibanga, der den gesperrten Cheftrainer Binotto vertrat, die richten Worte gefunden zu haben. Die Neuenburger waren nun im Spielaufbau deutlich genauer und kreierten einige Chancen. In der 52. Minute konnte dann der Ex-Wiler Haile-Selassie auf der linken Seite vollkommen unbedrängt in den Strafraum flanken. Dort gewann Lahiouel das Kopfballduell gegen Muntwiler und verlängerte den Ball in die weite Ecke zum Ausgleich. Die Wiler liessen sich aber durch diesen Gegentreffer nicht aus dem Konzept bringen. Cheftrainer Alex Frei tätigte in der 68. Minute einen Dreifachwechsel und wechselte offensiv, indem er mit Miranda einen Verteidiger vom Feld nahm und ihn durch Offensivspieler Jones ersetzte. Nur eine Zeigerumdrehung später stand dann ein anderer eben erst eingewechselter Spieler im Fokus. Es war dies Zumberi, der davon profitierte, dass die Neuenburger den Ball nicht richtig klären konnten. Er spielte einen schönen Pass auf Lukembila, der mit einem satten Schuss aus halblinker Position in die rechte Ecke zur neuerlichen Wiler Führung traf.

Aber auch die Xamaxien liessen sich durch diesen zweiten Gegentreffer nicht aus dem Konzept bringen. Sie versuchten weiter, offensive Akzente zu setzten, während die Wiler sich eher aufs Kontern verlagerten. In der 75. Minute hatten die Wiler dann Glück, dass Nuzzolo nach einer Flanke von Tavaers mit seinem Kopfball nur die Latte traf und der Ball von Torhüter Keller nicht ins Tor, sondern wieder ins Feld zurücksprang. Nur vier Minuten später schwächten sich die Neuenburger dann selber. Veloso sah für ein vollkommen unnötiges Foul an Kamber in der Nähe des Mittelkreises die zweite gelbe Karte. In der Folge hatten die Wiler mehrere Möglichkeiten das dritte und entscheidende Tor zu erzielen. Am nächsten dran war noch Zumberi, der in der 83. Minute nur den Pfosten traf. So blieb es bis zum Schluss spannend, aber die Wiler schafften es die Führung über die Zeit zu bringen.

Torschütze und Captain Muntwiler zeigte sich nach dem Spiel erleichtert. Die Mannschaft habe Moral und Charakter gezeigt und auf den Ausgleich reagieren können. Er hätte sich gewünscht, dass die Mannschaft das Spiel vorher entschieden hätte, sei aber glücklich über den Sieg. Weiter sagte er, dass die Mannschaft aus den späten Gegentoren, die man in den vergangenen Spielen hinnehmen musste, gelernt habe.

FC Wil – Neuchâtel Xamax FCS 2:1 (1:0)

Bergholz: 660 Zuschauer – Sr: Gianforte

Tore: 12. Muntwiler 1:0, 52. Lahiouel 1:1, 69. Lukembila 2:1

FC Wil: Keller; Izmirlioglu, Muntwiler, Miranda (68. Jones); Filip Frei, Kamber (90. Rustemoski), Ndau, Brahimi; Bahloul (68. Zumberi), Reichmuth (68. Silvio); Lukembila.

Neuchâtel Xamax FCS: Guivarch; Goncalves (92. Alili), Bangura, Berisha, Tavares; Veloso, Hammerich (63. Pasche); Haile-Selassie (90. Surdez), Gazzetta (46. Nuzzolo), Lahiouel; Mafouta.

Bemerkungen: Wil ohne Daniel, De Mol, Fazliu, Ismaili, Malinowski und Sauter (alle verletzt) sowie Abazi und Heule (beide nicht im Aufgebot). Xamax ohne Trainer Binotto (gesperrt), Beloko, Kasongo, Morina und Ouhafsa (alle verletzt), Dakouri, Hummel, Rodriguez und Saiz (alle nicht im Aufgebot). 75. Lattenkopfball Nuzzolo, 79. Platzverweis Veloso, 83. Pfostenschuss Zumberi.

Verwarnungen: 15. Reichmuth (Foul), 23. Lahiouel (Foul), 39. Veloso (Foul), 55. Berisha (Foul), 79. Veloso (Foul)