Gegen diese Form von Kinderarbeit hat keine Gewerkschaft etwas einzuwenden. Auf einer rund 2800 Quadratmeter grossen Wiese zwischen dem Zeughaus und dem Autobahn-Zubringer Georg-Renner-Strasse bauen sich Mädchen und Knaben im kommenden Sommer ihre eigene Welt. Dort entsteht die erste Wiler Kinderbaustelle. Es wird gesägt, gegraben, geschraubt, genagelt, betoniert und gehämmert – und gegen Ende des Sommers auch wieder rückgebaut. «Die Kinder von heute haben kaum mehr Möglichkeiten, sich zu betätigen und machen immer weniger mit en Händen. Doch genau das ist wichtig für ihre Entwicklung», sagt Samuel Rissi, Präsident des Vereins Kinderbaustelle Wil, der vor einem Jahr gegründet worden ist.

Die Planungen laufen schon länger. Die Idee kam an einer Versammlung der Wiler Quartiervereins-Präsidenten im März 2017 erstmals auf. Gut zwei Monate später schlug Christian Tröhler, Präsident des Quartiervereins Lindenhof, das nun ausgewählte Grundstück auf dem Zeughaus-Areal vor. Die Verhandlungen mit der Stadt Wil als Landbesitzerin begannen. Samuel Roth, der eine solche Kinderbaustelle in Wattwil im Jahr 2012 mitgegründet hat, verfasste schliesslich ein Konzept im Rahmen seiner Masterarbeit.

Mehrere Fähigkeiten fördern

Mittlerweile ist alles unter Dach und Fach. Es handelt sich um einen Pilotversuch, der vorerst im Jahr 2019 stattfinden soll, im Erfolgsfall in den Folgejahren aber wiederholt wird. Immer am Mittwochnachmittag wird die Kinderbaustelle zwischen 14 Uhr und 18 Uhr offen sein – und zwar zwischen Mai und September. In den Sommerferien sind die mittleren drei Wochen «Bauferien». Angesprochen werden Kinder vom Vorschulalter bis zum zwölften Lebensjahr aus Wil und Umgebung. Während für Kleinkinder zum Beispiel Sandlandschaften zur Verfügung stehen, gibt es für die Primarschüler auch Maschinen. Es ist das Ziel der Vereinsverantwortlichen, von Firmen der Region Material zu bekommen, das dann verbaut werden kann. Es sind immer mindestens zwei Vereinsmitglieder anwesend zu Betreuungszwecken. Auch ehemalige Maurer, Schreiner und Lehrlinge werden anwesend sein. Diese Arbeit wird ehrenamtlich erledigt.

 
So wird auf der Kinderbaustelle in Wattwil gearbeitet.

Die Kinder sollen lernen, sich im Freien handwerklich und kreativ zu betätigen – allein oder gemeinsam. Dabei beziehen sie ihre Umwelt in ihr Handeln ein und fördern ihre taktilen und sozialen sowie motorischen Fähigkeiten. Dabei soll ihnen bewusst nicht genau vorgegeben werden, was sie zu tun haben. Doch ist das nicht gefährlich? «Ein gewisses Risiko kann nicht ausgeschlossen werden. Aber die Kinder sollen damit umzugehen lernen. Zudem sind sie jederzeit betreut und sie tragen eine Weste sowie einen Helm», sagt Samuel Roth.

Stadtrat Sulzer: «Ein Glücksfall»

Die Finanzierung des Projekts, welches 60'000 Franken kostet, ist allerdings noch nicht ganz gesichert. Seitens der Stadt Wil und des Kantons St. Gallen ist je ein Betrag von 15'000 Franken gesprochen worden. «Diese Baustelle ist ein Glücksfall für die Kinder und die Stadt Wil. Dass Kinder mit professioneller Begleitung selber bauen und gestalten können, ist ganz im Sinne einer kinderfreundlichen Gemeinde. Wir unterstützen dieses Projekt aus Überzeugung», sagt der zuständige Wiler Stadtrat Dario Sulzer, seines Zeichens auch Präsident der Jugendkommission.

Auch das Wiler Gewerbe zeigt sich laut den Vereinsverantwortlichen interessiert an diesem Projekt und ist bereit, seinen Teil dazu beizutragen, ob nun materiell oder finanziell.

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"Wir unterstützen das Projekt aus Überzeugung", sagt Stadtrat Dario Sulzer, Präsident der Wiler Jugendkommission.