An der Jahresversammlung des Vereins Kinderdörfli Lütisburg nahm der vom Erziehungsdepartement vorgegebene Sparplan grossen Raum ein. 22 Mitglieder waren der Einladung an die wegen Corona auf anfangs Juli verschobene Jahresversammlung des Vereins gefolgt. Präsident Franz Müller brachte es in seinem Jahresbericht auf den Punkt, welche Auswirkungen der vom Erziehungsdepartement vorgegebene Sparplan auf sich hat. Beim Gebäudeerhalt gilt die Devise, nur noch was betriebsnotwendig. So müssen Liegenschaften veräussert werden, die Gärtnerei ist verpachtet und die Kapelle ist heute Mehrzweckraum, aktuell Proberaum für die Kinderdörfli-Band.

Beim Stellenplan ist Rückfahren angesagt, die Klassenassistenz gibt es ab 2020 nicht mehr, die Werkschule wird geschlossen und der Unterhalt wird um 50 Prozent reduziert. Gesamtleiter Urs Gasser sieht mit dem Abbau der Kinderzahl auch die Herausforderung, wie die Bauten zukünftig genutzt werden sollen. Das Kinderdörfli könnte problemlos bis zu 60 Kinder aufnehmen, zukünftig dürfen es maximal deren 40 sein.

Defizit bei Rechnung und Budget

Nach Präsident Müller verlangt die Anpassung der Strukturen im Kinderdörfli viel Goodwill seitens der Mitarbeitern. Bei der Verwaltungskommission standen unumgängliche und einschneidende Massnahmen an. Das Budget 2019 rechnete mit einem Defizit von 566 800 Franken, die Rechnung weist ein Defizit von 766 411 Franken aus, welches mittels Eigenkapital gedeckt werden muss.

Nur dank der Aufhebung des grosszügigen freiwilligen Angebots mit besonderen Dienstleistungen, der Schliessung des «Time-Out» in Grämigen und der Reduzierung der Tandem-Stunden wie auch dem Abbau beim Stellenpool ist für das Jahr 2020 mit einem kleineren Defizit von 385 000 Franken zu rechnen.

Kehrtwende durch eine Interpellation?

Positiv zum abgelaufenen Jahr konnte Gesamtleiter Urs Gasser über zwölf erfreulich laufende Austritte mit Wechsel in Regelschulen und Berufsleben berichten. Noch könnten sie mit 48 Kindern ins neue Schuljahr starten, zukünftig werden es eben maximal 40 Kinder sein. Nach Gasser ergibt sich daraus vielmals die Situation, dass betreuungsbedürftige Kinder auf der Warteliste stehen und dann viel zu spät eintreten können für eine aufbauende Beschulung. Gasser erhofft sich eine Kehrtwende zu den Sparbeschlüssen des Erziehungsdepartementes durch eine Interpellation im Kantonsrat.

Unter allgemeine Umfrage kritisierte der frühere Leiter des Kinderdörfli, Pius Oberholzer, die Entscheidungen des Erziehungsdepartementes. Der Sparplan laufe eher in Richtung eines langsamen Sterbens. Das Sonderheim unmittelbar zu schliessen, wäre ehrlicher gewesen. Die Unsicherheit wirke sich auf das Personal aus, wie lange sie noch die Anstellung halten könnten. Nach Oberholzer ist das Sonderheim eine wertvolle Einrichtung, wo problemlos bis zu 60 Kinder Betreuung finden können.

Abschied für Franz Müller

Auf 38 Jahre im Einsatz für das Kinderdörfli Lütisburg blickt der scheidende Präsident Müller zurück. Im Mai 1982 in die Kommission eingetreten, im Jahr 1992 zum Vizepräsidenten gewählt und im Mai 2002 fand seine Wahl zum Präsidenten statt. In seine Wirkungszeit fiel der Wechsel von der geistlichen in die weltliche Führung. Veränderungen in der Schulführung, Umsetzung des Baukonzepts waren weitere Meilensteine. Mit vielerlei Lob ehrte Hanspeter Fust von der Verwaltungskommission den Einsatz des scheidenden Präsidenten und ernannte Müller in Rücksprache mit der Verwaltungskommission zum Ehrenpräsidenten.

Glen Aggeler, neuer Präsident

Der ursprünglich gelernte Konstrukteur Glen Aggeler aus Herisau übernimmt das Präsidium der Verwaltungskommission. Sein Werdegang geht über die Polizeischule, Ausbildung zum Rechtstreuhänder mit Bewilligung als patentierter Rechtsagent. An der Hochschule Luzern absolvierte er den Master in Sozialarbeit, um dann über sieben Jahre die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) Toggenburg zu präsidieren. Aggeler sieht sich in Belangen der Kinder und Jugendlichen gut vorbereitet, um das Präsidium des Kinderdörfli kompetent ausführen zu können, wie er sich in seiner Vorstellung ausdrückte.