Wenn Kinder wegen der Coronapandemie nicht in die Schule können oder wenn ihre konsumierenden Eltern noch mehr zu Hause sind, leiden umso mehr. Die jährliche von Sucht Schweiz koordinierte Aktionswoche vom 8. bis 14. März macht auf ihre Situation aufmerksam und ermutigt dazu, diesen Kindern beizustehen. Zahlreiche Organisationen in 15 Kantonen führen 29 öffentliche Aktionen durch. Kampagnenbotschafter ist unter anderen der Komiker und Satiriker Renato Kaiser. Ehemalige Betroffene stellen ihre Berichte zur Verfügung.

Wenn ein Elternteil suchtkrank ist, leidet die ganze Familie darunter. Für die Kinder bedeutet dies oftmals, dass das Familienklima angespannt, konfliktbeladen und unberechenbar ist. Sie sind täglich mit Angst, Scham, Schuldgefühlen, Unsicherheit und nicht zuletzt mit Isolation konfrontiert. Während der Coronapandemie sind die Kinder noch mehr mit der Situation konfrontiert, wenn sie nicht in die Schule oder zu Freunden können, oder wenn konsumierende Eltern öfters zu Hause sind. Die durch Corona oft noch angespanntere Situation kann sich auch - aber nicht nur - in betroffenen Familien vermehrt in Gewalt entladen. Das Kinderspital Zürich für das Jahr 2020 eine Zunahme der Kindsmisshandlungen von insgesamt zehn Prozent gemeldet.

Kindern suchtkranker Eltern eine Stimme geben

Kinder aus suchtbelasteten Familien lieben ihre Eltern und wollen sie schützen. Umgekehrt wollen auch suchtkranke Eltern gute Eltern sein und verheimlichen aus Angst und Scham ihre Probleme Deshalb bleibt die schwierige familiäre Situation meist geheim und die Kinder tragen die Last dieses Geheimnisses während der ganzen Kindheit. Ihr Leiden wird deshalb oft nicht erkannt.

Mit dieser nationalen Aktionswoche soll das Tabu gebrochen und die Öffentlichkeit für die Situation und die Bedürfnisse dieser Kinder sensibilisiert werden. Es wird aufgezeigt, wie Menschen in ihrem Umfeld helfen können. Zudem sind Unterschiede im Erleben und den Bedürfnissen zwischen Buben und Mädchen herausgearbeitet worden. Für die Fachleute aus dem Sozialbereich werden Fortbildungen und Vernetzungen organisiert und Broschüren zur Verfügung gestellt.

Die Aktionswoche ist Teil einer internationalen Bewegung und wird in mehreren Ländern durchgeführt. In der Schweiz beteiligen sich zahlreiche Organisationen und führen in 15 Kantonen öffentlichkeitswirksame Aktivitäten durch.

Weitere Informationen sowie Betroffenenberichte finden sich auf der Kampagnenwebsite; zudem bietet die Suchtberatung Region Wil (SBRW) Beratung und Unterstützung von Einzelpersonen, Familien und Paaren, die von einem Suchtproblem betroffen sind an. Für Fachpersonen aus dem Gesundheits-, Bildungs- und Sozialwesen hat die SBRW ein Weiterbildungsangebot rund um das Thema 'Sucht' im Angebot.