«Es hat sich auch heute niemand gegen die Fernwärme an sich geäussert, das ist doch positiv», schloss Gemeindepräsident Roman Habrik am Donnerstagabend die Informationsveranstaltung im Toggenburgerhof. Er fasste damit die über einstündige Diskussion unter den gut 60 Anwesenden zusammen, in der in der Sache tatsächlich Einigkeit herrschte: Alle Anwesenden, von den Bürgerinnen bis zu den verschiedenen Parteivertretern, wollen einen Anschluss Kirchbergs ans bestehende Fernwärmenetz der Regionalwerke Toggenburg AG (RWT) und des Zweckverbands Abfallverwertung Bazenheid (ZAB).

Da dieser Anschluss aber betriebswirtschaftlich für die RWT wenig Sinn hätte, hatte sich der Gemeinderat auf eine Anschubfinanzierung von gesamthaft 533’000 Franken «à fonds perdu» geeinigt. Nicht als Darlehen oder Risikogarantie, sondern aus dem Budget bezahlt – das führte im kleinen Saal des Toggenburgerhofs zu Diskussionen. Mehr als einmal musste Roman Habrik wiederholen, dass diese Gelder nicht ein Geschenk an die Betreiberin seien. «Die RWT gehört zu zwei Dritteln der politischen Gemeinde Kirchberg. Das Geld bleibt also als Investition innerhalb des Gemeindekonstrukts und fliesst nicht ab.»

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Rund 60 Interessierte fanden sich im Toggenburgerhof zur Informationsveranstaltung der politischen Gemeinde Kirchberg ein.


Erdsonden kämen teurer

In seinem Eingangsreferat hatte Roman Habrik die Position des Gemeinderats erörtert. Als Energiestadt wolle man ein Fernwärmenetz. Da die RWT dafür gesamthaft gut 16 Millionen Franken in Kirchberg investieren müsse, wäre es der Co-Eigentümerin (Politische Gemeinde Bütschwil-Ganterschwil) gegenüber unfair, wenn diese das Risiko mittragen müsse. Daher wäre es sinnvoller, die Finanzierung auf diesem Wege zu gestalten, als etwa durch eine Ausfall- oder Risikogarantie, die beide Eigentümerinnen betreffen würde.

Eines der wichtigsten Argumente jedoch, das sich laut Roman Habrik für die Anschubfinanzierung bewiesen hat, sei die Heizungssituation verschiedener öffentlicher Gebäude. Alleine die Installation von Erdsonden für die Oberstufe Lerchenfeld und die Primarschule Sonnenhof käme die Gemeinde rund 560’000 Franken teurer zu stehen, als wenn sie die Liegenschaften ans Wärmenetzwerk anschliessen könnte. Verschiedene Voten im Saal folgten dieser Argumentation. «Ob wir jetzt eine halbe Million in Erdsonden für die Schulen stecken oder in die Fernwärme, ist doch Haarspalterei», sagte etwa eine Bürgerin.


Ortsparteien in der Verantwortung

Noch bis zum 22. Juli kann das fakultative Referendum ergriffen werden. Von den politischen Parteien Kirchbergs stellte sich im Toggenburgerhof keine gegen die Anschubfinanzierung – von SP bis SVP zeigten sich am Donnerstagabend alle Parteivertreter einig, dass es den Anschluss ans Fernwärmenetzwerk braucht. Linus Thalmann, Präsident der SVP-Ortspartei, gab aber zu bedenken, dass zwar im Saal Einigkeit herrschen möge. Aber Teile der Bevölkerung hätten ihn bereits wegen des «à fonds perdu» kontaktiert. Er bezweifelte, dass die SVP das Referendum ergreifen würde, befürchtete aber, dass es durch Dritte dazu kommen könnte. Stefan Diener aus Bazenheid, Präsident der SP Sektion Alt-Toggenburg, sah in dieser Hinsicht die anwesenden Parteivertreter in der Pflicht: «Es ist die Aufgabe aller Parteileute, die Menschen aufzuklären. Wir haben eine gewisse Verantwortung.»