Der Präsident der evangelisch-reformierten Kirche Unteres Toggenburg, Enzo Fuschini, präsentierte am Sonntag an der Kirchgemeindeversammlung in der Kirche Lütisburg ein Projekt, mit dem die Kirchgemeinde der Lösung ihres Platzproblems vor Ort einen Schritt näher kommen könnte.

«Es ist kein Luftschloss»

Wie Fuschini ausführte, soll, wenn alles glatt geht, ab dem Sommer 2022 mit der Erstellung des Anbaus auf der Westseite des Gotteshauses begonnen werden. Die geschätzten Kosten dürften sich auf rund 1,5 Millionen Franken (+/- 25 Prozent) belaufen. Bezahlt werden soll der Bau durch den Verkauf des nicht mehr benötigten Pfarrhauses in Ganterschwil (Schätzwert: 690'000 Franken) sowie durch Gelder aus dem Finanzausgleich der Landeskirche (800'000 Franken). Durch den Verkauf der Liegenschaft sei man höchstens geringfügig gezwungen, das vorhandene Eigenkapital, das sich auf 532'400 Franken beläuft, anzutasten, erklärte Fuschini. Somit könne man auch auf eine Erhöhung des Steuerfusses verzichten. «Es ist kein Luftschloss, das wir präsentieren, sondern absolut realisierbar», betonte Fuschini. Im Herbst wird sich die Kirchenvorsteherschaft an die genaue Budgetierung machen und den Kirchbürgern an der nächsten Kirchgemeindeversammlung einen Antrag stellen.

Orgel und Bänke müssen raus

Der Anbau, der auf den Plänen des Kirchberger Architekturbüro Skizzenrolle fusst, soll Veranstaltungen mit bis zu 250 Personen ermöglichen. Damit er realisiert werden kann, muss jedoch die heutige Pfeifenorgel weichen. Fuschini versprach, dass man zukünftig auf eine E-Orgel zurückgreifen wird, die nicht nur viel weniger Platz benötigen, sondern musikalisch auch besser sein werde als das alte Instrument. Weg kommen auch die Kirchenbänke; sie werden durch Stühle ersetzt, was, wie auch die vorgesehenen Schiebetüren, bei Anlässen ein Höchstmass an räumlicher Flexibilität erlaubt. Auch soll die Ölheizung durch eine ökologischere Alternative ersetzt werden.

Allerlei positive Rückmeldungen

Beeinträchtigungsgerechte sanitäre Anlagen, ein Besprechungszimmer, ein kleines Office und Lagerräume sollen nach der Nutzungserweiterung auch Platz in der Kirche finden. «Es ist nach wie vor eine Kirche, wir wollen aber mehr machen», bekräftige Fuschini. Die Reaktion der Gemeindemitglieder freute ihn, denn alle, die sich zu Wort meldeten, sprachen sich für den Anbau aus. Einige fanden, dass die Kirche so attraktiver werde. Andere wiederum betonten die Möglichkeit, mit diesem modernen Konzept auch Jugendliche und junge Familien ansprechen zu können. Dementsprechend einladend und offen soll auch der neue Eingang gestaltet werden. Was hingegen nach wie vor in der Kirche bleiben wird, sind die schönen Fenster.

Keine «schlafenden Hunde wecken»

Die Kirchbürger hatten auch über eine Anfrage eines lärmempfindlichen Mannes zu befinden, der beabsichtigt, sich in die Nähe der reformierten Kirche niederzulassen. Er fragte an, ob man nachts auf den Stunden-, zumindest aber auf die Viertelstundenschläge der Kirchenglocke verzichten könnte. Eine kurze, aber intensive Diskussion unter den Anwesenden ergab, dass man auf das Ansinnen nicht weiter eingehen wolle. Denn zum einen «sei die Kirche schon lange vor Ort» und zum anderen wolle man «keine schlafenden Hunde wecken», was durchaus der Fall sein könnte, wenn man auf das Ansinnen einginge, lauteten einige der Argumente.

Zu keinerlei Diskussionen gaben die Rechnung 2020 und das Budget 2021 Anlass. Sowohl die Rechnung 2020, welche gegenüber dem Budget 2020 mit einem Einnahmenüberschuss von fast 142'000 Franken abschloss, als auch das ausgeglichene Budget 2021, das mit Einnahmen und Ausgaben von je 1'382'993 Franken rechnet, wurden einstimmig genehmigt.