Nein, die Konkurrenz in Kauf-Verfahren war nicht gross. Oder präziser: Sie war nicht vorhanden. Und dies mit gutem Grund. Die Liegenschaft Kirchgasse 11 war heruntergekommen und der Zahn der Zeit hatte so mancherorts genagt. Als Katharina Breitenmoser und Marko Sauer das Haus zum ersten Mal besichtigt hatten, da sagte sich Breitenmoser: «Das geht nicht. Es handelt sich um eine Ruine.» Doch Marko Sauer wollte es unbedingt kaufen – und setzte sich schliesslich durch. Am Tag nach dem Erwerb glaubte Breitenmoser noch immer, den grössten Fehler ihres Lebens begangen zu haben. Trotzdem wurde bereits eine Mulde bestellt und schon bald entsorgt, was von den vielen Geschichten der Vergangenheit übriggeblieben und weder nötig noch brauchbar war. Erneuert und aufgefrischt wurde innen und aussen. Mit dem Ziel, dem Haus seine Ursprünglichkeit wieder zurückzugeben.

«Im Verlaufe der zweijährigen Rennovationszeit haben wir viele Geschichten von vielen Personen zu diesem Haus gehört», sagt Breitenmoser. Heute wohnen sie jeden Tag gerne an der Kirchgasse 11.

Einstimmig entschieden

Am Donnerstagabend gab es den Lohn. Und zwar i in Form der Verleihung des 13. Prix Casa, welcher im Restaurant Bären unterhalb der Wiler Altstadt vergeben wurde. «Es war eine glasklare Sache», sagte Walter Dönni vom Verein Wil Tourismus, der in enger Zusammenarbeit mit der Stadt Wil für die Ernennung verantwortlich zeichnet. «Das Haus wurde einer artgerechten Renovation unterzogen. Es ging dabei nicht nur um die Fassade, sondern um eine grundsätzliche Rennovation. Im Innenbereich wurden alte Strukturen stehengelassen, aber doch moderne Elemente eingebaut», würdigte Dönni. Er ergänzte: «Es ist eine Renovation, wie wir sie gerne sehen.»

Die Entscheidung in der fünfköpfigen Jury – neben Dönni bestehend aus Kurt Leuenberger von Wil Tourismus, Daniel Stutz und Renato Tamburlini von der Stadt sowie dem Altstadtberater Andreas Diesslin – fiel einstimmig. «Ein solches Objekt findet man nicht alle Jahre», sagte Dönni.

Prix Casa für einen Garten

Mit dieser Auszeichnung kehrte Wil Tourismus zu den eigenen Wurzeln zurück, den Preis für die schönste Rennovation eines Hauses mit historischer Bedeutung zu vergeben. Denn hinsichtlich des vergangenen Jahres war das Regelwerk angepasst worden. Neben baulichen und renovationstechnischen Veränderungen sind seither auch Gesichtspunkte wie Energetik, Lebensraum, Ökologie und dergleichen als auszeichnungswürdig bestimmt worden. Und prompt erhielt vergangenes Jahr nicht ein Gebäude den Prix Casa, sondern der Garten von Rita Jakubowski an der Marktgasse. Ganz grundsätzlich wird der Preis für die schönste Rennovation eines historisch wertvollen Gebäudes vergeben.

Bereits vor besagter Regeländerung war das Reglement bereits einmal angepasst worden. Heute können nicht nur Altstadthäuser, sondern alle Gebäude auf städtischem Gebiet – also auch in Bronschhofen oder Rossrüti – ausgezeichnet werden. Seit 2003 wird der Preis regelmässig vergeben. Jedoch konnten in den Jahren 2005, 2013 und 2015 keine Objekte gefunden werden, welche die Kriterien des Reglements erfüllten. Also gab es in jenen Jahren keinen Prix Casa.