Kommt sie? Oder kommt sie nicht? Das war eine Frage am Behördenempfang, bei welchem Politiker von Stadt und Region Wil traditionell am frühen Silvesterabend auf das neue Jahr anstossen. Seit 1992 und der Wahl ins Wiler Stadtparlament hatte Karin Keller-Sutter diesen Anlass in mehr als einem Vierteljahrhundert nur ein einziges Mal verpasst. Und sie war auch dieses Mal da. «Es ist eine Frage der Wertschätzung gegenüber den Menschen, die sich in der Kirche, der Schule oder der Politik engagieren. Ich werde auch in Zukunft versuchen, im Rahmen des Möglichen bei den Leuten zu bleiben» sagte Karin Keller-Sutter gegenüber hallowil.ch.

Es war ihr letzter offizieller Termin als «Noch-Nicht-Bundesrätin». Nachdem KKS am 5. Dezember gewählt und acht Tage später auf dem Hofplatz von über 3000 Personen feierlich empfangen worden war, hatte sie sich in den vergangenen Wochen in einer Übergangsphase dem Bundesrats-Amt angenähert und wurde bereits in gewisse Entscheidungen miteinbezogen. «Ich bin froh, dass es jetzt losgeht. Nun können auch Entscheide gefällt werden», sagte die Wilerin gut sechs Stunden vor dem offiziellen Amtsantritt. Sie gab weiter zu Protokoll, dass sie eine Wohnung in Bern bezogen hat, dort aber noch die Möbel fehlen. Die Auslieferung lässt auf sich warten. Hund Picasso bleibt ein Wiler und wird weiterhin durch den Schwiegervater betreut.

Karin Keller-Sutter und der Brückeneinsturz

Auch Norbert Hodel, Präsident des organisierenden Wiler Ortsbürgerrates, erwähnte in seinen Begrüssungsworten die Bald-Bundesrätin. Er sagte: «Für alle ist Karin Keller-Sutter ein Beweis, dass man mit Ausdauer viel erreichen kann.» Die Bundesratswahl war für Hodel eines von zwei Ereignissen, die ihm und wohl manch einem Wiler aus dem Jahr 2018 in Erinnerung bleiben werden. Das andere war der Brückeneinsturz von Genua, der 43 Menschen das Leben gekostet hat – und einem Lastwagenfahrer knapp nicht.

Bald schon war dann im alten Gerichtshaus, wo der Behördenempfang stattfand, Lichterlöschen. Denn die Aufmerksamkeit gehörte fortan Hunderten von Kindern, die mit ihren selbstgebastelten Laternen durch die abgedunkelte Altstadt zogen. Seit genau 200 Jahren gibt es diese Wiler Silvester-Tradition. Der Ursprung liegt im Jahr 1818, als erstmals eine behördliche Laternenvisitation erwähnt wurde. Bei der Inspektion war das Vorhandensein einer Notbeleuchtung in den Häusern er Altstadt zu kontrollieren. Diese Überprüfung fand alljährlich am 31. Dezember statt, und zwar abends zwischen 18 Uhr und 19 Uhr. Für die Kinder war es spannend, die Kontrolleure zu begleiten. In der Dunkelheit trugen sie eine Beleuchtung mit sich, woraus mit der Zeit der Kinderbrauch entstand.

«Silvester-Manne» zum Abschluss

Der Anlass hat sich längst als Laternenumzug etabliert. Nach dem Ertönen der grossen Glocke der Stadtkirche und einem Trommelwirbel erfolgte der Einzug auf den Hofplatz zum ersten Halt. Auch bei einem weiteren Stopp unterwegs wurden besinnliche Texte rezitiert und traditionelle Lieder gesungen – zum Schluss das Wiler Stadtlied. Die Stadtharmonie und die Stadttambouren umrahmten den Anlass musikalisch. Stadtpräsidentin Susanne Hartmann liess per Lautsprecher aus er Dunkelheit verlauten, dass dieser Brauch der wohl älteste in dieser Form überhaupt sei. Mit dem Verteilen der «Silvester-Manne» - an anderen Tagen nennt man sie Gritibänz – wurden der Anlass und das Jahr ausklingen gelassen.