Nach Auftritten in Nesslau und Rapperswil gastierte das international ausgezeichnete Jugendorchester „il mosaico“ auch an der Kanti Wil. Das ausgewogene Programm, die reife Spieltechnik und die Freude an der Musik überzeugten.Was ist zu tun, wenn man über ein international sehr beachtetes klassisches Jugendorchester verfügt, bei jungen Musikerinnen und Musikern immer wieder Begeisterung weckt, die eigenen Talente pflegt und fördert, so dass sie auch später, als junge Professionelle, Kontakt zum „Mutterensemble“ halten und ihm oft auch weitere junge Talente zuführen? Man fährt mit diesem Erfolgsrezept fort.

Die Freude an der Musik ins Gesicht geschrieben
In dieser bewährten Tradition stand denn auch das Konzert an der Kantonsschule Wil, welches „il mosaico“ zu Beginn des neuen Jahres aufführte. Es wurde nach Auftritten in Nesslau und Rapperswil auch an der Kanti Wil aufgeführt: attraktive Gelegenheit für die Musikerinnen und Musiker des Jugendorchesters (Kantonsschule Wattwil und Musikschule Toggenburg) zum Zusammenspiel mit drei hochtalentierten jungen Solisten.

Ihnen allen war die Freude am anspruchsvollen musikalischen Geschehen in die Gesichter geschnitten. Vor einem Publikum, bei dem die in Ehren Ergrauten mit beachtlich viel jungem Blut gemischt waren!

Prickelnder Haydn
Die Eröffnung erfolgte mit dem reizvollen Hornkonzert Nr. 2 in D-dur von Joseph Haydn. Der aus dem St. Gallischen Steinach stammende Solist (Ivo Dudler, Horn) spielt sein Instrument schon seit dem 12. Lebensjahr. Gegenwärtig ist seine musikalische Karriere und weitere Förderung auf Berlin konzentriert (Orchester-Akademie der Berliner Philharmoniker), seit September ist er Solohornist der Radiophilharmonie Hannover.

In den drei Sätzen des Konzerts aus Haydns Reifezeit bei den Fürsten von Esterhazy zeigte sich sein Können in allen Sparten. Einmal variierte sein sehnsüchtiges Instrument die von einem hochaufmerksamen Ensemble vorgelieferten Motive, die er in virtuosen Koloraturen variierte, dann wieder preschte er in eiligen Läufen voraus. Das Wechselspiel war reizvoll –für beide Seiten sichtlich voller Genuss, natürlich auch beim Publikum, das die glänzende Eröffnung mit viel Beifall bedachte.

Hochmusikalische Lerche
Ebenfalls höchst reizvoll war die darauf folgende Intonierung des Kabinettstücks „The Lark Ascending“ (Die aufsteigende Lerche) aus der Feder des englischen Komponisten Ralph Vaughan Williams (1872-1958). Seine Komposition für Solovioline und Kammerorchester hatte er schon 1914 begonnen. Sie wurde durch den 1. Weltkrieg unterbrochen, aus dem der Soldat unversehrt zurückkehrte.

Seine Huldigung an den talentiertesten europäischen Singvogel wurde 1920 fertiggestellt. Es handelt sich, wie das Programmheft treffend vermerkte, um einen genialen „Lauschangriff auf eine Lerche“, ganz mit den Mitteln einer solistischen Violine und einem hellwachen Kammerorchester bewerkstelligt, bestückt mit einer satten Streicherbesetzung und wenig höchst sensiblen Bläsern (Einstudierung Wilfrid Stillhard).

Das Trillern des begabten Vögelchens nachgezeichnet
Zusammen mit der virtuosen Geige, gespielt von der international ausgezeichneten jungen Solistin Bami Song, verfolgte man den erst etwas zögerlichen, dann immer selbstbewusster in Kreisen aufsteigenden Flug einer Lerche in die Morgensonne – ein musikalisches Erlebnis. Bami Song, seit frühester Kindheit mit der Musik verwachsen und mit mehreren angesehenen internationalen Preisen ausgezeichnet, ist momentan neben verschiedenen Engagements aufgenommen in die Meisterklasse von Prof. Ingolf Turban (München).

Die junge Solistin zeichnete das Trillern und Tirilieren des begabten Vögelchens überzeugend nach, mit einer bis in letzte Feinheiten ausgereiften Streichtechnik, gleichzeitig warm und kristallklar. Diese Vorgabe nahm das Ensemble mit sichtlicher Begeisterung auf. Es setzte dem schwirrenden Lerchenflug oft betont langsame und „irdische“ Tonwellen entgegen, so dass vor dieser „Filmmusik“ hörbare Landschaften entstanden, gesehen aus beglückender Höhe. Daran hatten auch die lyrisch-zurückhaltenden Bläser ihren speziellen Anteil.

Glanzvoller Beethoven
Den Abschluss des abwechslungsreichen Konzertes bildete das Klavierkonzert Nr. 2 in B-dur (op. 19) von Ludwig van Beethoven. Aus der frühen Schaffensphase des Komponisten stammend, zeigt es doch schon entschieden die persönlichen Züge des alle Raster sprengenden Komponisten. Am Flügel spielte sich Solist Mathis Bereuter schnell in die Herzen des Publikums.

Der auf renommierten Musikfestivals gesuchte Solist hat sich international einen Namen gemacht, bis nach Japan. Mit schnellen, manchmal gehämmerten chromatischen Läufen, dann wieder elegisch-träumerischen Partien peitschte er das Ensemble auf, um es gleich wieder in ruhigere innig-aufwühlende Bahnen zu leiten. Das dramatische, alle fordernde Wechselspiel stiess beim jungen Ensemble und seinem Solisten auf offensichtliche Freude, die sich eins zu eins aufs Publikum übertrug. Was will man mehr?