Mehr Hitzetage. Trockene Sommer. Schneearme Winter. Mehr Starkniederschläge und Überschwemmungen: Die Klimaszenarien Ch2018 sind wenig beruhigend – und die Realität bestätigt sie. Was tun? Klimaschutzanstrengungen können den Klimawandel einerseits eindämmen, anderseits müssen sich die Gesellschaft und der Lebensraum an die sich verändernden Verhältnisse anpassen.

Zusätzliche Anstrengungen

Der Gemeinderat ist überzeugt, dass zusätzliche Anstrengungen nötig sind, um den Energiebedarf der Gesellschaft einzudämmen, die Energie erneuerbar zu produzieren, die Wertschöpfung im Land zu halten und Abhängigkeiten nicht zu vergrössern. Mit einem bunten Strauss von Massnahmen arbeitet die Gemeinde seit Jahren darauf hin. Stichworte sind etwa Energieberatung, Förderbeiträge, Sensibilisierungen und die Anpassungen gemeindeeigener Bauten und Anlagen an die veränderten Anforderungen oder der Weg als Energiestadt, bei welchem das Engagement der Gemeinden mess- und vergleichbar wird.

Fokus Neubauten

Den Gebäuden kommt auf dem Weg in Richtung Energiewende eine wesentliche Bedeutung zu. Was gebaut wird, bleibt lange Zeit bestehen. Der Gebäudestandard definiert den Energieverbrauch über die Lebensdauer, ambitiöse Ziele bei Neubauten sind entsprechend wichtig. Die Gemeinde Uzwil fordert deshalb beispielsweise von Investoren grösserer Bauten über Instrumente wie Sondernutzungspläne effizientes und nachhaltiges Bauen und einen hohen Gebäudestandard. Das adressiert der Gemeinderat auch an die Gemeinde selbst, allein schon der Glaubwürdigkeit und der Vorbildrolle wegen.

Neubauten im Fokus

Und deshalb orientiert sich die Gemeinde bei ihren wenigen eigenen Neubauten ebenfalls konsequent an hohen Gebäudestandards. Nächstes Neubauvorhaben der Gemeinde ist der Werkhof. Geplant ist ein Niedrigstenergie-Gebäude mit der Zertifizierung «Minergie P», gebaut aus Schweizer Holz und mit einem nachhaltigen Gebäudekonzept. Eine Photovoltaik-Anlage erstreckt sich über das ganze Dach des Gebäudes. Sie wird mehr Energie produzieren, als das Gebäude für Heizung, Warmwasser und Strom benötigt. Thermische Solarkollektoren auf dem Dach des Werkhofs dienen ergänzend für die Erwärmung des Warmwassers. Weite Teile des Werkhofs sind unbeheizt, aber so gedämmt, dass sie nicht einfrieren. Geheizt wird mit einer Wärmepumpe mit Erdsonden. Was beheizt wird, ist ebenfalls stark gedämmt. Eine Regenwassernutzung für die WCs und die Waschanlage reduziert den Frischwasserverbrauch deutlich. Kurzum: Der Werkhof wird ein energetisch und nachhaltig vorbildliches Gebäude. Es verkörpert die Haltung, wie Gebäude zukunftstauglich realisiert werden können.

Herausforderungen

Mit der Klimaerwärmung einher gehen verschiedenste Herausforderungen. Die Trockenheit fordert die Landwirtschaft heraus. Paradox: Gleichzeitig nehmen mit der Klimaerwärmung die Starkniederschläge und damit das Risiko durch Überschwemmungen zu. Wegen zunehmend verdichteter Böden fliesst Regenwasser oberflächlich ab – und kann auch an Orten weit weg von Bächen zu Überschwemmungen führen. Das fordert die Grundeigentümer, ihre Liegenschaften an die Veränderungen anzupassen, Regenwasser möglichst zurückzuhalten und vor Ort in den Kreislauf zurückzugeben, statt über die Kanalisationen abzuleiten und damit Überschwemmungen an Gewässern zu fördern. Für die Grundeigentümer und Unterhaltsdienste steigt mit zunehmenden Unwettern und Überschwemmungen der Aufwand. Mit der Klimaerwärmung erhöht sich auch der Pflege- und Wässerungsaufwand für Bäume im Strassenraum. Die Bäume sind gleichzeitig unverzichtbar: Sie wirken mit dem Schatten und der Verdunstungskälte der Hitze im urbanen Raum entgegen und fördern die Biodiversität in der Siedlung. Kurzum: Es wird grosser Anstrengungen von Gesellschaft und Öffentlichkeit brauchen, sich an die verändernden Rahmenbedingungen anzupassen.

Mehr Hitzetage

In der Schweiz ist die mittlere Jahrestemperatur seit Messbeginn 1864 bereits um +2 °C gestiegen, gut doppelt so stark wie im globalen Mittel. Zukünftig ist mit weiter steigenden Mitteltemperaturen über alle Jahreszeiten zu rechnen. Auch Hitzeextreme werden voraussichtlich häufiger vorkommen und länger andauern, vermehrt wird es zu Hitzewellen mit heissen Tagen und Tropennächten kommen.

Trockenheit in Sommermonaten

In den Sommermonaten ist zukünftig mit mehr regenfreien Tagen zu rechnen, wodurch die Wasserressourcen vermehrt unter Druck kommen. Insgesamt werden durch die Abnahme des Niederschlags und die höhere Verdunstung aufgrund der wärmeren Temperaturen die Böden trockener.

Schneearme Winter

In Gebieten unter 800 Meter Höhe hat sich die Anzahl der Schneetage pro Jahr seit 1970 bereits halbiert. Aufgrund der weiter steigenden Mitteltemperaturen wird es besonders in tiefen Lagen noch seltener und weniger schneien. Der Niederschlag fällt vermehrt als Regen. Auch die Nullgradgrenze wird weiter ansteigen und die Gletscher werden weiter an Volumen einbüssen.

Zunahme von Starkniederschlägen

Starkniederschläge werden in Zukunft häufiger und intensiver vorkommen, insbesondere in den Wintermonaten. Obwohl die Niederschlagssummen insgesamt abnehmen, werden Einzelereignisse stärker, was vermehrt Erdrutsche und Überschwemmungen zur Folge haben kann. Zwischen 20 bis 30 Prozent der Hochwasserschäden sind auf oberflächlich abfliessendes Regenwasser zurückzuführen. Oberflächenabfluss tritt vor allem bei Starkniederschlägen auf. Mit zunehmenden Starkniederschlägen nimmt voraussichtlich also auch der Oberflächenabfluss zu.