«Die schwerwiegenden Umweltprobleme und der globale Wandel der Märkte haben nicht nur eine negative Seite. Sie bieten auch die Chance, neue, unkonventionelle und innovative Lösungen zu entwickeln und zu realisieren», sagte Stefan Scheiber, CEO der Firma Bühler am an der Medienpräsentation in Uzwil. Dass Bühler in diesem Bereich auf breiter Front aktiv und in manchen Belangen bereits erfolgreich ist, zeigten verschiedene Führungskräfte auf. Es war ein wahres Feuerwerk, das Bühler während zwei Stunden im «Cubic», dem im letzten Mai eingeweihten Glaskubus des Innovationszentrums, zündete. Es ging um bereits verwirklichte Projekte, Zukunftsmöglichkeiten und Massnahmen und Kooperationen, mit welchen man Probleme in den Griff bekommen will.

Neueste Glastechnologie

Marcello Fabbroni, Direktor des Zentrums, wies darauf hin, dass bei der Fassade des Cubic ganz spezielles Glas zum Einsatz gekommen sei. Es handelt sich dabei um elektrochromes Glas. Die hauchdünne Beschichtung, die von Bühler mitentwickelt wurde, machen das Sage-Glas «intelligent», so Fabbroni. 36 Sensoren und entsprechende Software sorgen dafür, dass das Glas seine Tönung je nach Sonneneinstrahlung und Licht anpasst. Dies erlaubt jederzeit uneingeschränkte Sicht nach draussen. Der Umwelt komme das intelligente Glas zugute, indem ein damit ausgerüstetes Gebäude über 30 Prozent weniger Energie für Heizung und Kühlung brauche.

Das beschichtete Glas gehört zum Bereich «Advanced Materials», zu dem Samuel Schär einige Ausführungen machte. Schär sieht besonders im Bereich Elektromobilität Möglichkeiten zur Verbesserung der Umweltbilanz. Dies nicht nur durch die E-Fahrzeuge an sich, sondern auch durch bessere Batterien und den Einsatz von Materialien, welche die Umweltbelastung reduzieren. Als neue Lösung aus dem traditionellen Bühler-Geschäftsfeld erwähnte CEO Scheiber die Entwicklung der 4. Mühlengeneration «Mill E3».

Kooperation mit Wissenschaft

Irene Mark-Eisenring, als Leiterin Personalentwicklung seit Kurzem die erste Frau in der Bühler Führungsetage, sprach über die Anstrengungen des Unternehmens im Bereich Aus- und Weiterbildung. In den letzten gut 100 Jahren hat Bühler rund 800 junge Menschen zu Berufsleuten ausgebildet. Über 70 Prozent davon seien der Firma auch nach der Lehrzeit treu geblieben. Von den weltweit über 13'000 Mitarbeitenden seien heute noch ein Sechstel Schweizer.

Um auch künftig erfolgreich zu sein, baue Bühler sein Aus- und Weiterbildungsangebot stetig aus, so die Personalverantwortliche. Dazu gehöre die weltweite Vernetzung der Grundbildung, aber auch attraktive Trainingsprogramme für Führungskräfte. Ausserdem erwähnte Mark-Eisenring das Generationen-B-Network (Zusammenwirken von pensionierten und aktiven Führungskräften) und das Kursangebot für Bühler-Kunden.


Alternatives Hühnchen für die Teilnehmer

Einen Schlüssel zum Erfolg, aktuelle Probleme zu lösen, sieht man bei Bühler in Kooperationen. Geht es nach dem Uzwiler Unternehmen, muss der Austausch von Know-How auch zwischen Wissenschaft und Wirtschaft funktionieren. Etwa mit den technischen Hochschulen ETH Zürich und EPF werde kooperiert.

Als wichtiger Zukunftsbereich kam auch die Entwicklung alternativer Nahrungsmittel zur Sprache. Um Ressourcen zu schonen, müssten künftig mehr Produkte auf weniger Landfläche produziert werden, forderte Ian Roberts, Chef der Technikabteilung. Sein ambitioniertes Ziel: eine Nahrungsmittelproduktion mit 50 Prozent weniger Energie- und Wasserverbrauch und 50 Prozent weniger Abfall. Dazu brauche es aber eine alternative Eiweissproduktion. Vorgeführt wurde dies gleich am Abend. Ein Start-up-Unternehmen verköstigte die Teilnehmer der Präsentation mit einem Hühnchengericht, hergestellt aus Erbsen.

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Trotz weniger Aufträgen bleibt der Umsatz von Bühler stabil (13.2.20)

Aufgrund der hohen Volatilität in einigen Schlüsselmärkten von Bühler verlief die Geschäftsentwicklung in den Segmenten unterschiedlich. Die Nahrungs- und Futtermittelmärkte verbuchten eine beständige Nachfrage – insbesondere die Verarbeitung von pflanzlichen Proteinen für Fleischalternativen und die Mälzerei erlebten laut Firmenangaben einen starken Aufschwung. Die Automobil-, Unterhaltungselektronik- und Architekturglasindustrien hingegen waren rückläufig.

Somit stieg der Auftragseingang für Grains & Food weiter auf 1,8 Milliarden Franken (+5,2 Prozent), für Consumer Foods ging er leicht zurück auf 775 Millionen Franken (–1,7 Prozent), und Advanced Materials musste einen Rückgang des Auftragseingangs um 32,2 Prozent auf 488 Millionen verkraften. Beim Umsatz zeigte sich Grains & Food mit 1,8 Milliarden Franken (+0,9 Prozent) robust. Consumer Foods konnte seinen Umsatz um 2,5 Prozent auf 774 Millionen Franken steigern. Mit 649 Millionen Franken ging der Umsatz von Advanced Materials um 8 Prozent zurück.

Höhere Eigenkapital-Quote

Dank konsequentem Ressourcen- und Kostenmanagement verbesserte Bühler seine Produktivität und steigerte so die Rentabilität, wie das Unternehmen am Donnertagmorgen schreibt. Das neue Segment Consumer Foods kompensierte den geringeren Gewinnbeitrag von Advanced Materials. Dies sei unter anderem gelungen, indem Consumer Foods die globale Organisation von Bühler in Anspruch genommen habe.

Die Nettoliquidität blieb mit 449 Millionen Franken (+0,3 Prozent) hoch. Die Eigenkapitalquote stieg auf 42,8 Prozent (Vorjahr: 42,2 Prozent). Der Ronoa (Return on Net Operating Assets) blieb mit 14 Prozent auf dem Niveau des Vorjahres.

Stilltand in China

Bühler hat Niederlassungen in rund 140 Ländern, fast 100 Servicestationen und mehr als 30 Produktionsstandorte. Während Asien und Europa im vergangenen Jahr die Wachstumstreiber gewesen waren, übernahmen 2019 Nordamerika sowie der Mittlere Osten und Afrika diese Rolle. Erstmals seit Jahren verzeichnete Bühler in China einen Stillstand, dies aufgrund der Marktsättigung im Automobilbereich und der anhaltenden Zollkonflikte.

Unabhängig davon bleibt die geografische Leistung des Unternehmens ausgeglichen, wie das Unternehmen schreibt. Was den Umsatz betrifft, entfallen auf Asien 34 Prozent, auf Europa 30 Prozent, auf Amerika 22 Prozent und auf den Mittleren Osten und Afrika 14 Prozent. Strukturell konnte das Unternehmen 2019 die Breite seines Portfolios weiter ausbauen. Das Anlagen- und Projektgeschäft mit seinen langen Zyklen macht nun 70 Prozent des Umsatzes aus, während das kurzzyklische Kundenservice- und Einzelmaschinengeschäft einen Gesamtumsatz von 979 Millionen Franken erzielte, was einem Anteil von 30 Prozent des Gesamtumsatzes entspricht. Der Gesamtumsatz belief sich 3,3 Milliarden Franken und bewegt sich im Rahmen des Vorjahrs. Für das Jahr 2020 plant Bühler eine stabile und positive Geschäftsentwicklung. (pd/red)

Mehr folgt im Verlauf des Tages.