Nur noch wenige Minuten bis zum Start. Aber die beiden jungen Konstrukteure sind mit dem Solarflitzer nicht zufrieden. Beim Schaulaufen war das Rennmobil mit der Nummer 46 zwar gut unterwegs, knallte aber gegen die Wand der blauen Rennstrecke. «Unser Solarauto kann einfach nicht geradeaus fahren», analysiert einer der Schüler und zuckt mit der Schulter. Die beiden wirken schon ein bisschen enttäuscht. Etwas ändern können sie aber nicht mehr. Also sitzen sie an einem runden Tisch, essen Popcorn und warten bis sie aufgerufen werden. Trotzdem freuen sie sich auf das Rennen. «Wir sind ja aus Spass hier», sagt der andere Schüler. 

Die beiden 12-jährigen Schüler Timon Gähwiler und Bastian Rüale besuchen in Wil die 6. Primarklasse. Sie gehören zu den Mädchen und Jungen, die am 21. Wiler Solarcup in Wil teilnehmen. Dieser wird von der Energiestadt Wil und der Schweizerischen Vereinigung für Sonnenenergie (SSES) organisiert und ausgerichtet. Der Anlass ist Teil des Konzepts «Spiel-Energie», das versucht die Wiler Bevölkerung generationenübergreifend und spielerisch zu energieeffizientem Handel zu animieren. Es ist eine Sensibilisierungskampagne, die verschiedene Energie- und Umweltthemen abdeckt. Themen, die Menschen unterschiedlichen Alters ansprechen sollen – quasi vom Kindergärtner bis zur Politikerin. 

 
Der 21. Solarcup im Wiler Sportpark Bergholz war gut besucht. «hallowil.ch» hat mit den Verantwortlichen der Veranstaltung geredet. (Video: Magdalena Ceak)


«Wir sind zuerst einmal mit der Konstruktion unseres Autos nicht zufrieden», sagt der 12-Jährige Bastian. Zu breit, zu kurz sei ihr selbst gebautes Solarmobil. Er hält das kleine Holzgefährt mit drei Rädern in der Hand und untersucht es nach Fehlern. «Nächstes Jahr würden wir es definitiv besser machen», sagt Timon und wirft seinem Schulfreund einen Blick zu. So, als würde er ihn auffordern eine Antwort zu geben. Dieser hat sein schwarzes Baseball-Cap verkehrt um an und meint ganz lässig: «Ja klar!» Viel schmaler, viel länglicher und mit besseren Rädern würden sie ein neues Auto bauen. «Wahrscheinlich sind die Räder der Grund, warum unser Solarauto keine gerade Strecke zurücklegen kann», erklärt Bastian weiter. 

Beim Rennen des 21. Solarcups geht es um drei Dinge: Spass, Sport und Spiel. Zugleich aber sammeln die Schüler zusammen mit ihren Eltern bei der intensiven Vorbereitung praktische Erfahrungen in den sogenannten MINT-Fächern – also in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Solarzellen, Motoren und weiteres Material wurde den teilnehmenden Schülern und Familien von den Organisatoren bereitgestellt. Das Fahrzeug mussten die Teilnehmer dann eben selbst bauen. 

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Familientag für die Solarenergie: Susanne Gähwiler und Sascha Kreis (hinten) sind begeistert, dass ihre Kinder Miro (Erster von links), Lionel (Zweiter von links) und Timon (Erster von rechts) sich für das Thema Solarenergie interessieren. Begleitet wurden sie von Nevio Senn und Bastian Rüale. 

Grosser Unterschied beim Fahrzeuggestell

Dass die kleinen Solarfahrzeuge von den Schülern selbst gebaut wurden, sieht man einzelnen Modellen auf der Rennbahn an. Klar wurden die Konstruktionen und die Ideen dazu von den Kindern ausgedacht und gebaut. Eines ist schon mal eindeutig: Die Solarmodule sind bei allen Fahrzeugen, die an diesem Nachmittag zu sehen sind, auf dem Dach. Doch beim Fahrgestell ist es eindeutige und grosse Unterschiede: Manche sind aus Holz, manche aus Metall, andere sind aus Pappe noch einmal andere aus Tetrapack eines Saftes. Genauso abwechslungsreich sind die Räder eines jeden Autos: Von gekauften, leichten Kunststoffrädern über selbst gesägten und geschliffenen Holzrädern bis hin zu Plastikdeckeln ist alles zu sehen. «Wir haben etwa einen Nachmittag für unser Solarauto gebraucht», sagt Timon. An der Kinderbaustelle in Wil hätten sie das ganze Material besorgt und vor Ort einige Sachen gelötet. Ein genaues Konzept zum Bauvorgehen hätten sie nicht gehabt. «Wir haben einfach mal gemacht bis es wie ein Mini-Fahrzeug aussah», gesteht Bastian. Die beiden Jungs lachen. Dann stehen die beiden auf und laufen zum Start der Rennstrecke und warten bis sie mit ihrem Solar-Flitzer «Eins zu Null für die Bärte» und ihrem Gegner aufgerufen werden. Ihr Freund Nevis Senn, der die beiden an diesem Tag unterstützt, lacht mit. «Das ist echt cool. Nächstes Jahr mache ich auch mit», sagt der Jugendliche. 

«Das Konstruieren und Bauen eines Solarautos ist wirklich nicht einfach», sagt dreifach Mama Susanne Gähwiler, die ihrem zehnjährigen Sohn Lionel Gähwiler beim Bauen seines Mini-Fahrzeugs geholfen hat. Sie habe das Vorhaben unterschätzt. «Ich bin fast verzweifelt», sagt Gähwiler, «und deshalb macht es mich so sprachlos, dass mein Sohn Timon und sein Freund Bastian das alles alleine gemacht haben». Die Wiler Stadtparlamentarierin ist Lehrerin und findet es bedeutend, dass sich die Kinder so früh mit dem Thema Solarenergie auseinandersetzen. Das sei bedeutend für die Zukunft. «Und wichtig, dass man dieses Thema in den Schulen behandelt», ist Gähwiler überzeugt. 

Weitere Informationen unter: www.stadtwil.ch/spielenergie