Eine zentrale Erkenntnis: Die Städte der Zukunft werden nicht die der Vergangenheit sein, sie haben veränderte Funktionen zu erfüllen. Wohn- und Arbeitsorte sind mittlerweile vermehrt räumlich getrennt – Stichwort: Pendler.

Ehemals wirkten Arbeitsplätze in der Industrie und im Gewerbe als Magnete. Sie zogen die Menschen vom Land in die Stadt. Beispielweise wurde im Bahnhofsbereich von Wil früher Drahtwaren, Textilien und Bier produziert.

Fabriken locken heute kaum mehr Neuzuzüger an; ein wesentlicher Teil der produzierenden Industrie ist an den Rand der Stadt oder in Landgemeinden gezogen. Dort finden sie Landreserven für die bauliche Weiterentwicklung des Unternehmens zu erschwinglichen Preisen.


Weniger innerstädtischer Wohnraum 

Mittlerweile befindet sich das Erwerbsleben im Wandel, sowohl in Wil wie auch in anderen Städten: In den Innenbereich der Städte werden immer mehr Unternehmen aus Dienstleistungsbranchen ansässig: Versicherungen, IT-Firmen, Smartphone-Shops, Personalvermittler, Rechtsanwälte, Nagelstudios und weitere mehr.

Wohnraum in den Innenstädten wird tendenziell in Büroräume und in Arztpraxen umgewandelt, Wohnungen im Niedrigpreissektor werden aufwändig saniert. Hohe Mieten und Grundstückreise führen dazu, dass Personen mit geringem Einkommen aus den Innenstädten Richtung periphere Quartiere abwandern, wo die Wohnungen für sie bezahlbar sind. In der Folge wirken Innenstädte nach Arbeitsschluss wie auch an Sonn- und Feiertagen wenig belebt.

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Archivbild von 2018: Event der Künstlergruppe Ohm 41 in der Oberen Bahnhofstrasse.  


Events im Quartier

Doch es sind auch Gegenbewegungen erkennbar: ehemalige Industrie- und Gewerbebauten werden in Lofts, Fitnessstudios, Architekturbüros, Werbeateliers, Startups, Trend-Gastronomielokale und Bürogemeinschaften um genutzt. Auf diese Weise entstehen kleinräumige zwischenmenschliche Strukturen, die die Quartiere beleben.

Dazu tragen auch Events im Kleinformat bei: Konzerte, Autorenlesungen, Kunstausstellungen, Grillabende, Spielnachmittage für Familien, Adventsfenster-Feiern, Flohmärkte sowie Degustationen. Auch der Trend zum Gemüseanbau in städtischen Brachen, dem sogenannten Urban Gardening, will mehr Leben in die Quartiere bringen, indem es Kontakte fördert.

So aufgewertete Quartiere können zu Wohnzonen mit erhöhter Lebensqualität werden. Gemäss dem Zukunftsinstitut ist der Traum vom Einfamilienhaus auf dem Land in grüner Umgebung nicht mehr alleine das weitverbreitete Ideal, das Wohnen in einem Stadtquartier mit hoher Lebensqualität wird begehrter. 

Dabei dürfte auch die Entwicklung der Single-Haushalte mitspielen: Gemäss Bundesamt für Statistik lebten 2020 1,4 Millionen Menschen in der Schweiz in Ein-Personen-Haushalten. Bis 2050 wird eine Zunahme auf 1,8 Millionen prognostiziert. 


Demografischer Wandel

In städtischen Regionen sind rund 30 Prozent der Bewohner im Pensionsalter; Tendenz steigend. Mit der Förderung von Mehr-Generationen-Liegenschaften kann diesem Trend begegnet werden. Mit altersbedingter abnehmender Mobilität sind gut ausgebaute Angebote ÖV-Angebote erforderlich.

Temperaturextreme

Der Klimawandel seinerseits macht sich in den Städten durch einen Temperaturanstieg bemerkbar, Strassen, Plätze und Mauren, Beton und Stein heizen sich auf und geben Wärme ab. Um diesen Effekt abzumildern, sind begrünte Fassaden, Bäume, offene Bachläufe sowie Grünzonen erforderlich.

Das Fazit des Zukunftsinstituts lautet: «Lebensqualität wird zum Schlüsselfaktor und Garant für ökonomische, ökologische und soziale Stadt-Stabilität. Neue Umwelttechnologien, energieeffiziente Lösungen und zunehmende Digitalisierung tragen zur qualitativen Verbesserung des Stadtlebens bei.»