Im Prinzip wäre alles unter Dach und Fach: Das Referendum gegen das Güll-Verbot in den Sommermonaten ab Freitagmittag ist nicht zustande gekommen und lediglich 46 Stimmberechtigte haben eine Urnenabstimmung verlangt. Notwendig gewesen wären 300 Unterschriften. Ab 1. Januar ist Oberuzwil somit die erste Gemeinde im Kanton St. Gallen, welche am Wochenende das Güllen verbietet.

Reine Luft bei der nicht bäuerlichen Bevölkerung, dicke Luft bei gewissen Landwirten. Denn die beschlossene Einschränkung geht einigen landwirtschaftsnahen Kreisen zu weit. Während der Referendumsfrist fanden deshalb verschiedene Gespräche statt – auch mit einer Delegation des Gemeinderates. «Gesucht und gefunden wurde ein Kompromiss, der sowohl die Anliegen der Landwirtschaft wie auch der Gesamtbevölkerung soweit möglich berücksichtigt», schreibt die Gemeinde Oberuzwil im aktuellen Mitteilungsblatt.

Wieder ein Referendum möglich

Und so sieht der Kompromiss aus: Der Gemeinderat will einen weiteren Nachtrag in der Gemeindeordnung erlassen, wonach der Jaucheaustrag am Freitag erst ab 18 Uhr verboten ist und nicht schon ab 12 Uhr. «Im Sinne einer Ausnahmeregelung wird der emissionsarme Jaucheaustrag via Schleppschlauchsystem neu bis Samstagmittag, 12 Uhr, gestattet», schreibt die Gemeinde weiter. Dieser II. Nachtrag unterliegt wiederum dem fakultativen Referendum. Die Referendumsfrist dauert bis 21.Januar.

Das bedeutet, dass per 1. Januar die neue Regelung in Kraft gesetzt wird und das Güllen grundsätzlich per Freitagmittag verboten ist. Da sie nur die Sommermonate ab Mai betrifft, entfaltet sich die Wirkung erst im Mai. Sollte der II. Nachtrag bis dann rechtskräftig werden, gilt der I. Nachtrag als aufgehoben und das Güll-Verbot tritt am Freitag um 18 Uhr in Kraft (gk/sdu)

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Güll-Verbot am Wochenende: Meinungen gehen auseinander (2.10.20)

Von Freitagmittag um 12 Uhr bis am Sonntagabend um 24 Uhr soll zwischen dem 1. Mai und dem 30. September keine Gülle mehr auf die Felder Oberuzwils gebracht werden dürfen. Das hat der Gemeinderat entschieden und reagiert damit auf Reklamationen aus der Bevölkerung (siehe Artikel unten). Doch die Meinungen in diesem Thema gehen weit auseinander. Die Gegner dieser Regelung, also vornehmlich Bauern oder zugehörige Kreise, führe das Wetter als Faktor an. Dieses müsse passend, damit überhaupt Jauche ausgetragen werden könne. Zudem wurde auf Facebook bei den Kommentaren zu diesem Artikel angemerkt, dass gewisse Bauern unter der Woche auswärts arbeiten würden und darum das Wochenende zum Güllen nutzen müssten. Die Befürworter der neuen Regelung machten – sinngemäss zusammengefasst – den Schutz des ruhigen, genehmen Wochenendes geltend.

Die Umfrage zum Artikel auf hallowil.ch hat innerhalb eines Tages gut 350 Klicks generiert. 55 Prozent sind dafür, dass auch am Wochenende gegüllt werden darf. Ähnlich ausgeglichen war das Umfrage-Ergebnis auf unserem Instagram-Kanal – dort allerdings mit einer knappen Zustimmung für das neue Wochenend-Güll-Verbot.

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So hat hallowil.ch am 1.10.20 berichtet

Es ist eines jener Fragen, bei welcher Landwirte und der Rest der Bevölkerung unterschiedlicher Meinung sind. Soll man an jedem Tag der Woche Gülle austragen dürfen? Die Bauern finden ja, um mehr Flexibilität in die Arbeitsabläufe zu bekommen. Vielen anderen stinkt es aber, wenn es beim Wochenend-Spaziergang wenig einladend riecht. In Oberuzwil melden sich immer wieder unzufriedene Bürger auf der Gemeindeverwaltung mit Reklamationen, weil das Freizeitvergnügen insbesondere in der wärmeren Jahreszeit getrübt ist.

Der Gemeinderat zeigt für diese Reklamationen Verständnis und hat nun eine neue Bestimmung erlassen. Das «Reglement über Ruhe, Ordnung und Sicherheit» wurde dahingehend ergänzt, dass der Jaucheaustrag auf landwirtschaftlich bewirtschafteten Flächen zwischen dem 1. Mai und dem 30. September jeweils von Freitagmittag um 12 Uhr bis und mit Sonntag, 24 Uhr verboten ist. Diese Regelung gilt sinngemäss auch an gesetzlichen Feiertagen.

Noch ist aber nicht fix, ob diese Regelung auch in Kraft tritt. Denn die Anpassung ist dem fakultativen Referendum unterstellt. Wenn 300 Stimmberechtigte von Oberuzwil bis am 10. November unterschreiben, kommt es zu einer schriftlichen Volksabstimmung. (sdu)