Das modernste Werk stammte von Edvard Grieg (1843 -1907), das älteste aus dem 13. Jahrhundert. Dazwischen waren lateinische und deutsche Lieder aus den verschiedensten Epochen – Mittelalter, Renaissance, Barock bis hin zur Romantik – hören. 

Links standen sieben schwarzgekleidete Frauen, rechts fünf Männer und eine Frau, ebenfalls ganz in Schwarz. Alles strahlte eine wohltuende Ruhe aus. Der Chor überzeugte allein durch die Stimmenklarheit und die genaue Umsetzung der Vorgaben von Dirigent Stefano Bertoni. Zwischen den Frauen- und Männerstimmen sass die junge Saitenkünstlerin Simona Umarov. Bei manchen Stücken begleitete sie entweder auf der Laute oder der Theorbe. Ihr Sitzplatz symbolisierte den Sinn für Symmetrie, welcher in vielen alten Musikstücken – und im Instrumentenbau - wichtiger Bestandteil ist.

Viel A-Capella-Gesang

In der Oberuzwiler Grubenmannkirche kann ohne Mikrofon musiziert werden. Man hört dank ausgeklügelter  Akustik bis in die hinterste Ecke jeden Ton. Die Kantorei unter der Leitung von Bertoni hat sich dem ausgefeilten Chorgesang verschrieben. Alle Mitsingenden sind dennoch Laien.

Der Chor präsentierte dem Publikum verschiedene ihrer eher kurzen Lieder ganz ohne Instrumentalbegleitung. Die hohen Stimmen erklangen frisch und sicher, auch in hohen Lagen, schön verbunden mit den Altstimmen. Der Bass, für das Fundament zuständig, stellte sich nie in den Vordergrund war aber dennoch immer gut zur hören. Und der Tenor – durch eine Frauenstimme verstärkt – hellte mit seinen warmen Stimmen die Novemberdüsternis beim Warten auf den Advent auf. 

Unterschiedliche Stimmungen

Mal meinte man in einem Kloster einer Ordensgemeinschaft beim festlichen Singen zuzuhören, mal musste der Chor jeden einzelnen Ton genau setzen, weil Dissonanten gefragt waren, die sich jedoch immer wieder auflösten. Es gab hoffnungsvolle Teile, so ein „Adventi ének“ von Zoltàn Kodàly, in welchem die Harmonien mit ihrem „Veni, veni, Emanuel“ eine frohmachende Stimmung verbreiteten. Veni, veni, Emanuel 

Auch „Es flog ein Täublein weisse“ mit seinem fugenartigen Beginn weckte Hoffnung. Der Text erzählt die Geschichte vom Warten auf Jesu Geburt. Maria ist „der Garten“, das weisse Täubchen fliegt zu ihr hin. Die Hoffnung auf Gnade und Schutz beflügelte Johannes Brahms, hier kraftvolle Teile einzubauen.

Doch auch wehmütige Lieder bekamen ihren Platz. Edvard Grieg, der norwegische Pianist und Komponist, schuf das Lied „Ave maris stella“, welches den Sängerinnen und Sängern viel Konzentration und ausserordentliche Stimmsicherheit abverlangte. Hier war Melancholie zu spüren, wie sie nordische Künstler oft eigen ist. Grieg hatte in Bergen als Klaviervirtuose angefangen, bei seiner Mutter, einer sehr begehrten Klavierlehrerin die ersten musikalischen Schritte getan. Sein Ave Maris Stella war eine Hommage an die Mutter Gottes.

Dirigent Stefano Bertoni

Erst seit diesem Sommer dirigiert Stefano Bertoni die Kantorei Toggenburg. Das ist für einen Chor eine kurze Zeit. Und doch war da bereits ein grosses gegenseitiges Einverständnis zu spüren. Der Mann strahlte diese grosse Ruhe aus. 


Simona Umarov

Simona Umarov ist 1994 Heidelberg geboren und hat schon früh ihre Liebe zu alten Saiteninstrumenten entdeckt. Es sei jedoch recht schwierig, geeignete Lehrkräfte für das Erlernen zu finden, berichtete die junge Künstlerin. Sie jedoch hat einen gefunden, im Schwarzwald, und ist nun selber gefragte Instrumentalistin. Im Konzert begleitete sie sowohl mit der Laute wie auch mit der Theorbe verschiedene Lieder, spielte aber auch vier Solostücke. Hier waren die Unterschiede zwischen den beiden Saiteninstrumenten klar zu hören. Die Theorbe hat einen viel grösseren Tonumfang und tönt auch etwas voller, schier etwas „metalliger“, während die Laute gut zu adventlicher Musik passt, lehnt ihr Klang sich doch an Harfentöne an, und die verbindet man oft mit Engeln, was sehr gut zu Advent und Weihnachten passt. 

Instrument speziell für sich gebaut

Die Laute sieht elegant aus und hat einen harfenähnlichen Klang. Beim Anschauen erinnert sie entfernt an eine Mandoline. Die Laute wird schon lange vor Christus in Dokumenten erwähnt und heute vor allem für Renaissance-Musik eingesetzt. Tonbeispiel 

Die Theorbe ist eine Weiterentwicklung der Laute. Damit können tiefere Töne erzeugt werden, was den gespielten Werken mehr Tiefe, mehr Erdigkeit verleiht. Simona Umarov hat ihr Instrument speziell für sich bauen lassen. Die Klangdecke ist aus Ahornholz gefertigt, die Saiten sind Kunststoffsaiten, entweder aus Karbon oder aus andern Materialien, dazu sind auch zwei Saiten versilbert, was einen wärmeren Klang gibt. 

Mit grossem Applaus verdankte das Publikum das fast stündige Konzert, was den Chor zu einer Zugabe bewegte. Der nächste Konzertzyklus-Anlass findet am 27.Januar 2019 um 17 Uhr im katholischen Pfarreiheim Niederuzwil statt. Dann werden zwei Saiteninstrumente im Mittelpunkt stehen, Harfe und Hackbrett. Auf dem Programm stehen Werke aus der Zeit zwischen dem 18. und 21. Jahrhundert. Konzertzyklus