Neun junge Leute zeigten sich mit ihrem Lieblingsinstrument auf der Gemeindesaalbühne Uzwil in absoluter Spiellaune. Alle haben bereits einen erstaunlich langen musikalischen Entwicklungsweg hinter sich.

Neue Auflage

Schon letztes Jahr hätte ein solches Preisträgerkonzert stattfinden sollen. Doch damals war aus bekannten Gründen an eine Aufführung nicht zu denken. Dieses Jahr nahm der Konzertzyklusvorstand den Faden nun wieder auf. Doch es war – bis auf eine Gruppe – nicht mehr möglich, die gleichen Persönlichkeiten für ein Konzert zu verpflichten. Junge Leute sind flexibel und meist noch wenig ortsgebunden. Doch aus dem Vorstand heraus gibt es Verbindungen zu jungen hochkarätigen Musikerinnen und Musikern, dies vor allem dank Dr. Immin Chung Poser, die auch im Konzert als grosse Unterstützerin und im Hintergrund als «Pageturnerin» - Seitenumblätterin - mitwirkte.

Neu Zusammenarbeit mit den Technischen Betrieben Uzwil

Wer erinnert sich nicht an die vielen hochstehenden Theater-, Musical- und Tanzaufführungen, die in den letzten Jahren unter dem Motto «Kultur gibt Gas gibt Kultur» im Gemeindesaal mit grossem Erfolg angeboten worden waren? Nach einer Neuorientierung wird in den nächsten Jahren immer ein gemeinsames Konzert mit dem Konzertzyklus für junge herausragende Talente reserviert sein. Die Musikrichtung kann dabei unterschiedlich sein, nicht aber der Anspruch auf hochstehende Darbietungen. Es soll zudem Talentförderung auf verschiedenen Ebenen geben.

Post inside
Hanspeter Haltner, Präsident des Konzertzyklus Uzwil, kündete eine neue Zusammenarbeit mit den Technischen Betrieben Uzwil an. 

Duo SoNatha

Sophie Bright – Posaune - und Nathalie Hauser – Violoncello – eröffneten das vielseitige Konzert. Beide hatten schon im Finale des Schweizerischen Jugendwettbewerbs gestanden. Die Posaunistin hat auch verschiedene andere Auszeichnungen gewonnen. Das Duo hatte zwei zeitgenössische Stücke und eines von Jacques Offenbach ausgelesen. Der Schweizer Komponist Daniel Schnyder - *1961 – erwarb sein Handwerk in den USA. Sein Konzert für zwei Trompeten wurde für ihr Instrumentarium umgeschrieben. Auch das Offenbach-Stück war ursprünglich für zwei gleiche Instrumente, nämlich Violoncello, komponiert worden, von den beiden jungen Künstlerinnen aber auf eigene Weise und auf ihren Instrumenten dargeboten. Dabei konnte es durchaus vorkommen, dass das Cello auch einmal jammerte, kratzte oder gar, dass sich einzelne Töne im Raum verloren. Das Duo nahm bereits zwei Mal am Finale des Schweizerischen Jugendmusikwettbewerbs teil. 2021 gewannen sie den ersten Preis. Sophie Bright spielte als Jugendliche auch in der bekannten Formation «Dai Komoto & Swing Kids» Posaune.

Glanzvolles Es-Horn

Natürlich braucht es die richtige Spielpersönlichkeit, bis das rein optisch bereits glänzende Instrument auch für das Ohr glanzvoll erstrahlt. Die neunzehnjährige Sherin Al-Sadi spielt dieses Instrument seit dem Kindergarten. Auch sie hat 2021 beim Jugendmusikwettbewerb den ersten Preis auf ihrem Instrument gewonnen. Daniela Baumann begleitete sie auf dem Flügel, durfte ihr Können aber auch in solistischen Sequenzen zeigen. Das Stück «September Fantasy» von Erich Ball (1903 – 1998) klang wie eine in Noten eingeschriebene Improvisation. Auch im dritten Stück zeigte das eingespielte Duo sein musikalisches Können. Das rasante Tempo zu Beginn von «Higgyjig» liess an einen Teufelstrompeter denken. Sherin Al Sadi spielte oft total verinnerlicht, mit geschlossenen Augen. Dabei wechselten Stimmungen und Tempi immer wieder. Doch auch die Pianistin setzte Akzente. Teilweise verschmolzen die instrumentalen Stimmen gar zu einer eigentlichen Klangwolke.

Post inside
Sherin Al Sadi, Es-Horn, und Daniela Baumann am Flügel sind ein eingespieltes Team. 

Der Mann am Euphonium

Linus Tschopp hat sich - nebst seiner abgeschlossenen Zimmermannslehre - ganz dem Euphonium verschrieben. Er kommt aus einer musikbegeisterten Familie. Seit elf Jahren schon spielt er dieses Instrument, sei es in verschiedenen Musikvereinen oder auch als Solist. Er belegte letztes Jahr am «Prix Musique», der Schweizermeisterschaft für Solisten zwischen 16 und 25 Jahren, den zweiten Preis. Beim «Digitalen Wettbewerb 2021» gewann er gar die Goldmedaille. Das Instrument ist schon rein optisch ein Hingucker. Linus Tschopp füllte mit seinem Euphonium und dessen rundem, warmem Klang den Raum des gewiss nicht kleinen Gemeindesaals. Seine Begleiterin am Klavier, die Pianistin und diplomierte Klavierlehrerin Wei-An Huang, spielte, sich an die Intensität des Euphoniumklangs anlehnend, selber kraftvoll und virtuos. Warme, lange Töne wechselten mit schnellen Läufen ab. Man sah den beiden Musizierenden den Stolz und die Freude an ihrem Tun gut an, wenn sie auch – wie übrigens alle Beteiligten – sehr bescheiden und zurückhaltend, aber dennoch selbstbewusst auftraten.

Und zum Schluss ein Trio

Das Trio nennt sich «OLAJA», zusammengesetzt aus den drei Vornamen der Mitwirkenden: Oriana Thoma am Klavier, Larissa Hacker mit Quer- und Altflöte und Jeannette Bühlmann, ebenfalls Querflötenspielerin. Ihre Vortragsstücke stammten aus dem 18., dem 19. und dem 20. Jahrhundert. Auch hier war Immin Chung Poser als Blattwenderin dabei. Pianistin Oriana Thoma schien die Partitur derart intus zu haben, dass sie oft gar nicht auf das Papier schauen musste. Effektvolle Pausen wechselten mit schrägen Tönen ab, aber auch liedhafte, eher verhaltene Passagen waren zu hören.

Zum Abschluss gaben die drei Frauen im «vivace» von Josef Dichler (1912 – 1993) nochmals eine gehörfällige Kostprobe ihres musikalischen Repertoires. Die Darbietungen des Trios machten den Anschein, es sei kinderleicht, ihr Instrumente zu spielen. Diese Leichtigkeit ist jedoch auf jahrelanges Üben zurückzuführen, denn ohne diese Lern- und Übungsphase kommt auch das höchste Talent nicht zum Fliegen.

Musizieren als Lebensschule

Man weiss schon lange, dass Musizieren auf den ganzen Menschen einen heilsamen Einfluss hat. Musik ist d i e universale Sprache, die man auch ganz ohne Worte versteht. Das Tongefüge beruht zwar auf mathematischen Grundsätzen, entzieht sich andrerseits aber einer allzu genauen Einordnung in klare Strukturen. Musizieren schult nicht nur das Gehör, es fördert auch die Geduld, macht empathisch und regt mit seinem Fingerspiel das Legen von neuen Denkstrukturen im Gehirn an. Und wer musiziert, lernt, sich zu konzentrieren, sich in ein Miteinander einzubringen und dabei rund um sich herum alle Sorgen und Nöte für eine gewisse Zeit zu vergessen.

Post inside
Musikalische Qualität und Spielfreude am Abschlusskonzert des Konzertzyklus Uzwil. Die Mitwirkenden - von links - Jeannette Bühlmann, Oriana Thoma, Larissa Hacker, Sherin Al Sadi, Sophie Bright, Linus Tschopp, Wei-An Huang und Daniela Baumann. Auf dem Bild fehlt die Cellistin Nathalie Hauser.

Gerade in der Pubertätszeit ist das eine nicht zu verachtende Qualität. Die heutigen Musikschulen haben grossen Anteil daran, dass so viele junge Menschen auf hohem Niveau musizieren können. Alle an diesem Konzert Beteiligten haben dafür einen beeindruckenden Beweis geliefert. Das Publikum sparte denn auch nicht mit begeistertem Applaus. Im Foyer war mehr als einmal zu hören: «Was für ein wunderbares Konzert!». Man darf bereits auf das nächste Konzertzyklus-Angebot mit jungen Preisträgerinnen und Preisträgern gespannt sein.