Von Wil nach Madrid, oder doch lieber bis nach Palermo? Zweifelsohne zwei wunderschöne europäische Städte. Sie sind aber nicht nur das Ziel zahlreicher Reiselustiger, sondern dienen uns auch als grafische Untermauerung eines unserer grössten gesellschaftlichen Probleme: Food Waste. Würde man nämlich alle Lebensmittel, welche wir in der Schweiz pro Jahr wegschmeissen, in Lastwagen packen, hätten wir eine stehende Kolonne von gut 140'000 Lastwagen von unserer Haustüre bis in die beiden renommierten Städte Spaniens und Italiens.

Eine ganze Mahlzeit für den Müll

Wir sprechen hier von rund zwei Millionen Tonnen Nahrungsmitteln, also Lebensmittel, welche für unser Essen produziert werden und am Ende einfach entsorgt werden. Rund ein Drittel aller in der Schweiz produzierten Lebensmittel geht zwischen Feld und Teller verloren. Eine Riesenmenge. Ein Teil des Abfalls entsteht bereits während der Produktion oder auf dem Weg vom Feld bis in den Laden. Aber fast die Hälfte der zwei Millionen Tonnen Abfälle produzieren wir selbst. Jeden Tag wirft jeder von uns im Durchschnitt 320 Gramm einwandfreie Lebensmittel in den Abfall; das ist fast eine ganze Mahlzeit. Aber wieso tun wir das eigentlich? Die Antwort ist einfach: Weil wir es uns leisten können und weil wir es uns gewohnt sind. Wer abends fünf Minuten vor Ladenschluss einkaufen geht, erwartet frisches Gemüse, frische Früchte und Brot direkt aus dem Backofen. Selten sind wir uns bewusst, was mit den übriggebliebenen Lebensmitteln nach Ladenschluss geschieht. Und gleichzeitig sind es gerade diese Produkte, welche dann gerne bei uns zuhause im Kühlschrank vergessen gehen. Ein Salat, der nicht mehr ganz grün ist? Ein Brot, welches schon etwas härter ist? Heute landen diese Produkte bei uns meistens im Abfall. Wir können es uns leisten.

Lieber Fotzelschnitte statt hartes Brot

Während eine Familie in Südafrika fast die Hälfte des Monatslohnes für Lebensmittel aufbringen muss, geben wir in der Schweiz gerade noch gut sieben Prozent unseres Geldes für Essen aus. Im Gegenzug haben die südafrikanischen Länder ein deutlich kleineres Food-Waste-Problem. Wieso? Weil sie sich Lebensmittel im Mülleimer nicht leisten können. Nahrungsmittel gehören auf den Teller. Und das geht auch nach dem perfekten Genussdatum, man muss nur kreativ sein. Und kreativ sein können wir auch in der Schweiz, das haben unsere Eltern und Grosseltern bewiesen. Erinnern Sie sich noch an Gerichte wie Fotzelschnitte, Käseschnitte oder Vogelheu? Seien wir wieder mutig und kreativ, seien wir uns vermehrt bewusst, was wir in den Mülleimer schmeissen, und helfen wir gemeinsam, unsere Lebensmittel-Abfall-Kolonne zu verkleinern.

David Geisser*

* = Kochen muss Spass machen, davon ist Eventkoch David Geisser überzeugt. Eine Leidenschaft, welche der junge Starkoch auch in seinen fünf Kochbüchern vermittelt. Seit September 2015 arbeitet David Geisser als Eventkoch bei der Micarna in Bazenheid.

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Wieso altes Brot wegwerfen? Eine Fotzelschnitte ist die deutlich bessere Alternative.