Mittwochabend. Noch genau drei Tage sind es bis zum frühzeitigen Saisonhöhepunkt des FC Uzwil. Auf der Sportanlage Rüti in Henau trainiert die 1. Mannschaft des FC Uzwil auf Platz fünf. Das Hauptfeld, wo am Samstag ab 17.30 Uhr das Cupspiel gegen den FC Wil stattfindet, ist wegen eines U17-Spiels besetzt. Fast schon unscheinbar trainiert auf diesem Nebenplatz einer mit, der viel zu erzählen hat. Es ist Kristian Nushi, der einst mit dem FC St. Gallen in der Europa-League-Gruppenphase in Valencia spielte, für die kosovarische Nationalmannschaft auflief, sein fussballerisches Glück in Washington suchte – und im Jahr 2004 mit dem FC Wil Cupsieger wurde. «Ich erinnere mich an jenes Spiel gegen die Grasshoppers, als wäre es gestern gewesen. Ich habe einen Pass zu einem Tor beigesteuert», sagt Nushi. Im Halbfinal hatte er auf dem Espenmoos das entscheidende Tor zum 2:1-Erfolg gegen den FC St. Gallen erzielt und somit den Final überhaupt erst ermöglicht.

In Wil hatte damals der ukrainische Investor Igor Belanov den Verein vor dem Konkurs gerettet, aber auch ein Chaos angerichtet und einen Scherbenhaufen hinterlassen. Trotzdem feierten die Äbtestädter mitten in den Wirren den bis heute grössten Erfolg ihrer Vereinsgeschichte. «Das Chaos hat uns zusammengeschweisst», sagt Nushi rückblickend.

Am Vormittag im Büro statt auf dem Fussballplatz
Gut 14 Jahre später ist die Welt eine andere. Nushi arbeitet im Büro einer Niederuzwiler Immobilienfirma und trainiert dreimal pro Woche abends. Statt Valencia und Basel heissen die Gegner Widnau und Blue Stars. 36-jährig ist der Offensivspieler im Juli geworden. Dem FC Uzwil hat er zugesagt, noch bis nächsten Sommer weiterzuspielen, wenn der Körper mitmacht. «Ich habe derzeit keinerlei Beschwerden und fühle mich richtig wohl in Uzwil», sagt Nushi. Auch wenn er in der Mannschaft kein Lautsprecher ist, so kann der den Spielern doch viele wertvolle Tipps mit auf den Weg geben. «Ab und zu erzähle ich, wie es ist, Cupsieger zu werden, in der Europa-League-Gruppenphase zu spielen oder mit der Nationalmannschaft aufzulaufen», sagt Nushi.

Nachdem die Uzwiler vor knapp zwei Wochen am Bazenheidere Cup der zweiten Mannschaft des FC Wil unterlegen waren, soll nun am Samstag das Fanionteam der Äbtestädter besiegt werden. Ein anspruchsvolles Unterfangen, trennen die beiden Mannschaften doch drei Ligen. «Der FC Wil ist ganz klar Favorit. Wir sind krasser Aussenseiter. Normal haben wir keine Chance. Aber im Cup ist alles möglich», sagt Nushi.

Zum Saisonstart Doppeltorschütze
Wie auch immer das Spiel am Samstag ausgeht: Für Nushi wird der FC Wil immer ein besonderer Verein bleiben. «Wil war damals im Jahr 2002 meine erste Profistation. Ich sprach bei meiner Ankunft kein Wort Deutsch. Viele Leute haben mich unterstütz», sagt Nushi. So erstaunt es nicht, dass der Kosovare von einem «ganz speziellen Spiel» spricht. Er darf mit breiter Brust in diese Partie steigen. Einerseits hat er am vergangenen Samstag beim 3:0-Auswärtssieg bei Amriswil in der Meisterschaft zwei der drei Tore im Saison-Startspiel erzielt, andererseits schliesst sich nun ein Kreis. 2004 wie heute war Nushi mit seinem Verein in einem Cupspiel deutlicher Aussenseiter ….

Der Cup-Hit zwischen dem FC Uzwil und dem FC Wil kann am Samstag ab 17.15 Uhr im Hallowil-Liveticker mitverfolgt werden.