„Galerie Fafou“ - eine nachhaltige „Schnapsidee“ ist keine Erfindung der Schreiberin, sondern Tatsache. Bei einem Glas Whisky – oder war es Whiskey? – sinnierten vor etwas mehr als zehn Jahren die zwei Tüftler Urs Sohmer und Dani Brechbühl an neuen künstlerischen Ausdrucksformen herum. Bei diesem genüsslichen Tun kamen sie ganz unverhofft auf die Idee, in Oberuzwil eine Galerie zu gründen. Da musste natürlich auch ein Name her. „FAFOU – Fabrik am Freudenberg Oberuzwil“ wurde als geeignet befunden. Jahrzehntelang waren an dieser Adresse die Schuhfabrik Dierauer und später die Kofferfabrik Uttiger ansässig gewesen.

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An diesem Tischchen kamen Urs Sohmer und Dany Brechbühl mithilfe von Hochprozentigem auf die Idee, eine Galerie in Oberuzwil zu gründen. 

Und so startete die Galerie im Februar 2012 mit einer ersten Ausstellung und wird nun seit 10 Jahren erfolgreich betrieben..

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So sah das Fafou-Team am Anfang aus: (von links) Dany Zingg, Corinne Mettler, Reto Bühler, Andrea Flammer, Dani Brechbühl, Claudia Palopoli und Urs Sohmer


Das heutige Fafou-Team

Im Laufe der zehn Jahre hat es im Fafou-Team verständlicherweise den einen oder andern Wechsel gegeben. Urs Sohmer, Reto Bühler, Andrea Flammer und Dani Brechbühl sind jedoch bis heute dabeigeblieben. Irgendwann ausgeschieden sind Dany Zingg, Corinne Mettler und Claudia Palopoli. Neu dazugekommen sind Astrid Bohren, Daniela Eigenmann, Simon Meier und Thommy Bertolf. Doch noch immer weht der Gründergeist durch die Räume. Man wird freundlich empfangen und bekommt auf seine Fragen kompetente Auskunft. Die Einladungen sind jeweils auch wirklich „einladend“. Ein wenig Improvisation gehört jedoch immer auch dazu. 

Jedes Jahr stellen die Vereinsmitglieder – also das Fafou-Team! – eine Schau mit eigenen Werken zusammen. Wer seine Werke gerne selber einmal öffentlich zeigen möchte, findet beim Verein FAFOU immer ein offenes Ohr. Längst stellen nicht mehr nur Kunstschaffende aus der näheren Region in der Galerie aus. Das Einzugsgebiet hat sich stark ausgeweitet.

Gegenwärtige Ausstellung P.E.A.

2020 haben sich vier Frauen zur Künstlerinnen-Gruppe P.E.A. zusammengefunden. Dazu gehören Zoja Brülisauer, Barbara Freiburghaus, Kerstin Heinze-Grohmann und Veronika Übersax.

Was die Abkürzung P.E.A. wohl genau bedeutet? Wikipedia weiss dazu: „Pulslose elektrische Entkoppelung“ oder auch „Personen mit eingeschränkten Alltagskompetenzen.“ Beide Definitionen stimmen aber im Zusammenhang mit diesem Künstlerinnenquartett offensichtlich nicht. Es sind keine „pulslosen Werke“, und die vier Damen beweisen ausserdem sehr viel (Alltags-)Kompetenz. Die völlig unterschiedlichen Malstile und Malobjekte zeigen interessante Gegensätze, laden zu genauerem Hinschauen ein und zeugen von viel Kreativität und Können. Beim Eingang in den hinteren Ausstellungsraum begrüsst eine lustige Figur aus lauter Abfallsäcken und anderen Wegwerfmaterialien gehäkelte Figur. Man kann vor Ort die einzelnen Bilder auf sich einwirken lassen oder aber zuhause im stillen Kämmerlein die einzelnen Homepages der vier Künstlerinnen anschauen und sich auf diese Weise begeistern, ja vielleicht gar zu eigenem Tun anstecken lassen.


Ausweitung des Raums

In der Galerie werden nicht nur Bilder- oder Skulpturen ausgestellt. Es gab in den letzten zehn Jahren auch immer wieder musikalische „Events“. Aus einem extra für diesen Jubiläumsanlass gemieteten Kellerraum ertönen jetzt, zum 10-Jahrjubiläum, geheimnisvolle Synthesizerklänge. Man kann da beispielsweise sehen, wie Künstlerinnen und Künstler zu solchen Klängen eindrucksvolle Bilder malen, getragen vom hypnotischen Klang des Instruments. Oder wie ganz entrückt getanzt wird. Zur geheimnisvollen Atmosphäre passt, dass durch die Decke Wasser tropft, der Raum kaum ausgeleuchtet ist und der Boden uneben, alles Erinnerungen an die Zeit, als hier noch industriell gearbeitet wurde.

Die Galerie betreibt auch einen Youtube-Kanal, der verschiedene Anlässe der vergangenen Jahre miterleben lässt.

DRAUSSEN

Eine ganz besondere Ausstellung wurde im Herbst 2019 gar in den Wald verlegt. An der Wanderroute Vogelsberg-Freudenberg im Raume Oberuzwil-Uzwil stellten 22 Frauen und Männer wetterfeste Fotografien in stattlicher Grösse – 150 zu 100 cm - zum Thema „Mensch und Natur“ auf, die je nach Blickwinkel mit der Waldumgebung verschmolzen. Unterwegs bekamen die Gäste stärkende Suppe serviert. Das Fafou-Team schrieb dazu: „Ohne die Unterstützung des Försterteams der Region wär‘ s nichts geworden. Danke.“

Anfangs- und Schlusspunkt war die Galerie selber. Zeitgleich gab es dort eine Ausstellung namens DRINNEN. Dort waren die im Wald aufgestellten Bilder in verkleinertem Format zu sehen, versehen mit Kommentaren der fotografierenden Persönlichkeiten. Damit auch alle die Waldbilder finden konnten, wurden die Wege gut sichtbar gekennzeichnet. Wer wollte, konnte sich zudem auch auf dem Smartphone per Google-Maps anzeigen lassen. Ein Rundumservice also!

Die aufwendig aufgezogenen, wetterfesten Bilder wurden nach Ende der Ausstellung nun aber nicht etwa der Abfallentsorgung zugeführt, sondern im Arbeitslosenprojekt KLEIKA in St.Gallen zu wertvollen Taschen vernäht und am 7. Dezember 2019 in der Galerie Fafou an einem kleinen Festanlass verkauft.

Sammlerleidenschaft

Im Aufgang zum zweiten Stock können alle ehemaligen Ausstellungen auf Plakaten und Medienberichten nachgelesen werden. Die einzelnen Team-Mitglieder scheinen ein eigentliches Sammel-Gen zu haben, denn es ist eine wahre Fülle an Informationen zusammengekommen. 

Eigentlich erstaunlich, dass selbst im Dorf Oberuzwil Menschen, die in nächster Nähe zur Galerie wohnen, oft keine Ahnung haben, was in den Räumen an der Freudenbergstrasse 1 passiert. Hoffentlich ändert die Einbindung in die KULTURBÜHNE 21 etwas am diesem Umstand.