«Sagt mal… Wie elend sündig müsst ihr denn Leben, wie tief müsst ihr gesunken sein, dass ihr euch zu dieser Tageszeit noch solche Geschichten antut, wo es nur Gut und Böse, schwarz und weiss gibt? Pfui Deibel, müsst ihr übel unterwegs sein, dass Euer Bittgang so hart ist......Und wisst ihr was? Wir fahren auf dem „Highway to Hell“, denn auch der Busfahrer hat Heimweh nach der Höll». Angst macht sich breit im Linienbus von Wilmobil, denn Aussteigen ist nicht mehr. Wir befinden uns jetzt auf einer einstündigen Busfahrt mit Max, genau diesem schrulligen Max, der ein Alkoholproblem hat und nicht unbedingt in den schönsten Kleidern mitfährt, aber uns auf alle Fälle aufs Feinste unterhalten wird. Kerzen erhellen den hinteren Teil des Busses, der mit einem Vorhang abgeschirmt ist. Platz genommen haben sieben Personen – und Max.

Schaurig schöne Sagen
Max gelingt es von der ersten Sekunde an, seine Reisebegleiter in den Bann der schaurig schönen und gruseligen Geschichten zu ziehen – eben in sein ganz spezielles Grusical. In diesem kleinsten Tingeltangel-Varieté, das auf der Fahrt zwischen dem Bahnhof Wil und dem Tannzapfenland stattfindet, erzählt Max legendäre Sagen. Von der Burg „Kranzenberg“, der „Idda von Toggenburg“, oder die Sage „vom Bichelsee“, allesamt haben diese unterschiedlichsten Geschichten ihren Reiz. Man vergisst zwischenzeitlich, dass man in einem Nachtbus sitzt, das spielt aber auch gar keine Rolle, denn die Sagen werden von Max derart gestenreich erzählt, dass man gar nicht nach draussen blicken will. „De Popperli vo Rickenbach“ und der „weisse Pudel von Wil“, ergänzten zudem das einstündige Erlebnis allererster Güte.

Wärme, Gesang und Schnaps
Schnell macht sich im engen „Busabteil-Theater“ Wärme breit, aber keine Angst, Max hat vorgesorgt. Gleich mehrmals gibt er seinen Flachmann in die Runde, zwar kühlt Schnaps nicht unbedingt die empfundene Temperatur dafür löst er Spannungen, insbesondere die der Zungen. So trauen sich die Mitfahrer immer mehr, mitzusingen, mitzuraten und aus sich herauszukommen – Max hat sie definitiv für sich gewonnen. «Genau so etwas Aussergewöhnliches brauche es für einen perfekten Beitrag im Rahmen der Kulturbühne.» Dieser Aussage von Bettina Scheiflinger (Wil) pflichtete Rebekka Meyer (Rickenbach) zu. Eine geniale Umsetzung in die Sparte Grusel. Genial, abwechslungsreich, lustig, super, noch nie erlebt, oder, ich würde sofort noch einmal einsteigen, waren nur einige wenige Statements, die zu vernehmen waren.

Ins Schwarze getroffen
Max wird vom Mittwochabend bis am Samstagabend zwölf Mal, während je einer Stunde, aufgetreten sein. Allesamt sind sie ausverkauft, die Gruselstunden. Dass er dabei mitten ins Schwarze getroffen hat, kann er mit Bestimmtheit für sich beanspruchen. So darf man gespannt sein, was Max, alias Oliver Kühn vom „Theater Jetzt“, als nächstes präsentieren wird, seine Fangemeinschaft ist auf alle Fälle angewachsen, dank der gruseligen Busfahrt durch das Tannzapfenland.