Als Moderator Hans Suter (Redaktionsleiter Wiler Zeitung) zu Beginn der Diskussion die positiven Aspekte im Wiler Kulturleben abholen wollte, wurde schon bald einiges an Kritik geäussert. Die deutlichsten Worte wählte Stefan Kreier vom Künstlerkollektiv Ohm 41. «Ich bin nicht zufrieden mit der städtischen Koordinationsstelle Kultur. Das ist verwaltete Koordination und somit unnötig. Es werden einem viele Hürden mit Bewilligungen in den Weg gelegt. Alles in allem ist es mutlos, faul und gleichgeschaltet.» Etwas weniger drastisch formulierte es Walter Dönni, Präsident der Bühne 70: «Die Effizienz bei der Ansprechstelle für Kultur ist zu wenig hoch. Wir spüren sie zu wenig.»

Michael Sarbach vom Gare de Lion und dem Kulturverein Soundsofa führte ins Feld, dass es für die Altersgruppe der 18- bis 30-jährigen kein Angebot gebe in Wil. Er sagte: «Nach 1 Uhr in der Nacht ist die Stad tot.» In die gleiche Kerbe schlug Ruedi Schär von der Wiler Ortsbürgergemeinde und der städtischen Kulturkommission. Er erinnerte sich daran, dass es früher in der Oberen Mühle Angebote für junge Menschen gegeben habe, diese allerdings zu wenig genutzt worden seien. Weniger kritisch beurteilte Florence Leonetti, Leiterin der Tonhalle Wil, die Gesamtsituation. Sie strich positiv hervor, dass man sich in Wil noch kenne und miteinander reden könne.

Einheitlich Plattform gefordert
Immer wieder kam zum Ausdruck, dass es der Stadt an geeigneten Probelokalen fehlt, in welchen zum Beispiel Theatervereine üben können. Zudem wurde angeführt, dass es zwar viele Vereine in der Stadt gebe, die wichtige ehrenamtliche Arbeit verrichten. Jedoch besteht laut Kreier ein «Schrebergarten-Denken». Der Vertreter vom Ohm 41 führte weiter aus: «Die Vielfalt bringt nichts, wenn niemand an die Anlässe kommt.» Damit schob er die Diskussion an, dass eine zentrale Plattform fehlt, auf welcher alle kulturellen Anlässe aufgeführt werden. Das Portal der Stadt wurde als zu kompliziert eingestuft.

Apropos Stadt: Walter Dönni nahm auch die Stadtparlamentarier in Visier, die an den kulturellen Veranstaltungen nur selten zu sehen seien. «Damit wird ihre Glaubwürdigkeit in den Grundmauern erschüttert.» Dazu passte, dass weder Vertreter der Stadtregierung nach die kritisierte Kulturbeauftragte, Kathrin Dörig, dem öffentlichen Anlass beiwohnten. Kritik gab es zudem an den nicht in Wil wohnhaften Mitarbeitern der Stadt, die in ihrem Wirken das Herzblut vermissen liessen. Als Tipp gab Michael Sarbach in die Runde, dass man den entsprechenden Leuten auf die Nerven gehen solle und lästig sein müsse.

Trotz Kritik ein mehrheitlich positives Zeugnis
Unmut an der Stadt setzte es auch bei der Finanzierung ab. Der Stadtrat wehrt sich dagegen, den Beitrag an die Kulturförder-Organisation Thurkultur von derzeit einem auf zwei Franken pro Einwohner zu erhöhen. Würde dies getan, hätte das automatisch auch einen zweiten Franken an Unterstützung durch den Kanton zur Folge. Vom Kanton fühlt sich Ruedi Schär trotzdem nicht ganz ernst genommen. Es könne nicht sein, dass die Stadt St. Gallen Unterstützungsgelder von 18 Millionen Franken erhalte, während es für Wil nur 100'000 Franken seien. Schär sagte: «Manchmal bin ich mir nicht sicher, ob die auch wissen, dass Wil noch zum Kanton St. Gallen gehört.»

Bei aller Kritik war es aber doch so, dass die Mehrheit der Protagonisten dem kulturellen Leben in der Stadt Wil ein überwiegend positives Zeugnis ausstellte.