«Um entstehen und reifen zu können, braucht Kunst neben Inspiration und Ideen auch Zeit und Raum», davon ist die Stadt Wil überzeugt. Wie die Äbtestadt in einer Medienmitteilung erklärt, möchte sie genau diese beiden Dinge zur Verfügung stellen. Und zwar in Form eines Atelierstipendiums, das im Zeitraum vom 1. September bis 30. November 2021 in Genua vergeben wird. Denn die Städtekonferenz Kultur (SKK) stellt ihre zwei Atelierplätze in Genua für jeweils drei Monate zur Verfügung. «Ziel der Ateliervergabe ist es, professionelles Kunstschaffen und den Kulturaustausch zwischen der Schweiz und dem Gastland zu fördern», heisst es in der Mitteilung weiter. Die Ateliers können jeweils von zwei Personen aus verschiedenen Städten gleichzeitig genutzt werden.

Die Stadt Wil als Mitglieder der SKK motiviert nun Wiler Kunstschaffende, sich für die Zeit vom 1. September bis 30. November 2021 für das Atelier in Genua zu bewerben. «Das zweite Atelier wird durch Kulturschaffenden aus Chur belegt», wird weiter informiert. Die Ausschreibung richte sich an Kulturschaffende der Bereiche Kunst, Fotografie, Video, Film, Theater, Tanz, Literatur und Musik. «Für verstärkte Musik eignet sich das Atelier nicht», wird betont. Das Atelier dürfe ausschliesslich alleine genutzt werden. «An den Lebenskosten vor Ort beteiligt sich die Stadt Wil mit 4500 Franken», verspricht die Stadt. 

Bewerbung bis Februar 2021 möglich

Für das Atelierstipendium gibt es selbstverständlich Vorgaben: Interessierte Künstler sollten flexibel, unkompliziert und offen sein sowie bereit, sich auf eine Wohngemeinschaft einzulassen. Weiter ist eine Bereitschaft erforderlich, sich während drei Monaten mit einer anderen Kultur auseinanderzusetzen und sich an die Gegebenheiten vor Ort anzupassen. Es wird empfohlen, vor einer Bewerbung die Informationen zu den Ateliers auf der Internetseite der SKK zu lesen. «Künstlerisch tätige Personen mit Wohnsitz, Wirkungsort oder starkem Bezug zur Stadt Wil können ihre Bewerbung bis 22. Februar 2021 schriftlich bei der Fachstelle Kultur der Stadt Wil einreichen», so die Stadt. Sie müssen neben einem Motivationsschreiben Informationen zur Person, zum bisherigen Werk und zum während des Atelieraufenthalts geplanten Projekt enthalten. Die Kulturkommission der Stadt Wil bilde die Jury, ihr Entscheid sei nicht anfechtbar. 

Viel Kritik beim ersten Atelierstipendium

Bereits letztes Jahr vergab die Stadt Wil das Atelierstipendium in der serbischen Hauptstadt Belgrad. Und vor einem Jahr erntete die Stadt Wil dafür vor allem scharfe Kritik von der IG Kultur Wil. Denn die Vergabe des Atelierstipendiums der SKK sorgte für rote Köpfe bei der IG: «Der Wiler Stadtrat lässt den Turm lieber leerstehen und betreibt derweil Kulturförderung in Serbien.» So ärgerte sich vor allem Sebastian Koller, Präsident der IG, über das Vorgehen der Stadt. «Kulturschaffende benötigen geeignete Räume und Infrastruktur», sagte Koller, «Fragt sich bloss, ob diese Infrastruktur nicht hier in Wil zur Verfügung stehen sollte?» Koller meinte, dass die städtische Kulturpolitik primär darauf abzielen muss, das kulturelle Leben vor Ort zu fördern, sodass die eingesetzten Mittel dem einheimischen Publikum zugute kommen und in die lokale Wirtschaft fliessen würden. (pd/red)