Es ist selbstverständlich geworden, dass unsere Bäche, Flüsse und Seen sauber sind. Seit Jahrzehnten wird das Abwasser aus Küche, Waschküche und WC in Abwasserreinigungsanlagen geklärt. Die FDP Uzwil aber wollte wissen, ob die heutigen Anlagen die zukünftigen Anforderungen noch erfüllen würden. Dabei erfuhren die Teilnehmer, dass die ARA Uzwil einwandfrei funktioniere. In Zukunft sei aber eine mikrobiologische Reinigungsstufe erforderlich. Aus Kostengründen könne eine solche aber nur in grossen, regional zusammengeschlossenen Anlagen realisiert werden.Drei Abwasser-Fachleute hatten sich bereitgemacht, die Mitglieder der FDP-Ortsparteien von Uzwil, Oberuzwil und Oberbüren über die ARA Uzwil zu informieren. In Anbetracht des bescheidenen Interesses übernahm Betriebsleiter Peter Huber die Orientierung über und die Führung durch die Anlage.

Mikrobiologische Klärung nötig
Der Uzwiler FDP-Ortsparteipräsident Bruno Lusti stellte einleitend die Frage, ob der heutige Reinigungsstandard der Kläranlage noch genügend sei oder gar übers Ziel hinaus schiesse. Dabei erwähnte er die Forderung der Fischer, unseren (zu) sauberen Seen wieder mehr Phosphat zuzuleiten, um ein besseres Wachstum der Fische zu erreichen.

Die Antwort des Fachmannes sei vorweggenommen. Eine neue Art der Verschmutzung, die mikrobiologische Verschmutzung, werde in den dreistufigen heutigen Anlagen nicht erfasst. Es sei zwar durchaus möglich, Rückstände von Zahnpasten, Kosmetika oder medizinischen Präparaten aus dem Wasser zu entfernen, erkläre Peter Huber. Die Kosten für diese mikrobiologische Reinigungsstufe seien aber so hoch, dass dafür ein Zusammenschluss von kleinen und auch grösseren Anlagen nötig sei.

Angaben über einen möglichen Standort und über einen Zeitplan für die Realisierung konnte Peter Huber noch nicht machen.

30'000 Einwohner-Gleichwerte
Peter Huber nahm die Teilnehmer mit auf einen Rundgang durch die ARA Uzwil. Dabei folgte er dem Weg des verschmutzen Wassers durch die Reinigungsanlage.

Die ARA Uzwil reinigt den grössten Teil des Abwassers von Uzwil und Oberuzwil sowie einen kleinen Teil auch von Niederhelfenschwil und Wuppenau. Sie ist auf 30'000 Einwohner-Gleichwerte ausgelegt und hat damit die Kapazitätsgrenze noch nicht ganz erreicht.

11 – 31 Millionen Liter pro Tag
Über die Kanalisation – die grössten Kanäle weisen einen Durchmesser von 1,6 Metern auf – fliessen ihr in der Sekunde 60 bis 80 Liter zu. Eine Badewanne wäre damit in zwei Sekunden voll. Bei Regenwetter kann die Menge bis auf maximal 360 Liter pro Sekunde ansteigen.

Das Wasser wird teils im Mischsystem (Meteor- und Schmutzwasser), teils im Trennsystem kanalisiert. Am Eingang zur Kläranlage werden in einem Rechen mit Stäben im Abstand von 2 cm Grobstoffe entfernt. In der nächsten Stufe werden Sand und Fett ausgeschieden.

Doppelt so gross wie die Badi-Becken
Die Becken der Kläranlage fassen gesamthaft 5,5 Millionen Liter Wasser. Damit sind sie doppelt so gross wie die Becken der Uzwiler Badi. Die mechanische, biologische und chemische Reinigung erfolgt zur Hauptsache im Vorklärbecken, in der Phosphatausfällung, im Belüftungsbecken und im Nachklärbecken. Nach rund acht Stunden fliesst das gereinigte Wasser in die Thur.

Bedeutsame Nebenprodukte
In der ARA Uzwil fallen pro Jahr 16'000 Kubikmeter Frischschlamm und 450 Tonnen Trockensubstanz vom Faulschlamm an. Der Klärschlamm wird zur Gas- und Stromproduktion eingesetzt. Das Methangas wird in Energie umgewandelt. 60 Prozent des Energiebedarfs kann so gedeckt werden.

2014 ist das veraltete Blockheizkraftwerk ersetzt worden. Bezüglich der Wärme ist die Anlage autark.

1 Million Betriebskosten
Die ARA Uzwil hat ihren Betrieb 1970 aufgenommen. In den Jahren vor der Jahrtausendwende ist sie für rund 18 Millionen Franken saniert und erweitert worden.
Die jährlichen Betriebskosten belaufen sich auf 1 Million Franken. Davon entfällt rund ein Drittel auf die Schlammbeseitigung. Die Anlage- und Betriebskosten werden im Verhältnis von 62 zu 38 Prozent zwischen Uzwil und Oberuzwil aufgeteilt.