Die Künstlerin Eva Borner schaut hin, wo andere wegschauen: Respektvolles Fotografieren von Schlafplätzen Obdachloser in Athen, feinfühlige Gespräche mit Flüchtlingen im Auffanglager oder anteilnehmendes Filmen zum Thema der erzwungenen Umsiedlung von Quartierbewohnern in Schanghai sind Ausgangspunkt ihrer subtilen Verdichtungen von menschlichen Schicksalen.

Sprachlosen eine Stimme geben

Ihre Arbeiten wecken beim Betrachter in poetischer oder narrativer Weise Erinnerungen und Assoziationen. In eindrücklichen Video-, Klang- und Objektinstallationen gibt Eva Borner, Sprachlosen' eine Stimme, wobei die physische Abwesenheit der Protagonisten für ihr Schaffen charakteristisch ist. Denn voyeuristisches Schauen liegt der Künstlerin fern. Vielmehr will sie den Betrachtern mittels ihrer behutsamen Inszenierungen die schwierige Wirklichkeit und die Wünsche der Betroffenen näherbringen.

Randständigen Aufmerksamkeit schenken

Eva Borner will die Verrohung der Welt und die menschliche Not nicht ignorieren und hat es sich zur Selbstverständlichkeit gemacht, den existenziell Gefährdeten und in ihrem Dasein an den Rand gedrängten Menschen Aufmerksamkeit entgegenzubringen. Als freiwillige Helferin in einem Flüchtlingslager im Hafen von Athen hat sie Einblicke in die schwierige Situation dieser Menschen gewonnen.

In unzähligen Gesprächen mit Flüchtlingen in Griechenland, mit Menschen im Exil oder mit Obdachlosen in den Strassen von Paris hat die Künstlerin gesprochen und sie nach ihren Wünschen gefragt. All diese intensiven und langwierigen Recherchen und Gespräche mit Flüchtlingen, Obdach- und Heimatlosen in ganz Europa liegen der Inszenierung «Wirklichkeiten›› zugrunde.

Post inside
Eva Borner wählt eigene Wege, die Stimmen Betroffener auf den Raum der Kunsthalle zu übertragen.

Stimmung Betroffener im Raum

Für die Inszenierung in der Kunsthalle Wil hat Eva Borner eine Art Soundskulptur gebaut, mit deren Hilfe sie die Stimmen der Betroffenen in den Raum überträgt. Wie die Künstlerin selbst meint, generiert sie für die gesichtslosen Stimmen einen identitätsstiftenden Moment'. Durch die Unmittelbarkeit der Erfahrung des Hörens reflektiert der Besucher über diverse Thematiken hinsichtlich der aktuellen instabilen politischen Lage in- und ausserhalb Europas, was angesichts der aktuellen globalen Vorkommnisse mehr als nötig ist.

Am Mittwoch, 21. November 2018, 19 Uhr, findet das Künstlergespräch statt. Weitere Informationen zum Schaffen von Eva Borner finden sich unter: evaborner.ch