Die Räumlichkeiten der Kunsthalle sind abgedunkelt. An der Aussenseite der grossen Fenster sind schwarze Plastikfolien angebracht, so dass kein Sonnenlicht hereinkommt. Gerade in der jetzigen Pandemie-Situation wirkt dieser Anblick noch bedrückender. Im Innenraum der Kunsthalle findet das grosse Verwirrspiel statt! Der geschlossene Ausstellungsraum bricht auf und Blicke durch Wände und Decke werden möglich. Ausblicke aus Fenstern und Türen in eine menschenleere, grelle Landschaft. Eine Landschaft von der Natur geformt mit Sanddünen, Bäumen und Sträuchern, welche sich im Wind sanft hin und her wiegen. Wo bin ich? Was ist Drinnen, was Draussen? Was ist real? Was ist inszeniert?

In der Ausstellung «Spectacular Scenery» von Susanne Hofer werden Aus- und Einblicke zum Thema gemacht, räumliche Fragen des Drinnen und Draussen aufgegriffen. Real- und Bildraum vermischen sich. In akribischen Projektionen schafft die Künstlerin illusionistische Ausblicke. Sie kombiniert Projektion, Material und Raum zu präzisen Installationen und erzeugt verlockende Scheinwelten.

Künstlerin liebt verlassene Gebäude

Susanne Hofer sucht ihre Bilder in (sub-)urbanen Zonen. Sie liebt landschaftliche Randbezirke und verlassene Gebäude. Sie findet das Surreale im Banalen und Alltäglichen. Ihr Blick richtet sich auf Eingriffe des Menschen in die Natur, Abfall oder Weggeworfenes. Sie interessiert sich für das Übriggebliebene, das Nebensächliche, die Lücken in der unmittelbaren Umgebung.

Die beiden gezeigten raumgreifenden Installationen werden durch zwei Videoarbeiten ergänzt. «PicNic Island» ist 2018, während Susanne Hofers Residency in Miami, entstanden. Es zeigt die Künstlerin beim Arrangieren von angeschwemmtem Müll auf einer der Picnic Island vor Miami. Auch hier bewegt sich die Künstlerin im Randbezirk, erforscht den (sub-)urbanen Raum und macht uns, auf subtile und poetische Art, auf die Problematik unseres Zivilisationsmüll aufmerksam. Die Audiospur dieses Videos, der rhythmische Wellenschlag am Ufer, erfüllt den Raum und verstärkt die ruhigen, kontemplativen Settings.

Virtuelle Führung

In Zeiten von «Stay Home» bekommt ihre zweite Videoarbeit «Sea Shell Collection», welche auf einem Monitor in einer Nische gezeigt wird, eine ganz neue Dimension. Sie steht vielleicht bezeichnend für ihre temporäre Isolation in der Kunsthalle Wil. Muscheln säuberlich und dekorativ arrangiert auf einem Holztisch, die sich plötzlich aus ihrem dekorativen Dasein lösen, verselbständigen und das Weite suchen. Die Muscheln sind bewohnt von Einsiedlerkrebsen, welche ihre temporäre Behausung jeweils ihrer Körpergrösse anpassen, und so ihr zu Hause immer mit sich tragen.

Aufgrund der «ausserordentlichen Lage» in der sich die Schweiz wegen dem Coronavirus befindet, kann die Ausstellung bis vorläufig 19. April nicht besucht werden. Für die Ausstellungseröffnung wird ein Video online geschaltet mit einem Interview mit der Künstlerin Susanne Hofer und einer Führung durch die neue Ausstellung. «Zudem möchten wir einen virtuellen Rundgang durch die Ausstellung realisieren, so dass Sie von zu Hause aus durch die Installation von Susanne Hofer gehen können», sagt Sonja Rüegg, Leiterin und Kuratorin der Kunsthalle Wil. (pd/red)