Die jährlichen Informationsabende der Landi Thur sind beliebt. Geschäftsführer Ueli Kellenberger konnte auch diesmal – am 15. Informationsanlass – eine Hundertschaft interessierter Bauern und als Referenten Urs Schneider vom Bauernverband und Urs Berweger vom Futtermittelproduzenten UFA in der Landi in Zuzwil begrüssen.

«Gefährliche Initiativen»

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Urs Schneider: «Die Konsumenten erwarten qualitativ hochwertige Produkte. Die Bauern bemühen sich, diese nachhaltig herzustellen».

Urs Schneider setzte sich in seinem Vortrag zentral mit den Pflanzenschutzmittel-Initiativen auseinander, über welche 2020 abgestimmt werden wird. Er forderte die Bauern auf, alles daran zu setzen, dass sowohl die Trinkwasserinitiative als auch die Initiative für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide abgelehnt würden. Ihre Annahme hätte eine grundlegende Veränderung der Landwirtschaft zur Folge.

«Agrarpolitisches Extrem-Experiment»

Die Trinkwasserinitiative verlangt, dass Direktzahlungen nur noch an Betriebe ausgerichtet werden, welche keine Pestizide einsetzen und die nur betriebseigenes Futter verwenden. Schneider bezeichnete sie als agrarpolitisches Extrem-Experiment. Zum einen berücksichtige sie die Vorleistungen der Landwirtschaft nicht. In den vergangenen Jahren seien der Einsatz von Pestiziden und Antibiotika stark reduziert worden. Ein vollständiger Verzicht würde aber zu verminderter Produktequalität und geringeren Mengen führen. Beides liege nicht im Interesse der Konsumenten.

Ein vollständiger Verzicht auf Futtermittelimporte würde zahlreiche Betriebe um die Existenzgrundlage bringen. Damit müssten mehr Lebensmittel eingeführt werden. Wie diese produziert werden, sei der Kontrolle weitgehend entzogen. Ausserdem ist Schneider überzeugt, dass die überdurchschnittlich hohe Wasserqualität in unserem Land keines zusätzlichen Schutzes bedarf.

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Rund 100 Bauern haben sich zum Informationsabend in der Landi Zuzwil eingefunden.


«Schweiz würde zum Bioland»

Die zweite Initiative brächte ein Verbot von synthetischen Pestiziden in der Landwirtschaft, in der Verarbeitung, in der Boden- und Landschaftspflege und auch beim Import von Lebensmitteln. Sie würde die Schweiz faktisch zu einem Bioland machen, stellte der Referent fest. Folge wären erhebliche Mindererträge, volatilere Ernten, unsichere Lebensmittelversorgung, steigende Preise und noch mehr Einkaufstourismus. Stark betroffen wäre auch die exportorientierte Lebensmittelindustrie. Deren Produktionsbetriebe würden ins Ausland verlagert.

Massnahmen gegen die Initiativen

Der Bauernverband hat eine Strategie zur Bekämpfung der Initiativen ausgearbeitet. Als erstes will er aufzeigen, dass sich die Landwirtschaft in den kritisierten Bereichen um Verbesserungen bemüht und bei der Reduktion von Pflanzenschutzmitteln, Antibiotika, Futtermittelimporten und beim Erhalt der Biodiversität grosse Fortschritte gemacht und gute Ergebnisse erzielt hat. Die Vorkampagne steht unter dem Motto «wir schützen, was wir lieben». Es sind Aktionen «schau in mein Feld» und «schau in meinen Stall» geplant. Besuche auf Bauernhöfen sollen den hohen Qualitätsstand vor Augen führen.

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Das sind die Erwartungen der Bauernfamilien an die Agrarpolitik 22+.


Freihandel und Grenzschutz

Einleitend hatte Urs Schneider die vielfältigen Herausforderungen der Landwirtschaft aufgelistet und die Ziele des Bauernverbandes erläutert. Verlässliche Rahmenbedingungen und faire Produktepreise stehen im Vordergrund. Dafür spielen der Grenzschutz und die Freihandelsabkommen eine wichtige Rolle. Der Bauernverband und seine Politiker machen sich bei jenen Abkommen stark, bei denen einheimische Produkte gegenüber importierten ins Hintertreffen zu geraten drohen. Sie setzen sich auch zur Wehr, wenn bei der Agrarpolitik 22+ die Direktzahlungen neu verteilt werden sollen. Ebenso sind sie gegen die Einführung neuer Beträge.

Referendum gegen Raumplanungsgesetz

Die Revision II des Raumplanungsgesetzes würde nach Auffassung von Urs Schneider das Bauen ausserhalb der Bauzonen massiv erschweren und die Entwicklungsmöglichkeiten für Landwirtschaftsbetriebe praktisch verunmöglichen. Bei einer Verabschiedung des Gesetzes in der heutigen Form drohte Schneider mit einem Referendum.