Eines stellt Zeno Stadler, Landwirt aus Bronschhofen, gleich zu Beginn klar: «Wir Landwirte sind unterschiedlich von den Folgen der Corona-Krise betroffen.» Aber im Allgemeinen profitiere die Landwirtschaft von der ausserordentlichen Lage, die aktuell in der Schweiz herrsche. Stadler, der mit seinem Betrieb in der Milchwirtschaft und im Ackerbau tätig ist, leidet kaum unter der aktuellen Situation. «Die Auswirkungen des Coronavirus bekommen wird zu spüren, weil aktuell keine Wochenmärkte stattfinden», so Stadler. Den meisten Bauern gehe es wie ihm. «Ich kenne aber auch Kollegen in der Branche, welche die neue Lage auch negativ zu spüren bekommen», erzählt er. So haben beispielsweise Spargelbauer wegen der Corona-Krise Absagen von ausländischen Arbeitskräften, die normalerweise bei der Ernte helfen. «Die Entwicklung des Coronavirus und die damit verbundene Schliessung der Restaurants hat auf einige landwirtschaftliche Betriebe negative Auswirkungen», sagt Stadler. Viele Gemüsebauern und Fleischproduzenten verkaufen ihre Produkte an Restaurants. Besonders Edelstücke vom Rindfleisch oder Gitzifleisch werden grossenteils an Restaurants verkauft. «Deshalb gibt es auch Landwirte, die in ihrer Produktion gezwungen sind kurzfristig umzudenken», so Stadler.

Systemrelevanz der Landwirtschaft

In diesen Tagen wird jedem Bürger offensichtlich bewusst, wie systemrelevant die Landwirtschaft für die Schweiz eigentlich ist. Konsumenten stehen im Supermarkt teilweise vor leeren Regalen – die meisten das erste Mal im Leben. Die Konsumenten fürchten sich aktuell wegen der Coronavirus-Ausbreitung vor Menschenansammlungen in den Läden. «Viele gehen deshalb plötzlich zum Metzger um die Ecke, besuchen den Hofladen eines Landwirten oder kaufen beim örtlichen Bäcker ein», stellt Stadler fest. Der Bronschhofer Landwirt erkennt, dass der Konsument in dieser Krise merkt, dass man die Landwirtschaft zum Leben braucht. «Ich hoffe, dass man uns Landwirte jetzt mehr wertschätzt», sagt Stadler, «auch nach der Krise.»

 
Zeno Stadler über die Corona-Krise in der Landwirtschaft. (Video: Magdalena Ceak)

Den Landwirten bei der Ernte aushelfen

Stadler sieht die aktuelle Krise als eine Chance: «Vielleicht machen sich die Menschen jetzt grundsätzlich Gedanken über ihr Konsumverhalten?» So fragt er sich, ob man wirklich im Februar Erdbeeren aus Spanien in den Läden braucht. «Vielleicht werden die Menschen auch nach der Krise die lokalen Hofläden besuchen – ich hoffe es.» Deshalb appelliert der Landwirt an die Bevölkerung, die aktuell arbeitslos ist, den Landwirten, die Erntearbeiter brauchen, unter die Arme zu greifen. «Dann merken die Menschen, was alles hinter der Landwirtschaft steckt.»