Die Schulraumsituation im Lindenhof ist angespannt. Bereits im laufenden Schuljahr fehlen auf Stufe Primarschule vier Klassenzimmer. Die Schüler werden darum auch im Zeughaus-Areal beschult. Doch viele Eltern sehen das nicht gerne. Einerseits bringt das Zeughaus einen militärischen Einschlag mit, andererseits sind die Rahmenbedingungen dort schlecht. «Im Sommer ist es brütend heiss und stickig, im Winter erreichen wir die gewünschte Temperatur nicht. Die Situation befriedigt nicht», sagt Schulpräsidentin Jutta Röösli. So kommt es vor, dass Eltern ihre Kinder nicht ins Zeughaus schicken wollen. «Wir hatten auch schon Rekurse und Einsprachen», sagt Röösli.

Da die Schülerzahlen weiter steigen – bis im Schuljahr 2021/2022 sind weitere vier Klassen neu zu eröffnen – besteht umgehend Handlungsbedarf. Zumal das Zeughaus nun voll ist und dort keine zusätzlichen Klassen mehr untergebracht werden können. Darum soll im Lindenhof ein Schulpavillon errichtet werden, noch bevor die künftige schulische Ausrichtung der Stadt Wil unter dem Schlagwort «Schule 2020» im Detail geplant ist. Der Pavillon ist auf dem Gebiet Langacker geplant. Es handelt sich um eine Wiese zwischen dem Kunstturn-Leistungszentrum und der eigentlichen Lindenhof-Schulanlage. Heute kann auf diesem Stück Grün noch Fussball gespielt werden.

Hinterthurgauer Firma baut den Pavillon
Am frühen Mittwochabend hat die Stadt die Pläne für die Übergangslösung vorgestellt: Der Pavillon umfasst acht Klassenzimmer und vier Gruppenräume, Zimmer für Handarbeit und Werken, Lehrerzimmer, Vorbereitungszimmer und Therapie, Räume für Material und Technik, jedoch weder Bibliothek noch Aula und Besprechungszimmer. Der Bau ist zweigeschossig mit Schulzimmern gegen Süden ausgerichtet. «Trotz Provisorium handelt es sich um einen vollwertigen Schulraum», sagt Daniel Stutz, Leiter des Departements Bau, Umwelt und Verkehr der Stadt Wil. Es ist ein modularer Bau. Will heissen: Es können nach Bedarf Schulzimmer angebaut oder entfernt werden. Die Nutzungszeit ist mit acht Jahren definiert. Bis dann soll gesamtheitliche Strategie in der Schulraumplanung der Stadt definiert sein. Noch nicht geklärt ist, ob der Langacker auch nach den acht Jahren für Schulraum genutzt wird.




Zehn Unternehmen haben sich an der Ausschreibung für den Pavillon beteiligt. Der Zuschlag ging an die Hinterthurgauer Firma Kifa mit Sitz in Aadorf – zu einem Preis von 4,3 Millionen Franken. Dazu kommt die Betriebsausstattung bis hin zur Nähmaschine, weshalb sich die Gesamtkosten mit 5,583 Millionen Franken veranschlagt sind.

Alternative Standorte geprüft
Im Februar 2019 soll das Projekt im Stadtparlament beraten werden. Wird der Kredit gesprochen, folgen danach die Detailprojektierung und Baueingabe. Gibt es bei der öffentlichen Auflage keine Einsprachen, soll Baubeginn im Dezember 2019 sein, womit der Bezug im März 2020 erfolgen könnte. Das Problem: Selbst wenn dieser optimale zeitliche Ablauf eingehalten wird, braucht es im Lindenhof zusätzlichen Schulraum für den Kindergarten – nämlich schon ab nächstem Sommer. Der Standort ist noch nicht definiert. Er wird jedoch nicht beim Langacker sein.

Die städtische Information am Mittwochabend kam insofern überraschend, als dass der Stadtrat erst vergangenen Donnerstag von einer Mehrheit der Parlamentarier den Auftrag gefasst hatte, alternative Standorte neben dem «Langacker» für den Pavillon zu prüfen. Laut Schulpräsidentin Röösli ist dies bereits geschehen. Für die Übergangslösung wurden auch folgende Gebiete geprüft: Parkplatz Rudenzburg, Klosterweg, Parkplatz Lindenhof, Zeughaus und die Schrebergärten an der Schützenstrasse. Doch entweder passte die Zone nicht oder die Platzverhältnisse waren ungünstig.