Sie könnten stundenlang erzählen, was sie im Nordosten Brasiliens alles erlebt haben. Viel Trauriges, aber auch viel Schönes ist den beiden Eschlikern hängengeblieben. Das erstaunt nicht, haben Ursula und Beat Roggensinger doch rund drei Jahrzehnte dort verbracht. «Wir lebten und arbeiteten bei den «Sertanejos», die eine ganz eigene Kultur pflegen und deren Region zu den ärmsten der ganzen Welt zählt. Wir haben Kirchgemeinden gegründet, Bauten erstellt, die Bildung gefördert und lokal verbessert», sagt der 60-jährige Beat Roggensinger. Der gelernte Maschinenschlosser und Absolvent des Theologiestudiums verbrachte sein halbes Leben in Brasilien und bereut es nicht. «Armut, Dürreperioden und keine Bildung. Wir haben den totalen Gegensatz zu unserem Wohlstand angetroffen. Das war nicht immer einfach zu akzeptieren. Doch für mich war und ist es Berufung, anderen Menschen zu helfen. Es lohnt sich, in Mitmenschen zu investieren.»

Beat Roggensinger und seine Frau Ursula haben sich in all den Jahren verändert; positiv. Vor allem die Beziehung zum Materiellen ist heute anders. «Du bist nicht glücklicher, je mehr du besitzt. Wahres Glück widerspiegelt sich in Dingen wie Hilfe, Unterstützung bieten oder der Wertschätzung. Daraus resultiert die echte Zufriedenheit», sagt die gelernte Lehrerin Ursula Roggensinger.


Hilfe aus dem Hinterthurgau

Seit knapp zwei Jahren ist das Ehepaar Roggensinger, das drei Söhne grossgezogen hat, wieder zurück in Eschlikon – und das für immer; irgendwie. «Doch unser Herz schlägt immer noch für die Ärmsten und Schwächsten in Brasilien. Wegen der Ausgangssperre im Zuge der Corona-Pandemie kommen genau diese Menschen in noch grössere Not. Keine Nahrung für die Bewohner in unserer ehemaligen Heimat, das tut weh», sagt Beat Roggensinger. Auch vom Hinterthurgau aus versucht er zu helfen. «Wir wollen so viele Familien wie möglich mit Grundnahrungsmitteln versorgen. Ein Warenkorb für 20 Franken hilft einer vierköpfigen Familie eine ganze Woche zu überstehen und dem ganzen Elend wenigstens für eine kurze Zeit auszuweichen», sagt er.

Roggensingers gründeten in den vergangenen Jahren eine Organisation mit Namen «Pro Sertão». Durch sie sollen Brasilianer das «Zepter» selbst in die Hand nehmen und ihrer benachteiligten Bevölkerung helfen. Diese übernimmt jetzt auch das Geldsammeln in Brasilien. «Uns war immer klar: Wenn wir einen Leiter gefunden haben, können wir uns zurückziehen.»