Die Einsetzung erfolgte durch Dekan Philipp Müller aus Ebnat-Kappel. Sie war am Schluss des durch Lars Heynen gestalteten Sonntagsgottesdienstes angesetzt. Musikalisch wurde die Feier durch den Kirchenchor und Andreas Hausammann bereichert. Mit den zwei Taufen zeigte der neue Pfarrer, dass er sich in seinen Uzwiler Aufgabenbereich bereits eingelebt hat. Vom Gleichnis des Pharisäers und Zöllners ausgehend, ermunterte er zu einer demütigen Haltung. Niemand habe Grund, überheblich zu sein. Vor Gott stünden alle mit leeren Händen da und seien angenommen und willkommen. Zum eigenen Verhalten gab er drei Ratschläge: sich nicht zu wichtig zu nehmen, den Humor nicht zu verlieren und dankbar zu sein.

Nach der offiziellen Amtseinsetzung und dem Segen durch Dekan Philipp Müller begrüsste Valentin Arnold, Präsident der Kirchenvorsteherschaft, den neuen Pfarrer und seine Familie. Alle Mitglieder der Vorsteherschaft schlossen sich den guten Wünschen an. Nach dem Gottesdienst wurde auf dem Kirchenhügel die Möglichkeit zu einem Stelldichein mit Speis und Trank und musikalischer Unterhaltung durch den einheimischen Singer und Songwriter Emanuel Reiter geboten. hallowil.ch hat dem neuen Pfarrer schon vorgängig ein paar Fragen gestellt.

hallowil.ch: Herr Heynen, welche bleibenden Eindrücke haben Sie aus Wigoltingen-Raperswilen mitgenommen?

Lars Heynen: Für die Offenheit der Menschen, die wir in der Kirchgemeinde und darüber hinaus erleben durften, bin ich dankbar. Wir haben an einem Strang gezogen – und zwar auf derselben Seite. Wir konnten miteinander reden, planen, feiern, beten, hoffen. Unzählige Momente haben die erlebte Zeit reich gemacht. In den zwölf Jahren habe ich um die 200 Taufen durchgeführt. Wir haben auch Feste gefeiert, so das 250-Jahr Jubiläum der Kirche Raperswilen und das Fest zur Eröffnung des neuen Kirchgemeindehauses. Eine eindrucksvolle Veranstaltungswoche ist im Rahmen des Reformationsjubiläums mit vielen Freiwilligen durchgeführt worden. Auch haben wir ein völlig neues, innovatives Religionsunterrichtskonzept auf die Beine gestellt.

hallowil.ch: Was werden Sie vermissen?

Lars Heynen: Im Laufe der Zeit ist natürlich unser privates Beziehungsnetz gewachsen. Auch wenn die Entfernung nicht so gross ist, wird man sich nicht mehr so oft sehen können.

hallowil.ch: Sie wechseln von einem Einzel- zu einem Teampfarramt. Mit welchen Erwartungen tun Sie das?

Lars Heynen: Ich war in einem Teampfarramt bevor ich nach Wigoltingen kam. Das kann entlastend sein. Man ist nicht für alles allein verantwortlich. Man profitiert dazu von den Erfahrungen und Begabungen anderer. Ich hoffe auf eine gute Zusammenarbeit in einem Team, in dem unterschiedliche Begabungen zusammenkommen und unterschiedliche Auffassungen etwas von der Vielfalt der Kirche und des Glaubens widerspiegeln.

hallowil.ch: Wo wollen Sie Schwerpunkte setzen?

Lars Heynen: Generell bin ich in meiner Arbeit in allen Facetten des pfarramtlichen Dienstes eingesetzt. Wir haben jedoch im Pfarrteam auch Zuständigkeiten für Regionen innerhalb der Kirchgemeinde. Ich möchte versuchen, eine Verbindung zu Kirchbürgern zu schaffen, die nicht im Zentrum unserer Kirchgemeinde leben, ihre Bedürfnisse erfahren und Angebote für sie initiieren. Darüber hinaus liegt mir etwas daran, den Glauben ins Gespräch zu bringen. Wenn wir uns im grauen Alltag verkümmern lassen, verlieren wir viel. Demgegenüber möchte ich die Sehnsucht nach mehr, nach Hoffnung, nach dem Tiefen und Geheimnisvollen, das uns im Glauben gegeben ist, wecken und wachhalten.

hallowil.ch: Uzwil weist drei Kirchgemeinden auf. Wie stehen Sie zur Ökumene?

Lars Heynen: Ich bin in einer Diasporagemeinde aufgewachsen und kenne daher insbesondere die römisch-katholische Tradition gut. Wir können gegenseitig voneinander lernen. Dies gelingt dort, wo wir uns begegnen und miteinander unseren Glauben leben und feiern. Auch in meiner letzten Stelle gab es Zusammenarbeit sowohl mit der methodistischen Gemeinde als auch mit der römisch-katholischen.

hallowil.ch: Sie sind überzeugter Feuerwehrmann. Hat dieses Engagement auch einen Bezug zu Ihrer beruflichen Aufgabe?

Lars Heynen: Wenn die Feuerwehren nicht regelmässig üben würden, wären sie im Ernstfall überfordert. Auch der Glaube braucht Übung. Glaube ist ein Beziehungsgeschehen und Beziehungen brauchen Zeit. Gott kommt in der Regel nicht im Donnerwetter, das keinen Zweifel zulässt. Aber wo Menschen fragen, nachforschen, beten, Schritte im Glauben machen, da steht die Verheissung, dass Gott sich finden lassen wird. Ein anderer Bezug sind die unterschiedlichen Dienste, die es bei der Feuerwehr gibt. Sie alle werden – je zu ihrer Zeit – gebraucht und sind wichtig. Paulus spricht über das Leben der Gemeinde Jesu ganz ähnlich. In jedem Gemeinwesen, so auch der Kirche, gibt es Menschen mit unterschiedlichen Begabungen. Wo sie zusammenkommen, dient das allen und fördert alle. Dann sind sich Menschen nah, unterstützen sich und bestärken sich gegenseitig im Glauben und in der Hoffnung. Der Horizont wird weit.

hallowil.ch hat Lars Heynen anlässlich seiner Wahl im Januar bereits vorgestellt.