«Gekommen, geblieben, angekommen» ist die Ausstellung überschrieben, welche am Samstag, 5. Mai im Beisein der Fotografin Ora Bürkli-Halevy eröffnet worden ist. Ausstellungsort ist der Dachboden des ehemaligen Kornspeichers im Kloster Magdenau. Hans Jörg Fehle, evangelischer Pfarrer im Ruhestand aus Wattwil, hat in seiner Laudatio den Respekt, die Feinheit und die Aussagekraft gewürdigt, mit der die Fotografin klösterliche Lebenssituationen eingefangen hat.Im Vorwort zum Jahreskalender 2018 «Lebendige Stille», der mit Fotos von Ora Bürkli gestaltet worden ist, beschreiben die Zisterzienserinnen ihre Bedenken, die sie dem Ansinnen, fotografiert zu werden, gegenüber hegten. «Wird uns die Fotografin zu nahe treten? Unsere Schwächen dokumentieren?» Vom Ergebnis aber stellen sie mit Begeisterung fest: «Wir fühlen uns von Ora Bürkli wahrgenommen, wie wir sind, samt unserem Anliegen, das uns beseelt: Täglich der lebendigen Stille Raum zu geben. Es ist die Art der Stille, in der Liebe aufkeimen kann.»

Das Kloster Magdenau lädt ein
Aus der Klostergemeinschaft hat sich Schwester Veronika für das Projekt interessiert und es tatkräftig unterstützt. In ihrer Begrüssung betonte sie, dass es durchaus wünschenswert wäre, wenn Magdenau und das Kloster vor allem bei jungen Menschen einen grösseren Bekanntheitsgrad bekäme. Das Kloster lade insbesondere jene Menschen ein, welche sich in schwierigen Lebenssituationen befänden. Sie könnten an der Ausstellung erfahren, dass Gott für jeden Menschen einen Weg ins Leben öffne.

Die wichtigste Voraussetzung für ihr Langzeitprojekt sei Vertrauen gewesen, betonte die Fotografin Ora Bürkli. Dieses sei ihr von Schwester Veronika und der ganzen Schwesterngemeinschaft geschenkt worden. Sie habe sich wohl und willkommen gefühlt. Mit Schwester Veronika habe sich eine fruchtbare Zusammenarbeit auf freundschaftlicher Basis ergeben.

Ort mit betender Gemeinschaft
Hans Jörg Fehle leitet jährlich zwei bis drei Schweigewochen im Kloster Magdenau. Für ihn sei es ein Glück an einen Ort zu kommen, wo es eine betende Gemeinschaft gebe, welche die Teilnehmer mit ihrer Fürbitte begleiteten. Das stellte der in Wattwil wohnende Laudator fest, ein evangelischer Theologe mit katholischer Zusatzausbildung als geistlicher Begleiter und Exerzitienleiter.

Einblicke in abgeschirmte Bereiche
In unserer Zeit, wo vieles öffentlich sei oder gemacht werde, stelle das Klosterleben mit der Klausur einen Gegensatz dazu dar. Bilder vom Leben in einem Kloster weckten deshalb Neugier. Der Blick in die Klausur erlaube sozusagen das Überschreiten einer der letzten Tabugrenzen. Die Bilder von Ora Bürkli gäben tatsächlich Einblicke, welche die meisten nicht kennen. Die Fotografin nehme den Betrachter in die innere Gemeinschaft von Magdenau mit. Sie eröffne behutsam eine Welt, in der Bücher, Schrift und Gesang eine Rolle spielten. Ausserdem aber auch Alltägliches. Selten seien ihm Bilder in Schwarz-Weiss so farbig vorgekommen.

Keine gestellten Aufnahmen
Den Schwestern dankte Hans Jörg Fehle für ihre Bereitschaft, sich mit der Kamera begleiten zu lassen. Die Fotografin lobte er für Diskretion. Keine Aufnahme wirke gestellt oder inszeniert. Es sei nicht darum gegangen, das Leben im Kloster als solches zu dokumentieren, sondern es unter dem Blickwinkel des Angekommenseins zu sehen. Dazu habe die Fotografin selber im Leben der Schwestern ankommen müssen.

Ankommen im Kloster
Der Laudator machte sich auch Gedanken zum Ausstellungsthema «angekommen sein». Für die Schwestern bedeute dies nicht bloss, sich zu prüfen, ob sie die richtige Lebensform und den richtigen Orden gewählt hätten. Der definitive Entscheid bedeute auch eine feste Ortswahl und die Annahme der alltäglichen Lasten und Mühen mit sich und den Mitschwestern.

Aufbruch zu neuen Ufern
Trotz aller Stabilität werde immer wieder ein neuer Aufbruch verlangt. Das gelte nicht nur für den abschliessenden Aufbruch in die Ewigkeit. Die benediktinischen Gemeinschaften stünden heute vor einer besonderen Herausforderung. Es sei keine Selbstverständlichkeit, dass jedes Kloster weiter bestehen könne. Es sei möglich, dass sich eine Ordensgemeinschaft einer andern Gemeinschaft der gleichen Ordensfamilie anschliessen müsse.

Ergänzend zur Ausstellung wird die malerisch gelegene Klosteranlage dem Betrachter durch einen kurzen Film aus der Vogelperspektive vor Augen geführt.

Ausstellungsort und Öffnungszeiten
Die Dauerausstellung mit Fotos von Ora Bürkli wird im ehemaligen Kornspeicher des Klosters Magdenau gezeigt.

Die Öffnungszeiten:
Im Mai: Mittwoch, Samstag und Sonntag 14 bis 18.30 Uhr.
Juni-Juli-August: Mittwoch, Samstag und Sonntag von 14 bis 19 Uhr
Von September bis Mitte Oktober: Samstag und Sonntag von 14 bis 19 Uhr.
Der Eintritt ist frei.