Was die Region Uzwil betrifft, scheint sich die Situation nicht wesentlich verändert zu haben, wie die Nachfrage bei verschiedenen Stellen ergeben hat. Ein knappes halbes Jahr vor Lehrbeginn äussert sich Mary Baumgartner, Schulleiterin an der Oberstufe Uzwil, mehr als zufrieden: «Nur wenige der Schulabgängerinnen und Schulabgänger haben noch keine Lehrstelle. Das hängt wohl auch mit der seit Jahren kleinsten Schülerzahl in diesem Jahrgang zusammen. Statt der üblichen über 100 sind es rund 30 weniger. Von den 46 Sekundarschülern suchen nur noch zwei eine Lehrstelle, bei den Realschülern sind es acht von 34. Es sind aber noch zahlreiche Lehrstellen offen. Wie das immer der Fall ist, wird der eine und andere bei der Suche von seinem Wunschberuf abrücken müssen.»

Auch Schulleiter Fredy Bühler vom OZ Thurzelg Oberbüren ist glücklich: «Alle Sekundarschüler haben bereits eine Lehrstelle, und auch bei den Realschülern sind nur noch wenige am Suchen. Neben der Unterstützung durch die Lehrkräfte können sie wenn nötig auch das Berufscoaching der Berufsberatung in Anspruch nehmen.» Wenn Corona eine Erschwernis bringe, dann sieht Fredy Bühler diese nicht für die Drittklässler, sondern für die Zweitklässler der Oberstufe: «Schnupperlehrstellen sind momentan schwierig zu finden. Covid-Massnahmen und -vorschriften oder auch Kurzarbeit hindern Betriebe, Schüler vor Ort zu informieren.»


Mit der Situation leben gelernt

«Das Verfahren zur Besetzung der Lehrstellen ist aufwendiger geworden», beurteilt Rolf Raschle, Präsident des Gewerbevereins Uzwil, die Lage, «aber wir haben damit leben gelernt». Der Gewerbeverein hat sich schon vor Corona dafür eingesetzt, seine Mitgliedfirmen mit geeigneten Schulabgängerinnen und Schulabgänger in Kontakt zu bringen. Diesem Ziel dient unter anderem die Aktion «Zoom», welche auch in diesem Jahr durchgeführt werden wird. An Erlebnistagen lernen interessierte 5.- und 6.-Klässler der Primarschule Berufe und künftige Arbeitsplätze kennen. Dadurch erhofft man sich, dass sich Jugendliche frühzeitig mit der Berufswahl befassen und dass dann auch handwerkliche Lehrstellen erfolgversprechend besetzt werden können.

Gesamthaft hat sich die diesbezügliche Situation aus der Sicht des Uzwiler Gewerbepräsidenten nicht verändert. Die meisten gewerblichen Lehrbetriebe seien am Arbeiten und behielten die Anzahl Lehrstellen bei. Schnupperlehren durchzuführen aber sei infolge der Covid-Einschränkungen umständlicher geworden. Raschle erwähnt zudem, dass die Anforderungen in manchen handwerklichen Berufen gestiegen seien, was die Besetzung der Lehrstellen nicht erleichtere.

Bühler: Ein sicherer Wert

Der Uzwiler Technologierkonzern Bühler hat in der Schweiz immer rund 300 junge Menschen in einer Berufslehre, weltweit sind es 600. Das bedeutet, dass in Uzwil jährlich etwa 70 Lehrstellen in neun Berufen zu besetzen sind. Über mangelnde Nachfrage kann sich die Firma nicht beklagen. «Es gibt jeweils vier- bis fünfmal so viele Bewerbungen, wie Lehrstellen zu besetzen sind,» sagt Monika Locher von der Berufsbildungsabteilung. Für die Lehrstellen mit Antritt im kommenden Sommer sei die Nachfrage entgegen den Erwartungen allerdings eher kleiner als üblich gewesen. Mit Ausnahme von je zwei Stellen für Anlage- und Apparatebauer sowie Polymechaniker seien jetzt alle Stellen vergeben. Auch für die vier noch offenen Lehrstellen gebe es aber bereits Bewerberinnen und Bewerber.

Auf eine Reduktion von Lehrstellen in jenen Bereichen, die von den durch die Pandemie verursachten Einschränkungen am stärksten betroffen sind, habe man verzichtet. Monika Locher erwartet dies auch auf das Jahr 2022 nicht. Schliesslich beklage man allgemein einen Fachkräftemangel. Wenn sich die Situation wieder normalisiere, würde eine Reduktion der Ausbildungsplätze diesen Mangel noch verschärfen. Zu berücksichtigen sei auch, dass heute viele Lehrabgänger ein Studium oder Zusatzausbildungen absolvierten. Dem komme das Bildungssystem entgegen, indem es Anschlussmöglichkeiten biete.

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Bühler ist stolz auf  seinen Nachwuchs. Alljährlich werden  die erfolgreichen Absolventinnen und Absolventen der Berufslehren an einer Feier geehrt.


Das Gute liegt nah

Der Gemeinde Oberuzwil ist es im Rahmen ihrer Initiative «Oberuzwil verbindet» ein Anliegen, dass Lehrstellensuchende auf das Angebot in der Gemeinde aufmerksam werden. Ortsansässige Betriebe können deshalb ihre Lehrstellen im Gemeindemitteilungsblatt gratis inserieren. «Auch die Lehrstellen auf der Gemeindeverwaltung werden nach Möglichkeit mit Schulabgängern aus Oberuzwil besetzt», sagt Gemeindepräsident Cornel Egger. «Wer die Anforderungen erfüllt, bekommt eine gründliche und attraktive Ausbildung. Er kann sich auch für die Möglichkeit KV 4.0 mit einem Zwischenjahr mit Auslandaufenthalt entscheiden».