Das letzte Hochwasser liegt in Zuzwil zwar schon über vier Jahre zurück. Und trotzdem lässt der Dorfbach seit Monaten die Wogen hochgehen. Hier der Gemeinderat mit den beauftragten Fachplanern, welche die Gerinnesanierung unbedingt durchdrücken wollen. Gibt es keine Zustimmung, wäre das eine Niederlage – die zweite nach der deutlichen Abfuhr zum kantonalen Werkhof im Jahr 2015. Auf der anderen Seite das Ad-Hoc-Komitee (AHK). Es ist angetreten, um eine Entlastungsstollen unter dem Kirchhügel beliebt zu machen – vermittelt aber mittlerweile den Eindruck, in erster Linie die Sanierung des Bachgerinnes verhindern zu wollen.

Zuzwil hat die Qual der Wahl. Nicht zielführend ist ein doppeltes Nein. Also ein Nein gegen den Stollen und ein Nein gegen die herkömmliche Sanierung. Denn damit würde wohl lange rein gar nichts passieren – zumal der Gemeinderat dann eingeschnappt sein dürfte und nicht aufs Gaspedal drückt. Das Argument, die Bachsanierungs-Vorlage sei nicht abstimmungsreif, ist zu entkräften. Wer sich eingehend informieren wollte, hatte in den Wochen vor der Abstimmung genügend Möglichkeiten dazu: Es gab und gibt zwei Bachbegehungen, zwei Informationsabende und jede Menge Informationsmaterial auf der Homepage der Gemeinde. Natürlich sind die Planungen der beiden Projekte nicht gleich weit fortgeschritten. Trotzdem ist es wichtig, nun das Volk zum weiteren Vorgehen zu befragen, bevor weiteres Geld in die Planung gesteckt wird. Werden Sanierung und Stollen verworfen, überlässt man einen Bach, der zu den 20 gefährlichsten im Kanton gehört, und die Anstösser ihrem Schicksal.

Stollen hat so keine Chance

Also bleibt noch die Frage: Herkömmliche Sanierung oder Entlastungsstollen? Man muss nicht Prophet sein, um zu prognostizieren, dass das vorliegende Stollenprojekt keine Chance haben wird. Keine der vier Ortsparteien und nicht einmal das AHK stärken dem Projekt mit Mehrkosten von über neun Millionen Franken den Rücken. Die Preisdifferenz zur Gerinne-Sanierung ist schlicht zu gross, um damit punkten zu können. Schade um die über 100'000 Franken, die in die Planung des vorliegenden Projekts investiert worden sind.

Unter dem Ausschlussverfahren bleibt noch die Gerinnesanierung. Es ist ein Projekt, das gewisse Bachanstösser schmerzen wird, da einige von ihnen Land hergeben müssen. Sie werden sich auf dem juristischen Weg wehren, womit das Projekt noch Jahre lang nicht umgesetzt werden kann. Deswegen die Planungen aber noch einmal von vorne zu beginnen, wäre ein sinnlose Geldverschleuderung. Viele Neues käme nicht heraus.

Bachkommission nötig

Alles paletti also für den Gemeinderat? Nein. Denn er muss die verkachelte Situation im Dorf auch auf seine Kappe nehmen. Dass die Diskussion längst nicht mehr auf der sachlichen Ebene verläuft und zu einer Art Machtspiel ausgeartet ist, kommt nicht von ungefähr. Die Behörde muss sich vorwerfen lassen, die Gegner weder von Anfang an noch überhaupt je ins Boot geholt zu haben. Doch genau dies hätte sie tun sollen. Es ist ein alter Grundsatz, dass man seine Gegner am besten im Griff hat, man mit ihnen zusammenarbeitet. Es entstehen mehrheitsfähige Lösungen.

Also muss auch der Gemeinderat über die Bücher, selbst wenn er bei der Abstimmung obsiegen sollte und die Gerinnesanierung weiter geplant wird. Es gibt nur eine Lösung: Eine Bachkommission soll das Thema weiterbearbeiten. Dieser gehören Vertreter des Gemeinderats, des Ad-Hoc-Komitees, der Fachplaner und interessierte Bürger an. Nur so bringt man die Diskussion wieder auf eine vernünftige Ebene, bei welcher es um die Sache geht.

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hallowil.ch-Chefredaktor begründet im Leitartikel, warum die herkömmliche Sanierung des Dorfbachs als einzige Variante Sinn macht.

Lesen Sie hier den Leitartikel zur ebenfalls umstrittenen Abstimmung über den Landverkauf in Münchwilen. Sie findet ebenfalls am 20. Oktober statt.