Ich gebe es zu. Ich fahre in Sachen Kinderzimmermöbel sowie -accessoires und Spielsachen total auf den nordischen Stil ab. Ob es ein Tick ist? Definitiv ja. Und mit diesem Spleen bin ich nicht alleine. Für mich und gleichgesinnte Eltern bedeutet der nordische Stil Einfachheit, Nachhaltigkeit, Natürlichkeit und Reinheit. Zusammengefasst: Ein reduzierter und natürlicher Stil – eben ohne viel Schnickschnack. Viele Eltern haben es gerne einfach, und dieser Trend wird in den nächsten Jahren noch mehr an Bedeutung zunehmen. Warum? Weil er einen Gegenpol zu unserer komplexen Welt schafft. Mit der schnell vorantreibenden Digitalisierung brauchen wir nun einmal eine Gegenbewegung, in dem wir uns auf das Unverfälschte und Einfache konzentrieren. Quasi zurück zur Natur.

Trotz dieses Gegentrends ist China weiterhin der weltweit wichtigste Produzent in Sachen Spielsachen. Zwei von drei in der Schweiz verkauften Spielsachen kommen aus dem bevölkerungsreichen Staat in Ostasien. Weil mich das Thema Spielzeug schon während meiner Schwangerschaft beschäftigte, habe ich einmal «Spielzeugfabrik in China» bei Google eingetippt. Unzählige Artikel, Fotos, Videoaufnahmen zeigen, wie erschreckend die Arbeitsbedingungen dort sind. Bevor die Spielsachen von unseren Kindern unter dem Weihnachtsbaum ausgepackt werden, stehen chinesische Arbeiter bis zu 140 Stunden pro Woche am Fliessband. Es herrschen zu tiefe Löhne, die kaum zum Leben einer Familie mit Kindern reichen, und mangelnde Arbeitssicherheit. Diese Menschen arbeiten mit krebserregenden Chemikalien und wohnen in miesen Unterkünften. Es sind Missstände, die das Arbeitsrecht gleich mehrfach verletzen. 

Das alles sind Gründe, warum ich gegen Plastikspielzeug bin. Ja, richtig gelesen – ich verzichte auf Plastik im Kinderzimmer. Eben wegen diesen Menschen. Aber auch wegen den Giftstoffen, die in billig produzierten Spielsachen enthalten sind. Immerhin lieben es Kinder mit allen Sinnen zu spielen. Sie stecken Puppenhände in den Mund, lutschen an Bauklötzen und knabbern an Stiften. So entdecken und begreifen sie die Welt. Deshalb wähle ich die Spielsachen meiner Tochter bedacht aus. Für die Nachhaltigkeit, Qualität und Entwicklungsförderung greife ich auch gerne tiefer in die Tasche. Spielsachen im nordische Stil zeichnen sich eben durch das alles aus: natürliche und naturverbundene Materialien, gesundheitlich unbedenklich, sinnvoll und langlebig, weil sie über Generationen weitergegeben werden können.

Kinder haben ihre eigenen Wünsche

Mir ist durchaus bewusst, dass Kinder ab einem gewissen Alter ihre eigenen Wünsche und Geschenklisten haben. PJ Masks, die Eiskönigin Elsa, Paw Patrol und Co. lassen grüssen und bringen Eltern manchmal zur Verzweiflung. Ich sage nicht, dass man Kindern diese Figuren nicht schenken sollte – Erwachsene sollen ja auch auf die Wünsche des Nachwuchses eingehen. Aber nach der sechsten Elsa-Bettwäsche und der hundersten Paw-Patrol-Figur ist irgendwann einmal genug und Eltern dürfen ruhig mal die Handbremse ziehen. Denn Kinderaugen bringt man so oder so zum Strahlen, wenn sie ein neues Spielzeug auspacken. Denn wir dürfen nicht vergessen, dass Kinder in jedem Alter neugierig sind, vor allem Neuem gegenüber.

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Skandinavische Spielsachen haben eine nordische Seele. Sie sind einfach, natürlich, funktional, vielseitig, zeitlos und doch modern. Aber der erste Eindruck täuscht – so schlicht diese Spielsachen auch sind, so detailreich ist ihr Design. Was mir am meisten an den Spielsachen im nordischen Stil besonders gefällt, ist, dass sie Kinderherzen nicht mit Effekten berühren. Spielsachen aus den skandinavischen Ländern sprechen die offenherzige und einfache Kindersprache.


Der Klassiker: Holzspielzeug

Spielzeug aus Holz ist pädagogisch wertvoll, weil die Fantasie der Kinder durch seine Einfachheit angeregt wird und damit den Nachwuchs in seiner Entwicklung unterstützen kann. Und gerade in skandinavischen Ländern spielen sie eine bedeutende und grosse Rolle. Sind die Spielsachen unbehandelt oder mit unbedenklichen Lacken überzogen, können sie bedenkenlos von Kindern in den Mund genommen werden. Was gerade bei Babys, die in der oralen Phase alles ablecken und die Welt mit dem Mund erkunden, wichtig ist. Seit längerer Zeit schenke ich Kindern in unserem Bekanntenkreis beispielsweise Holzspielsachen der im Jahr 1981 gegründeten Marke Plantoys. Diese Spielsachen für verschiedene Altersklassen stammen von Bäumen, aus denen Kautschuk gewonnen wurde. Sobald die Bäume nicht genug Kautschuk produzieren, werden sie eben zu Spielsachen verarbeitet. Und das Angebot von Plantoys ist vielfältig, sodass es für alle Altersklassen etwas gibt: von Parkhäusern, Murmelbahnen, Ärztekoffern, Spielkochgeschrirr über Trommeln, Rasseln, Autos bis hin zu Puzzle und Fussballtischen.

Im letzten Jahr haben mich auch die Holzspielsachen von Ooh Noo überzeugt. Denn diese werden in Europa im modernen Retro-Stil entworfen sowie gefertigt und werden nur in kleiner Stückzahl von Hand produziert. Das Kreativteam lässt die selbst kreiierten Spielsachen vor dem Verkauf von seinen Kindern testen. Viele Eltern wünschen sich, dass Kinder ihr Spielzeug längerfristig nutzen können. Und gerade das ist bei dieser Spielzeugmarke gegeben. So kann deren Puppenwagen auch als Laufwagen für Babys genutzt werden. Oder die Holzklötze können Kinder vom Baby- bis zum Schulalter begleiten: Während Babys diese Klötze in den Mund nehmen können, bauen Kleinkinder Türme mit ihnen und weil die Klötze mit Buchstaben sowie Zahlen und mathematischen Zeichen versehen sind, sind sie auch für Kinder im Schulalter interessant.


Rollenspiele und Puppen gehen immer

Seit Generationen begeistern Puppenhäuser, süsse Puppen liebevoll gestaltete Miniatur-Möbel. Diese Art von Spielsachen entfalten die Fantasie und Kreativität der Kinder. Sie ermöglichen Kindern, ihre eigene Geschichten zu erzählen und eine ganz eigene Welt zu erschaffen. Gerade bei Kindergartenkindern sind Rollenspiele eine Methode, um Erlebtes zu verarbeiten und gesehene Verhaltensmuster zu üben. Ich bin beispielsweise ein grosser Fan der dänischen Spielzeugmarke Maileg. Sie erweckt Mäuse, Katzen und Hasen aus Stoff zum Leben. Die Tierpuppen, die es in den unterschiedlichsten Grössen gibt, wohnen in kleinen Schachteln, arbeiten im Zirkus und machen es sich in Puppenhäusern mit Miniatur-Möbeln gemütlich. Gerade in meinem Freundeskreis sehe ich wie Kleinkinder mit diesen Puppen Alltagsszenen im Kindergarten, mit Freunden oder dem Familienleben nachspielen. So werden die motorischen Fähigkeiten sowie die Konzentration gefördert. 


Dekoration statt Spielzeug

Wer aber kein Spielzeug verschenken möchte, kann auch auf Accessoires für das Kinderzimmer zurückgreifen. Mit den handillustrierten Wandstickern des schwedischen Produzenten Stickstay können Eltern das Baby- und Kinderzimmer individuell gestalten. Die Designs reichen von niedlichen Tierchen über verträumte Wolken, coole Raketen und Sterne bis hin zu edlen Heissluftballons. Meine Tochter wurde schon in den ersten Monaten von diesen Wandstickern angeregt, denn das liebliche Design spricht Säuglinge an. Mit Hilfe der Sticker lernen Kleinkinder die einzelnen Tiere oder Planeten kennen.

Ähnlich verhält es sich auch mit den Postern der schwedischen Kunstmarke Mrs Migehtto. Jeder Druck geht von einem ursprünglichen Wasserfarbenkunstwerk. Jede Kollektion ist eine limitierte Auflage – und wenn die einzelnen Illustrationen erst einmal ausverkauft, werden sie nicht mehr gedruckt. Mit Hilfe der abgebildeten Charakteren, die alle einen eigenen Namen bekommen, können Kinder in einen Zauberwald, einen Zirkus, in eine Unterwasserwelt tauchen oder mit Wolken in den Himmel steigen.

Hörspiele mögen alle Kinder

Ist es nicht irgendwie bei allen Erwachsenen so, dass sie sich gerne an die Hörspiele von früher erinnern. Besonders beliebt bei Kindern in allen Altersklassen ist im Moment die sogenannte Toniebox. Die Musikbox zeichnet vor allem durch ihre kinderleichte Bedienbarkeit aus: Die Tonie-Figuren werden einfach oben draufgestellt und im selben Augenblick wird eine Audiodatei abgespielt. So können bereits die Kleinsten ganz intuitiv ihre Lieblingshörspiele und -musik selber auswählen und binnen Sekunden starten. 

Natürlich ist es schwierig, die Spielwaren aus China zu boykottieren und mit Kindern, die sich etwas bestimmtes wünschen, noch schwieriger. Aber zumindest Spielwarenmarken wählen, die auf faire Arbeitsbedingungen setzen und deren Spielsachen keine Schadstoffe enthalten.

Täglich berichtet «hallowil.ch»-Redaktorin und Mama Magdalena Ceak auf ihrem Instagram-Profil über den Familienalltag und gibt Inspirationen für die Kinderzimmereinrichtung.