Kaum waren mein Ehemann und ich verheiratet, kam sie, die Frage mit der alle Frischverheirateten und auch Paare, die über mehrere Jahre zusammen sind, konfrontiert werden: «Na, wie sieht es mit der Kinderplanung aus?» Hört man diese direkte Frage das erste Mal, steht man fast sprachlos da und denkt darüber nach, ob das in diesem Moment wirklich passiert ist. Man ist peinlich berührt. Man weiss nicht so recht, was man überhaupt antworten soll.  Je öfter man «Wann kommt der Nachwuchs?» hört, desto genervter ist man irgendwann von dieser Frage.

Da war diese Geburtstagsfeier von unserem Patenkind und eine Bekannte meiner besten Freundin rief plötzlich in die Runde: «Bist du schwanger?» Zuerst tat ich so, als hätte ich die Frage nicht gehört – in der Hoffnung, dass sie mich in Ruhe lässt. «Keine Antwort ist auch eine Antwort. Du bist also schwanger.» Ich war fassungslos, antwortete aber höflich und ganz leise: «Nein, bin ich nicht». Sie blieb hartnäckig und hackte noch einmal nach: «Du strahlst so. Du musst doch schwanger sein.» In diesem Moment waren alle Augen auf mich gerichtet. Ich war wirklich peinlich berührt. Am liebsten hätte ich sie im gleichen Augenblick durchgeschüttelt und angeschrien. Damals hatten mein Ehemann und ich uns noch nicht einmal richtig mit dem Thema Nachwuchs auseinandergesetzt – aber ich habe mich trotzdem bedrängt gefühlt. Wir wussten zwar immer, dass wir irgendwann einmal ein Kind wollen. Aber sind denn Kinder der einzige Grund, warum ein Paar strahlt und glücklich ist? Ich denke nicht. Keine Frage, ein Kind macht glücklich und macht das Leben besonders schön. Aber auch kinderlose Paare können und vor allem dürfen zufrieden und glücklich sein. Besonders platt war ich, als eine Bekannte mir einen Link zu einem Ovulationstest schickte und noch schrieb: «Mir hat er geholfen, ich war nach nur drei Monaten schwanger.» Man musste mir quasi zeigen und erklären, wie ich schwanger werden kann. Man musste mir, der armen und verheirateten Kinderlosen, helfen. So kam es zumindest bei mir rüber. 

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Ganz ehrlich, die Frage nach der Kinderplanung ist unverschämt und allem voran unsensibel. Natürlich meinen es Familienmitglieder, Freunde und Bekannte nicht böse. Und jeder freut sich über ein kleines Baby in der Familie oder im Freundeskreis. Aber die Kinderplanung ist nun einmal ein höchst sensibles Thema. Und gerade deshalb ist es anmassend, sich danach zu erkundigen – egal, wie nahe man einem Paar steht. Schliesslich weiss man nie, welche Emotionen man damit lostritt.

Im Inneren sieht es unter Umständen anders aus

Die Fragenden sehen meistens nicht, was sie mit dieser Frage im Inneren der betroffenen Paare anrichten. Auch wenn Paare in den meisten Fällen anständig antworten: «Ja, die Zeit wird kommen». Denn nicht in jedem Fall sieht ein Paar hinter der Fassade das Ganze locker. Es gibt Paare, die gar keine Kinder möchten und sich überhaupt nicht für diese Entscheidung rechtfertigen wollen. Müssen sie auch nicht. Oft sind aber auch zwei Menschen lange zusammen, die sich nicht über den passenden Zeitpunkt für Nachwuchs einig werden. Dabei kann herauskommen, dass der eine Partner ein Kind will, der andere aber nicht. Und was sollten sie dann auf die Frage nach der Familiengründung antworten? «Ich will ja, aber der zweite Part unserer Beziehung nicht»? Und wenn der Partner in dieser Situation dann noch daneben sitzt, können die Fragenden danach eine ganze Beziehungskrise auslösen.

Es kann auch grosses Leid dahinter stecken

Das mag aber noch das kleinere Übel sein. Was ist mit den Paaren, die seit Jahren versuchen, Nachwuchs zu bekommen? Gerade weil die Familienplanung etwas sehr Intimes und Persönliches ist, reden viele Paare auch nicht darüber, wenn der Kinderwunsch über einen längeren Zeitraum nicht in Erfüllung geht. Wer weiss schon, wie viele Anlaufversuche und Kinderwunschbehandlungen jemand schon hinter sich gebracht hat, ohne ein kleines Baby in den Händen halten zu können? Und weil es bei den Betroffenen einfach nicht klappen will, reisst man nicht nur grosse Wunden auf, sondern setzt sie noch mehr unter Druck. Weil eben das Umfeld Nachwuchs bei einem Paar erwartet. Schliesslich darf man nicht vergessen, dass die meisten Paare mindestens sechs Monate brauchen, bis die Frau überhaupt schwanger wird. Es gibt so viele Paare, die sich sogar über ein Jahrzehnt wünschen, ein Kind zu bekommen – und trotz moderner Medizin und enormem finanziellem Einsatz klappt es einfach nicht. Und wie soll es ihnen dann gehen, wenn sie jemand nichtsahnend nach der Familienplanung fragt?

Oder noch tragischer: Wenn man bedenkt, dass 25 Prozent aller schwangeren Frauen während den ersten zwölf Schwangerschaftswochen eine Fehlgeburt erleben, dann ist die Frage nach dem Kinderwunsch wirklich Fehl am Platz und unsensibel. Es gibt kaum einen grösseren Schmerz, als das eigene Kind zu verlieren – und gerade deshalb reden viele Betroffene nicht darüber. Das ist absolut verständlich. Umso schlimmer ist es, wenn man immer wieder mit dem Thema Kinderwunsch konfrontiert wird.

Bitte, nie, nie, nie, nie und niemals nie nach der Kinderplanung anderer Menschen fragen. Denn es ist nicht unsere Angelegenheit. Mit der Kinderplanung eines anderen Paares haben wir einfach nichts zu tun. Denn mit dieser einfachen und wenn auch gut gemeinten Frage, können wir schmerzende Wunden aufreissen. Mann sollte darauf vertrauen, dass die Paare von alleine über das Thema reden oder schon früh genug damit ausrücken, wenn Nachwuchs auf dem Weg ist. Denn dieses kleine Bündel Liebe ist schliesslich etwas, was man nicht alleine für sich behalten kann und mit viel Freude das nähere Umfeld informiert.

Täglich berichtet «hallowil.ch»-Redaktorin und Mama Magdalena Ceak auf ihrem Instagram-Profil über den Familienalltag und gibt Inspirationen für die Kinderzimmereinrichtung.