Es gibt keinen schöneren Moment im Leben, als wenn das kleine Wunder, das eine Frau neun Monate unter ihrem Herzen getragen hat, das Licht der Welt erblickt. Dieser Augenblick, in welchem man das eigene Kind das erste Mal sieht, in den Arm nimmt, küsst, auf der Welt begrüsst, dieser Augenblick ist mit nichts anderem auf der Welt vergleichbar. Zumindest für mich – und viele andere Mamas. Einerseits ist man von der Liebe, die bis zu diesem Moment nicht vorstellbar ist, für dieses kleine Baby überwältigt. Andererseits gibt es kaum ein stärkeres Erlebnis, das ein Paar so sehr miteinander verbindet. Die Geburt des eigenen Kindes ist das prägendste und emotionalste Lebensereignis für Mütter und auch für Väter. 

In vielen europäischen Spitälern wird aktuell immer wieder darüber diskutiert, ob die werdenden Väter wegen der Ausbreitung des Coronavirus überhaupt bei der Geburt sein dürfen. In vielen deutschen Kliniken gibt es beispielsweise keine Kompromisse: Da müssen schwangere Frauen die Geburt alleine bewältigen. Werdende Papas bleiben vor der Eingangstüre des Spitals stehen, müssen ihre Partnerinnen in der psychischen sowie physischen Ausnahmesituation alleine lassen und verpassen die ersten Atemzüge ihres Kindes. Damit wollen die betroffenen Kliniken die Patienten und das Pflegepersonal vor einer Coronavirus-Infektion schützen. Für die Ostschweizer Papas gibt es in dieser Diskussion längst eine gute und eine schlechte Nachricht. Zuerst die Good News: Sie dürfen ihre Frau in den Gebärsaal begleiten und bei der Geburt dabei sein. Aber: Danach dürfen sie ihre Partnerin und das Neugeborene auf der Wochenbett-Station nicht mehr besuchen.

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Der falsche Ort

Für mich persönlich wäre vor eineinhalb Jahren eine Welt zusammengebrochen, wenn man Ehemann bei der Geburt unserer Tochter nicht hätte dabei sein können. Ja, ich hätte das Kind auch ohne seine Unterstützung zur Welt gebracht. Aber psychisch wäre ich zusammengebrochen. Für mich war mein Mann der Ruhepol, der mir während 15 Stunden die nötige Energie schenkte. Und ja, ich bin der felsenfesten Überzeugung, dass die Papas im Gebärsaal eine sehr bedeutende – wenn auch die meiste Zeit passive – Rolle übernehmen. Aber sie beruhigen. Sie ermutigen. Sie lachen. Sie machen Witze. Sie atmen mit. Sie streicheln. Sie schenken Mut. Sie spornen das Durchhaltevermögen an. Sie ertragen. Sie leiden mit. Sie machen sich Sorgen. Und am Ende sind sie von den eigenen Gefühlen überwältigt. Sie weinen. Auch in ersten Tagen nach der Geburt war mein Ehemann eine wichtige Stütze für mich. Damit ich mich von allem, was ich im Gebärsaal erlebt habe, erholen konnte. Er war der Erste von uns beiden, der unsere Tochter gewickelt und umgezogen hat. Er war aber auch der erste Mensch, den unsere Tochter zuerst erblickte, als sie direkt nach Geburt in meinen Armen lag und blinzelte. Für meinen Mann, aber auch für mich, ein Moment für die Ewigkeit. 

Über die Wichtigkeit der Eindämmung des Coronavirus will ich in diesen Zeilen gar nicht diskutieren. Es ist wichtig, das Pflegepersonal und die Ärzte in den Spitälern zu schützen. Die Bevölkerung ist auf diese Menschen angewiesen. Und damit sie in dieser schwierigen Zeit weiterhin ihre Heldentaten vollbringen können, dürfen sie nicht angesteckt werden. Ich betone noch einmal: Ja, sie müssen geschützt werden. Aber: Der Gebärsaal und die Wochenbett-Station sind in den meisten Fällen die falschen Orte, um vollumfänglich verschärfte Massnahmen gegen das Virus einzuleiten. Ist es denn nicht möglich, die werdenden Väter vorgängig zu testen? Ich bin auch der Meinung, das infizierte Väter diese Situation dann so hinnehmen müssen. Aber den betroffenen Papas, die nicht infiziert sind, nimmt man unvergessliche Augenblicke weg, die man nicht einfach wiederholen kann. Auch nicht beim nächsten Kind. Denn jede Geburt, jede erste Begegnung mit einem Kind und die ersten Tage mit dem neugeborenen Familienmitglied sind einzigartig und wichtig. Nicht zu vergessen ist das sogenannte Bonding zwischen dem Säugling und dem Papa, das in den ersten Stunden und Tagen bei direktem Körperkontakt entsteht. Die Neugeborenen erkennen ihren Vater – neben der Mama – als weitere bedeutende Bezugsperson. Und die Väter bekommen in ihrer neuen Rolle gleich von Anfang an Selbstvertrauen und Sicherheit. 

«hallowil.ch»-Redaktorin Magdalena Ceak ist Mama einer eineinhalbjährigen Tochter. Auf ihrem Instagram-Profil «Lena liebt…» berichtet sie regelmässig über den Familienalltag und gibt Inspirationen für die Kinderzimmereinrichtung.