Liebe Kinder 

In den vergangenen Tagen hat sich unser Leben ziemlich verändert. Jeder einzelne von euch sieht bisher nur die Vorteile. Endlich keine Schule. Morgens länger schlafen. Mama und Papa sind plötzlich beide zu Hause. Ihr habt mehr Zeit mit ihnen – die Kleinen unter euch freuen sich darüber, die Teenager vielleicht weniger. Wahrscheinlich dürft ihr in den vergangenen Tagen mehr Fernsehschauen als sonst. Schoggi statt Früchte zum «Z’vieri». Basteln ohne Ende – Kartoffelstempel, Hasen-Figuren aus aufgebrauchte WC-Rollen. Eure Mamas und Papas haben wahrscheinlich die selbst auferlegten Regeln gebrochen. Ich sehe es bei mir selbst: Meine eineinhalbjährige Tochter geniesst im Moment totale Narrenfreiheit. Euch ist der Ausnahmezustand bestimmt schon aufgefallen. Denn euren Eltern ist im Moment alles egal. Hauptsache ihr habt Spass und gute Laune. Eure Eltern machen das, weil ihre Laune zwischendurch richtig schlecht ist. Aber ihr wisst sicher nicht, dass es nicht nur eine Laune ist. Es ist viel mehr. Unsicherheit. Überforderung. Kummer. Sorgen. 

Für euch sind wir die liebsten Mamas, die lustigsten Papas. Die zuversichtlichen Eltern. Und das soll auch so sein. Aber in dieser ausserordentlichen Zeit ist es für viele Mütter und Väter herausfordernd, gerade diese Eltern zu sein. Eigentlich ist es so schwierig wie noch nie. Denn viele sind einfach nur traurig. Traurig, weil ihnen die sozialen Kontakte fehlen. Traurig, weil sie sich mit euch draussen nicht mehr so frei bewegen können wie gewohnt. Traurig, weil die Schulen geschlossen sind und sie über eure zukünftige Bildung nachdenken. Traurig, dass Frühling ist und ihr euch nicht wie immer mit euren Freunden treffen könnt. Traurig, wenn sie an die bevorstehende Zeit denken. Traurig, weil sie teilweise nicht wissen, ob und wie es auf der Arbeit weitergehen wird. Sie sind aber auch traurig, wenn sie an den Sommer denken. Weil sie nicht wissen, ob und wie sich diese ungewöhnliche Zeit weiterentwickeln wird. In den vergangenen Tagen wurde einfach alles anders. Und genau das bricht uns Eltern das Herz. Dabei geht es nicht um uns. Sondern um euch und eure Kindheit. 

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Liebe Kinder, wir Mamas und Papas wünschen euch die allerbeste Kindheit. Eine Kindheit voller Freude. Grenzenloser Liebe. Unbeschwertheit. Und vor allem Freiheit. Aber gerade das alles spüren die Eltern nicht. Es ist eher Stress, Anspannung, Sorgen und Ungewissheit. Denn gerade in den vergangenen Tagen musstenn wir – trotz Narrenfreiheit Zuhause – euch vieles verbieten. «Nein, heute gehen wir nicht zum Spielplatz.» «Du kannst mit deinen Freunden nicht Fussballspielen.» «Bleib da stehen, halte Abstand.» «Oma und Opa können jetzt eine längere Zeit nicht kommen. Wir fahren auch nicht zu ihnen.» «Huste doch nicht so, bitte in den Ellbogen.» «Wir können deinen Geburtstag nicht mit deinen Freunden feiern.» Und genau das bricht jeder Mama und jedem Papa das Herz.

Neben dieser ganzen Anspannung und Unausgeglichenheit – weil nichts so ist, wie es bisher war – versuchen wir gleichzeitig zu arbeiten. So gut es eben geht. Wir führen lange Telefonkonferenzen mit unseren Arbeitskollegen. Und dabei müsst ihr still sein. Und ihr seid genervt. Vor allem die Kleinen unter euch. Und das zeigt ihr. Das wiedrum stresst uns. Dann sind wir genervt. Auch wenn ihr im Recht seid. Denn das alles sollte so nicht sein. Denn ihr verdient die volle Aufmerksamkeit. Sei das Zuhause, in der Kita, im Kindergarten oder in der Schule. Ihr sollt gefördert werden und das in allen Altersstufen. Alleine aus diesem Grund fällt die aktuelle Umstellung euren Eltern nicht leicht. Und sie machen das nicht absichtlich. Ich weiss das. Gerade diese Woche habe ich das Gleiche mit meiner knapp 18 Monate alten Tochter gemacht. Weil sie jetzt nicht in die Kita gehen kann, muss sie sich an das Homeoffice von Mama und Papa gewöhnen. Mama und Papa sitzen hinter dem Laptop und sie zieht an den Ärmeln und ruft: «Spielen.»

Seit den ersten verschärften Massnahmen ist nun etwas mehr als eine Woche vergangen. In dieser Zeit hat der Bundesrat die Vorschriften ganze drei Mal geändert. Und ein Ende ist nicht in Sicht. Wir stehen erst am Anfang. Wird das Ganze noch einen Monat dauern? Oder vier Monate? Oder sogar noch länger? Auch wenn ihr Schulschliessungen cool findet oder jetzt die Zeit zu Hause statt im Kindergarten geniesst – irgendwann werdet ihr euren Alltag vermissen. Und wir Mamas und Papas können euch das Ganze nicht so leicht erklären. 

«hallowil.ch»-Redaktorin Magdalena Ceak ist Mama einer eineinhalbjährigen Tochter. Auf ihrem Instagram-Profil «Lena liebt…» berichtet sie regelmässig über den Familienalltag und gibt Inspirationen für die Kinderzimmereinrichtung.