Es gibt eine Zeit in meinem Leben, von der ich heute erzähle, als steckte sie voller Glamour und Abenteuer. In dieser Zeit erkundete ich mit meinem Ehemann den Dschungel Kambodschas, machte eine Kajak-Tour vor der Küste der Kanalinseln, hüpfte auf den Seychellen von Insel zu Insel, wanderte mitten im Atlantik auf den Azoren und besuchte so einige Weltmetropolen. Ich reiste unbeschwert und konnte so ziemlich alles machen, was ich wollte. 

Klar, mit Kindern wird vieles schöner, einiges aber auch unschöner. Aber vor allem wird vieles anders. Wie eben das Reisen. Und Ferien mit Kindern sind definitiv anders. Gerade, weil viel Ungeplantes mit Kindern passiert. Hinzukommt, dass mein Ehemann und ich uns weigern, in ein klassisches Familienhotel zu gehen. Noch weniger würden wir All-Inclusive-Ferien, bei denen man gleich bei der Ankunft die Fress-Fesseln um das Handgelenk bekommt, buchen. Für uns wäre der unbegrenzte Zugang zu fettigen und kohlenhydrathaltigen Speisen keine Erholung. Schon gar nicht, wenn unsere Tochter in ein Alter kommt, bei dem wir mit ihr Diskussionen darüber führen müssten, dass das tägliche Verzehren von Pancakes nicht Bestandteil eines ausgewogenen Frühstücks sein kann oder das die fünfte Portion Glacé doch zu viel ist. Ausserdem brauche ich in den Ferien keine Kinderbetreuung für meine zehn Monate alte Tochter – ich würde sie auch bei keinem Hotelpersonal einfach so abgeben, um mir einen schönen Tag am Pool zu machen. Denn ich bin der Überzeugung: Wenn man Mama und Papa ist, gehört der Nachwuchs einfach überall dazu. Auch in den Ferien. Ich persönlich möchte in den Ferien Zeit mit meiner Tochter verbringen. Mit ihr spielen, baden und sie bespassen. Und da würden mich die ganzen Animatoren in den Familienhotels unglaublich nerven. 

Und der Hauptgrund warum wir Familienhotels aus dem Weg gehen: andere Eltern. Richtig gelesen, unsere Gleichgesinnten. Also jene Menschen, denen es eigentlich gleich wie meinem Ehemann und mir geht. Dieses Jahr sind wir das erste Mal zu dritt in die Ferien gefahren. Wir haben verschiedene Boutique-Hotels in unserem Heimatland Kroatien gebucht. Um eben einer Masse an Familien mit Kleinkindern nicht zu begegnen. Natürlich gab es auch da Paare mit einem oder mehreren Kindern. Aber es ist nicht der Nachwuchs, der nervt. Nein, die Mamas und Papas sind das Problem. Mir persönlich sind drei verschiedene Arten von Eltern aufgefallen. Da sind einerseits die frustrierten Elternpaare, die wie Geister am Buffet ihr Frühstück auf dem Teller häufen und lustlos am Tisch sitzen. Und wenn der Nachwuchs zu laut ist, wird dieser mit einem bösen Blick ruhig gestellt. Die unmotivierten Gesichter verderben einem schon beim Frühstück die Laune. Dann gibt es die Eltern, die penetrant den Blickkontakt zu anderen Mamas und Papas suchen, um einen Small-Talk beginnen zu können. Das sind dann die, die zu jeder Erziehungsfrage einen Ratschlag haben. Und nicht zu vergessen sind die Eltern, die ausschliesslich am Pool liegen wollen und vom Liegestuhl das Kind anschreien, wenn es etwas macht, das es nicht sollte. Aufstehen, um mit dem Kind zu spielen oder es zu bespassen, ist bei ihnen Fehlanzeige. Jetzt im Ernst, das Gebrülle der Eltern ist nervtötender als die kreischenden Kinder im Wasser.

Ferien mit Kindern kann man planen, oder doch nicht?

Ich bin ganz ehrlich: Unsere ersten Ferien als Familie waren wunderschön. Aber sie waren auch ziemlich anstrengend. Nun brauche ich schon fast Ferien von den Ferien. Alles beginnt damit, dass Kinder während den Familienferien anders als zu Hause sind. Der Weg bis zum Reiseziel, die neue Umgebung, das veränderte Klima – das alles hat einen grossen Einfluss auf die Kleinen. Unsere zehn Monate alte Tochter, die sonst ein sehr ausgeglichenes Kind ist, konnte in den ersten Tagen nicht ruhig im Reisebett einschlafen. Nicht einmal die gewohnten Gute-Nacht-Rituale oder «Lalelu» in Dauerschleife konnte da helfen. Und dann steckte sie zum Ferienbeginn zusätzlich mitten in einem Entwicklungssprung. In der Phase der Gewitterwolke – wer das Buch «Oje, ich wachse!» von Hetty van de Rijt kennt, weiss wovon ich rede. Also haben wir den Zeitpunkt der Auszeit schon einmal falsch gewählt. Kaum war die Woche mit dem stürmischen Entwicklungsschub vorbei, zahnte die Kleine. Hatten wir bisher keine Probleme mit dem Durchbrechen der Zähne, war das in den Ferien natürlich anders. Da haben sich gleich zwei Zähnchen auf den Weg gemacht. Neben den Zahnschmerzen war das Immunsystem der Kleinen extrem geschwächt. Also bekam sie ein hohes Fieber. Einmal hatten wir 39,5 Grad gemessen. Und so haben wir mehr Zeit im Hotelzimmer als anderswo verbracht. Mehrere Ausflüge mussten gestrichen werden. Und wenn wir mal am Strand waren, wollte sie nur auf meinen Armen schlafen. 

Post inside


Nicht mehr ohne sie

Ja, Ferien mit Kindern sind anders. Sie sind vielleicht nicht mehr so abenteuerlustig und unbeschwert wie in unserer kinderlosen Zeit. Aber sie sind trotzdem aufregend und unbezahlbar. Denn auch in den Ferien zeigen uns unsere Kinder, worauf es im Leben wirklich ankommt: Nämlich auf die Zeit, die man mit seinen Liebsten verbringt. Man sitzt vielleicht nicht mehr gemütlich am Pool der gebuchten Privatvilla auf den Seychellen. Aber dafür steckt man kleine Füsschen das erste Mal ins Meer und bekommt dafür ein fröhliches sowie kreischendes Kinderlachen. Auch wenn ich meine Fernreisen von früher auch ein bisschen vermisse, könnte ich nie Ferien ohne unsere Tochter machen. Ausserdem ist es Abenteuer genug, wenn man zwei riesige Koffer voller Kleidung, einen kleinen Koffer nur mit Spielsachen, eine Tasche mit Milchpulver, Windeln, Feuchttücher sowie Griessbrei und ein UV-Zelt für den Strand in ein Auto stopfen muss.

Täglich berichtet «hallowil.ch»-Redaktorin und Mama Magdalena Ceak auf ihrem Instagram-Profil über den Familienalltag und gibt Inspirationen für die Kinderzimmereinrichtung.