Ob ich als Mama Angst vor dem Coronavirus habe? Nein. Aber ich habe Respekt. Respekt vor der ganzen Entwicklung. Respekt vor dem Ausmass. Respekt vor dem, was uns noch bevorsteht. Respekt vor dem, wie wir Menschen auf die Massnahmen und Einschränkungen reagieren. Deshalb macht es mich mittlerweile wütend, wenn ich meine Tochter in die Kita bringe und eine andere Mama laut höre: «Das ist alles Panikmacherei der Medien. Es ist ja wie eine normale Grippe, bei der ja auch Menschen sterben können.» Innerlich schüttle ich nur den Kopf und frage mich: Was wäre denn die Alternative für uns Journalisten? Das aktuelle Thema Nummer 1 totschweigen? Die Augen vor dem verschliessen, was der Bundesrat sagt, empfiehlt und fordert? Natürlich soll keine Hysterie ausbrechen. Aber es muss über Fakten gesprochen werden. Klar und deutlich. 

Seit Beginn der Epidemie ist klar, dass besonders eine Risikogruppe gefährdet ist: Menschen ab 65 Jahren und Menschen mit schweren Erkrankungen wie beispielsweise Diabetes, Herz-Bluthochdruck, Kreislauferkrankungen, chronische Atemwegserkrankungen. «Wir sollten bis September oder Oktober die Kinder nicht mehr zu Oma und Opa geben, sondern stattdessen für Oma und Opa einkaufen. Wenn man das nicht ernstnimmt, muss man davon ausgehen, dass 20 bis 25 Prozent dieser Personen sterben werden.» Dieser Satz des Virologen Christian Drosten hat mich diese Woche schockiert. Heute bin ich davon überzeugt: Um eine hohe Todesrate in der Schweiz zu verhindern und auch das Gesundheitssystem nicht zum Kollabieren zu bringen, gilt es nun, Risikogruppen ganz besonders zu schützen. Und das sollte jetzt jeder Einzelne tun. Solidarität wird jetzt grossgeschrieben. Und sollten wir die eigenen Bedürfnisse zwischendurch hinten anstellen. 

Ich war schon immer der Meinung – auch vor der ganzen Coronavirus-Thematik –, dass angeschlagene und kranke Kinder nicht in eine Kindertagesstätte gehören. Kranke Kinder brauchen dann Ruhe, Entspannung und ihr Zuhause. Deshalb habe ich im Grippen- und Krankheitsfall meine eineinhalbjährige Tochter nie in die Kita gebracht. Aber nicht nur darum. Es geht dabei nicht nur um mein Kind, sondern auch um andere Kinder. Es gibt Mädchen und Jungs, die kein starkes Immunsystem, einen Herzfehler oder eine andere Erkrankung haben. Und diese gilt es nun einmal zu schützen. Mit einer «Schnudernase», einem Husten und hohem Fieber greift man das geschwächte Immunsystem eines solchen kleinen Menschen an. Aus Respekt zu diesen Kindern und dessen Umfeld bleibt meine Tochter zu Hause. Und in Bezug auf das Coronavirus müssen wir solidarisch sein und uns alle zusammen einschränken. In unserem Alltag. In unseren Ritualen. In unserer Freiheit. Denn es geht um uns alle und es betrifft uns alle. 

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Eine Krise wird ausgelöst

Natürlich sind wir Menschen Gewohnheitstiere. Das Übliche, das Gewohnte gibt uns Sicherheit. Und Grosseltern geht es da nicht anders. Wenn sich Grössmütter oder Grossväter regelmässig um ihre Enkelkinder kümmern und Zeit mit ihnen verbringen, dann fühlen sie sich gebraucht. Einerseits geniessen sie die Zeit mit der Enkelin oder dem Enkel, weil sie die Zeit zur Verfügung haben, die sie bei den eigenen Kindern nicht hatten. Andererseits wollen sie den berufstätigen Eltern unter der die Arme greifen und sich um deren Nachwuchs kümmern. 

Nun befinden wir uns aber in einem Ausnahmezustand – Schulen werden geschlossen, Unternehmen melden die Kurzarbeit, Arbeitnehmer gehen ins Homeoffice, Veranstaltungen werden gestrichen. Und älteren Menschen wird geraten, ihre sozialen Kontakte einzuschränken und sich von der Familie fernzuhalten. Vor allem von den Enkelkindern. Zu ihrem eigenen Schutz. Das raten Behörden und Gesundheitsexperten. Trotzdem verunsichert gerade diese aktuelle Situation die betroffene Risikogruppe. Und so kommt es jetzt bei vielen Familien zu einer Krise und Diskussionen. 

Viele engagierte und aktive Grosseltern wollen von der aktuellen Coronavirus-Krise und den Ansagen der Behörden nichts wissen. Sie bieten ihre Hilfe an, und anders als sonst werden sie abgewiesen. Aber ungewöhnliche Umstände erfordern ungewöhnliche Massnahmen. Mein Ehemann und ich haben beschlossen, dass wir in nächster Zeit vor allem mit seinen Eltern auf Abstand gehen. Seine Mama hat seit Jahren ein geschwächtes Immunsystem. Sein Papa hatte erst vor Kurzem einen Herzinfarkt. Denn im Falle einer Infektion mit dem Coronavirus steigt die Sterblichkeit mit dem Alter stark an. Genau das können wir Eltern verhindern, indem wir uns strikt zurückziehen. Egal, wie sehr Oma und Opa ausrufen. Schlussendlich machen wir es aus Liebe. 

«hallowil.ch»-Redaktorin Magdalena Ceak ist Mama einer eineinhalbjährigen Tochter. Auf ihrem Instagram-Profil «Lena liebt…» berichtet sie regelmässig über den Familienalltag und gibt Inspirationen für die Kinderzimmereinrichtung.