Liebe Kita-Mitarbeiter, ich gebe es zu, vor der Eingewöhnung meiner einjährigen Tochter in eurer Kindertagesstätte war ich skeptisch. Ich hatte ehrlich gesagt Bedenken. Obwohl ich bei der Anmeldung überzeugt war, dass der soziale Kontakt zu anderen Kindern für sie wichtig ist, kamen plötzlich diese Fragen: Ist Fremdbetreuung überhaupt gut? Haben mein Ehemann und ich uns richtig entschieden, sie vier halbe Tage in die Kita zu bringen? Ist es doch zu früh? Gehört das Kleinkind – wie viele wissenschaftliche Studien belegen – bis zum dritten Lebensjahr nicht zu seiner Mutter? Schauen die auch richtig zu meinem Kind? Bekommt sie dann zu wenig Nähe?

Kita-Mitarbeiter haben eine lange To-Do-Liste

Heute weiss ich es besser: Ihr, liebe Kita-Mitarbeiter, seid wahre Helden. Ihr spielt mit den Kindern. Ihr geht auf Augenhöhe. Ihr erklärt. Ihr tröstet. Ihr zeigt wichtige Regeln auf. Ihr erzieht. Ihr füttert. Ihr wickelt. Ihr putzt triefende Nasen. Ihr schlichtet Streitereien. Ihr geht auf Wünsche und Ideen ein. Ihr bastelt. Ihr baut Türme mit Klötzen. Ihr malt. Ihr schenkt Aufmerksamkeit. Die Liste mit euren guten Taten ist endlos lang.

Und ihr habt eine riesige Verantwortung – und das nicht nur für ein einziges Kind. Kein Kind darf sich in eurer Obhut verletzten und schon keines verloren gehen. Jedes Kind muss in die eingeteilte Gruppe miteinbezogen werden, denn jedes soll sich wohl fühlen. Jedes Kind soll glücklich sein. Nebenbei müsst ihr jede Allergie beachten, betroffenen Kindern wichtige Medikamente verabreichen. Jedes Kind wird nach Alter und Entwicklungsstand gefördert. Ja, eure Verantwortung ist riesig.

Ihr tragt nicht nur diese grosse Verantwortung und seid für die sinnvolle Beschäftigung der Kinder zuständig – nein, ihr leistet noch viel mehr. Ihr geht mit den Kindern nach draussen. Ihr zeigt den Kindern die Welt, indem ihr mit ihnen auf dem Spielplatz herumspringt, Blätter sammelt, Schneemänner baut. Ihr spielt «Verkäuferlis», erzählt Geschichten und liest aus Büchern vor. Zu jedem Zeitpunkt wisst ihr, was ein Kind gemacht hat und wie viel es gegessen hat. Und ihr kümmert euch darum, dass kein Kind zu lange schläft, damit jedes nach der Kita noch den Mittagsschlaf macht oder am Abend früh ins Bett gehen will – so haben wir Eltern mehr Freizeit.

Die grosse Gratwanderung

Liebe Kita-Mitarbeiter, ich bewundere euch. Für eure Geduld. Für euer Einfühlungsvermögen. Für eure Freundlichkeit. Jeden Tag überlegt ihr euch, wie ihr altersdurchmischten Gruppen beschäftigt. So spielt ihr stundenlang mit Lego, veranstaltet ein Theater mit verschiedenen Rollenspielen und ihr malt. Ihr habt eine Geduld, die wir Eltern wahrscheinlich nie haben werden. Im Austausch mit den Eltern findet ihr immer den richtigen Ton. Ihr bleibt immer freundlich. 

Post inside

Für die meisten Frauen endet der Mutterschaftsurlaub nach 14 Wochen. So kümmert ich euch bereits um knapp vier Monate alte Babys. Ihr seid nicht nur für die Säuglinge da, sondern tröstet auch die Eltern, die es schmerzt, ihre Kinder so früh in die Kinderbetreuung geben zu müssen. Ihr schenkt den Babys Nähe, seid aber auch für die grösseren Kinder da, die auch mal Aufmerksamkeit brauchen.

Ihr müsst viel schweigen. Denn kaum eine Mama oder ein Papa fragen euch nach eurer Meinung. Ihr müsst ehrlich zu uns Eltern sein, dürft unsere Kinder aber nicht kritisieren – egal, wie anstrengend ein Kind ist. Und uns dürft ihr auch nicht kritisieren, denn wir bezahlen euch für diese Dienstleistung. Ihr sagt nichts, wenn Eltern ein Kind mit einem Ausschlag, Magendarmgrippe, Husten oder Durchfall in die Kita bringen. Ihr schweigt auch, wenn sich die gleichen Eltern darüber beklagen, dass ihr Kind seit dem Kita-Eintritt ständig krank ist. Für euch ist es wiederum normal, dass ihr regelmässig krank seid – schliesslich seid ihr umgeben von Bakterien und Viren. Ihr wartet geduldig, wenn ein Kind zu spät abgeholt wird.

Aber ihr müsst nicht nur unsere Kinder fördern und uns beeindrucken – nein, ihr müsst euch auch im Team beweisen und miteinander klarkommen. Mit dem Team müsst ihr verschiedene Ziele erreichen. Denn heute legen unzählige Schweizer Kitas einen Wert auf Qualitätsmanagement. Und der Standard der Kitas und die Erwartungen an diese werden immer höher. Ihr kennt euch gut mit Sparmassnahmen aus und ihr geht Überstunden nicht aus dem Weg.

Danke für alles

Ich habe grossen Respekt vor euch, eurer Leistung und den Herausforderungen vor denen ihr täglich steht. Danke für das, was ihr für mein Kind tut. Aber auch für meinen Ehemann und mich. Meine Skepsis und meine Bedenken habe ich komplett abgelegt. Wenn ich jedes Mal sehe – wenn ich meine Tochter in die Kita bringe –, wie ihr sie in die Arme nehmt und wie sie sich mit einer Freude von mir verabschiedet, dann gebt ihr mir eine grosse Portion Sicherheit. Und ich weiss, dass unsere Entscheidung goldrichtig war. Und wenn ich bei der Abholung teilweise sehe, wie müde und glücklich sich meine Tochter an euch kuschelt und mich mit einem strahlenden Lächeln empfängt, dann sorgt ihr dafür, dass mein Herz hüpft. Liebe Kita-Mitarbeiter, Danke für das alles. 

Täglich berichtet «hallowil.ch»-Redaktorin und Mama Magdalena Ceak auf ihrem Instagram-Profil über den Familienalltag und gibt Inspirationen für die Kinderzimmereinrichtung.