Ich sitze mit meiner neun Monate alten Tochter am Rand des Kleinkinderschwimmbeckens im Freibad. Da fällt mir diese Mama auf dem gegenüberliegenden Beckenrand auf. Sie hat ihr langes schwarzes Strandkleid bis zu den Knien hinaufgezogen, damit sie ihre Füsse ins Wasser stecken kann. Sie schaut ihrer etwa drei Jahre alten Tochter beim Spielen im Kinderbecken zu. Dann schwimmt das kleine Mädchen zu ihr und gleitet wie ein Goldfisch im Wasser hin und her. Sie hüpft und lacht. Hat sichtlich Spass. Als sie ihren Kopf auf den Schoss ihrer Mama legt, streichelt diese dem Mädchen über den Kopf. Das Mädchen horcht auf und sagt etwas zur Mutter. Ich höre nicht, was sie sagt. Aber ihre Geste zeigt, dass sie ihre Mama bittet mit ihr ins Wasser zu kommen. Die Frau schüttelt nur den Kopf und zeigt auf ihr Kleid. Das fröhliche Kleinkind versucht es immer wieder. Aber die Mama bleibt hartnäckig, steht irgendwann auf und legt sich sichtlich frustriert auf ihre Sonnenliege und schaut der Tochter beim Planschen zu.

Mamas sind auch für Bodyshaming verantwortlich

Im Ernst? Weiss diese Mama nicht, was sie damit alles verpasst? Das sind wertvolle Momente, die sie mit ihrer Tochter nicht teilt. Und das nur, weil sie wohlgerundet ist und ein paar Kilos zu viel auf den Rippen hat. Aber ganz ehrlich: Sie braucht sich nicht für ihren Körper zu schämen. Schon gar nicht als Mama. Die gesellschaftlichen Vorstellungen, wie eine Frau nach einer Geburt auszusehen hat, sind Schuld dafür. Und nicht zuletzt sind auch wir Mamas dafür verantwortlich. Denn wir lassen es zu.

Deshalb appelliere ich an alle Frauen mit Kindern: Liebe Mamas, hört doch bitte damit auf, euch zu verstecken, euch für eure Schwangerschaftskilos zu rechtfertigen, euch für euren Körper zu schämen. Ok, ihr seid vielleicht nicht die Frau mit dem Strandkleid am Beckenrand. Aber wenn ihr ehrlich seid, dann wisst ihr, dass ihr euch schon oft in einer ähnlichen Situation befunden habt. Und das nur, weil euer Stillbusen es euch schwer macht, keinen runden Rücken zu machen. Weil euer Gesäss seit der Schwangerschaft platt ist. Weil ihr eure Schwangerschaftsstreifen als etwas Hässliches empfindet. Weil ihr euren Bauch als zu weich und wabbelig findet. Weil ihr eure Dellen am Oberschenkel nicht sehen wollt. 

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Mamas vergessen viel zu oft, warum ihr Körper so aussieht, wie er eben aussieht: Sie haben während neun Monaten einem kleinen Wunder ihren Körper zur Verfügung gestellt, damit es wachsen und sich entwickeln kann. Ich persönlich nenne es: Liebe im Bauch. Bereits während der Schwangerschaft stellt eine werdende Mutter, ihre Bedürfnisse in den Hintergrund. Es geht alleine um das Wohlbefinden des Neugeborenen. Liebe Mamas, alleine deshalb solltet ihr euren Körper lieben, anstatt ihn zu verfluchen. Wie wollt ihr einen perfekten Körper haben, wenn ihr schlaflose Nächte habt, euch den ganzen Tag um eure Babys und Kleinkinder kümmert, den Haushalt schmeisst und abends euren Partnern Aufmerksamkeit schenkt? Ihr wisst, wie oft ihr nachts totmüde ins Bett fallt und eben nicht noch um 21 Uhr ins Fitnessstudio rennt.

Sich nicht aufs Äussere reduzieren lassen

Wieso sind wir nicht einfach stolz auf unseren Körper, der während neun Monaten Unglaubliches leisten musste und am Ende einen kleinen Herzmenschen auf die Welt brachte? Warum lassen wir uns von anderen – und sehr oft von unserem engsten Umfeld – auf unser Äusseres und Oberflächlichkeiten reduzieren? Das mag auch daran liegen, dass überall, sowohl auf den Titelblättern am Kiosk als auch auf den sozialen Medien, den Frauen Tipps für den perfekten Bikinibody gegeben werden. Den Mamas wird heute eingetrichtert, dass sie möglichst schnell ihren Vorher-Körper erlangen müssen. 

Jede Frau, jeder Körper und jede Schwangerschaft sind anders. Während die einen Mamas in der Schwangerschaft über 30 Kilogramm zunehmen und nach der Geburt mit den Schwangerschaftskilos kämpfen, nehmen andere Mamas knapp zehn Kilogramm während neun Monaten zu und sehen danach wie Models aus. Und dann gibt es auch Mamas, die nach der Schwangerschaft an Gewicht zulegen. 

Es ist doch viel wichtiger, dass man ein gesundes Körpergefühl entwickelt, sich nicht gehen lässt, sich genügend bewegt und sich ausgewogen ernährt. Und irgendwann, wenn die Kinder grösser sind und man als Mama wieder mehr Zeit für sich hat, dann werden auch die Kilos purzeln. Also liebe Mamas: Zieht eure Bikinis an, hüpft mit euren Kindern im kühlen Wasser und schenkt ihnen Augenblicke für die Ewigkeit. 

Täglich berichtet «hallowil.ch»-Redaktorin und Mama Magdalena Ceak auf ihrem Instagram-Profil über den Familienalltag und gibt Inspirationen für die Kinderzimmereinrichtung.