In meiner letzten Kolumne habe ich über eine Horrorszene berichtet, in der ich als Mama total überfordert war. Es war ein Moment in der ich am liebsten meine ganze Erziehung hingeschmissen hätte. Aber Hand aufs Herz: Zum Glück überwiegen die schönen Augenblicke mit einem Kind. Denn diese Momente sind pures Glück. Und deshalb werden die schreienden Trotzanfälle in aller Öffentlichkeit schnell wieder vergessen. Sonst würden sich Männlein und Weiblein ja nie noch für ein zweites, drittes oder viertes Kind entscheiden. In diesen schönen Augenblicken weiss man genau, warum man sich für ein Kind entschieden hat. Einer dieser grenzenloser Glücksmomente – die ich nun mein Leben lang im Herzen tragen werde – passierte mir erst kürzlich: Meine Tochter lag bereits zum zweiten Mal innerhalb von neun Tagen wegen einer obstruktiven Bronchitis im Kinderspital. Weil sie Atemnot hatte und wegen einer sehr tiefen Sauerstoffsättigung eine Sauerstoffmaske brauchte, musste sie stationär aufgenommen werden. Eine Erlebnis bei dem sie stark sein musste, und ich noch viel mehr. Denn es tat weh, das eigene Kind so leiden zu sehen.

Es war Mittwochnacht gegen 23.50 Uhr als wir nach stundenlangen Untersuchungen und einem weiteren Corona-Test ins Stationszimmer durften. Meine Tochter lag völlig erschöpft auf dem Bett. Es folgte eine schlaflose Nacht: Die Kleine hustete die ganze Zeit, musste stündlich inhaliert werden und ihr wurde zwei Mal Blut abgenommen. Sie litt und ich mit ihr. So sass ich auf diesem Krankenbett, meine zweijährige Tochter im Arm, die sich vor Schmerzen krümmte, weil sie so schwer aus dem Bauch atmete und sie die Sauerstoffmaske – ohne die sie nicht auskam – störte.

Dann kam am nächsten Tag eben dieser besagte Glücksmoment: Während der Visite sass meine Tochter auf dem Bett, spielte mit der behandelnden Ärztin, liess sich ohne grosses Theater untersuchen, inhalierte ihre Medikamente vorbildlich. Als die Ärztin und Pflegefachfrauen das Zimmer verliessen, sagte meine Zweijährige sichtlich müde: «Mami, schlofa goh.» So als hätte sie gemerkt, dass ich völlig erschöpft war und mich wenigstens nach einer Stunde Schlaf sehnte. Ich machte es uns so gut wie möglich gemütlich. Meine Tochter kuschelte sich an mich, umarmte mich, gab mir einfach so einen Kuss und sagte mit ihrer hohen Stimme: «So schön Mami.» Dieser Moment. Ach. Mein Mamaherz schmelzte. Genau solche Momente machen mich stärker als ich geglaubt habe zu sein. Sie machen mutiger. Sie machen mich zuversichtlicher. Positiver. Und ja glücklicher – so dass es sich nicht mit Worten beschreiben lässt.

Ein Kind schenkt vor allem Emotionen

Ich bin beschenkt. Mit einem liebenswürdigen Wunder. Und genau das spüren Mamas und Papas, wenn sie solche Momente mit ihren Kindern erleben. Seien das Augenblicke in der man die Nähe des Kindes spürt, mit ihnen einen Meilenstein erlebt oder einfach mit ihnen lacht. Das Lebensfreude pur. Solche Augenblicke machen dankbarer. Bodenständiger. Unkomplizierter. Denn ein Kind haben zu dürfen, es auf seinem Lebensweg begleiten zu dürfen – das ist ein unfassbares Privileg. Und noch ein grösseres Glück. Denn Kinder sind unser Antrieb. Sie sind unsere Inspiration. Sie machen uns neugieriger. Vielseitiger. Abenteuerlustiger. Weiser. Tiefgründiger. Reifer. Sie machen uns emotionaler. Und wie sie das tun. Ich war beispielsweise schon immer nahe am Wasser gebaut, aber seit ich Mama bin, weine ich ständig. Vor Glück. Vor Freude. Vor Stolz. Vor Überforderung. Vor Angst. Vor Sorge. Und ich weine noch mehr, wenn dann meine Tochter zu mir kommt, mir die Tränen wegwischt und fragt: «Was isch los Mami?» Mit einem Kind wird man feinfühliger. Grosszügiger. Empathischer.

Das lösen Kinder aus

Kinder füllen das Leben ihrer Eltern bis an den Rand aus. Kein Tag ist wie der andere. Und kein Tag ist langweilig. Ein Tag kriegt mit jedem Kind eine zusätzliche Stunde. Und wieder eine Stunde weniger. Kinder sind eine Quelle. Pur und rein. Fortlaufend. Nicht zu stoppen. Und immer verzeihend. Als Mama oder Papa liebt man seine Kinder. Und sie lieben uns. Sie lieben uns mit einer Unbedingtheit, die in uns Kräfte freisetzt, von denen ich nichts wussten. Wir Eltern wollen unsere Kinder glücklich machen. Wir wollen ihrem Vertrauen und noch mehr ihrer Liebe gerecht werden. Wir wollen sie beschützen. Verteidigen. Erziehen. Begleiten. Stärken. Ermutigen. Wir wollen, dass ihre Kindheit heil ist, ihre Herzen ungebrochen, ihr Wesen ungetrübt. Weil wir sie lieben – mit jeder Faser unseres Körpers. Denn sie bereichern unser Leben. Ob Kinder glücklich machen, lautet ja die Frage. Meine Antwort: Wie könnten sie es nicht? 

Bedeutend Kinder nun das absolute Glück?

Ob man das Glück im Kinderkriegen suchen müsste? Ich weiss es nicht.  Das muss jeder für sich herausfinden und wissen. Aber es bedeutet bestimmt nicht, dass Frauen und Männer, die keine Kinder wollen oder die keine Kinder bekommen können, unglücklicher sind. Schliesslich bedeutet die Suche nach dem Glück für jeden Menschen etwas anderes: Während der eine ein Kind als das wahre Glück empfindet, ist es für einen anderen die Karriere oder wieder für andere Reichtum. Glück lässt sich nun einmal nicht im Allgemeinen definieren, sondern ganz individuell.

An dieser Stelle kann ich nur für mich und meine Erfahrungen reden. Ein Kind zu bekommen, es zu begleiten, ist etwas Grosses. Von Anfang an. Anders, als man erwartet. Es ist zu Beginn ungewohnt. Neu. Berührend. Unbeschrieben. Verletzlich. Es ist ein unbeschreibliches Wunder. Aber ein Kind zu haben, ist auch – und das muss ich als gebürtige Kroatin schon fast so vergleichen – wie das Meer. Es ist unberechenbar. Stark. Weit. Tief. Wild. Unergründlich. Geheimnisvoll. Tröstend. Unendlich. Hinreissend. Wunderschön. Unbezahlbar.