Die Instagram-Story von Mia de Vries hat mich zutiefst berührt. Extremst sogar. Die Nachricht darin hat mich so sehr aufgewühlt, dass ich mehrere Anläufe gebraucht habe, bis ich mir die mehrminütige Story komplett anschauen konnte. Danach war ich so neben der Spur. Ich musste oft weinen, wenn ich nur ihre Geschichte gedacht habe. Nein, ich kenne Mia nicht persönlich. Und doch kenne ich sie. Irgendwie. Zumindest über Instagram. Ich folge ihr schon eine Weile. Mia ist 29 Jahre alt. Sie ist eine Ehefrau. Mama eines bald vierjährigen Jungen. Mutter zweier Sternenkinder. Und seit drei Jahren lebt sie mit der Diagnose Krebs. Warum ich ihr diese Kolumne widme? Nicht nur, weil erst vor Kurzem Weltkrebstag war. Vor allem, weil Mia eine unglaublich starke und authentische Frau ist. Denn ganz offen und ohne Zensur erzählt Mia in dieser einen Story, wie es aktuell um sie steht. Nur so viel: Es sieht nicht gut aus für die junge Mutter. «Das wars für mich», sagt sie direkt und versucht sichtlich nicht zusammen zu brechen. «Ich spüre, wie das Leben aus mir fliesst», sagt sie. Für sie sei die Zeit gekommen, Abschied zu nehmen. Von Instagram. Von ihren Followern. Von ihrer Familie. Von ihren Freunden. Von ihrem Leben. Von allem. Für immer. Und jetzt kann sie nichts anderes tun, als die letzten Tage ihres Lebens so schön wie möglich zu verbringen. In ihrer Story, die sie in ihren Story-Highlights unter dem Titel «evermore» abgespeichert hat, redet sie so tapfer. Und sie macht das so wundervoll, dass es einfach jeden berührt. Denn die junge Mutter setzt damit ein Zeichen. Gerade weil sie in den letzten Jahren immer wieder über das Thema Vorsorge geredet hat.

Mia de Vries ist unheilbar krank. Kurz nach der Diagnose Brustkrebs wurden ihre Überlebenschancen auf gerade Mal drei Prozent geschätzt. Und damals – das war kurz vor dem ersten Geburtstag ihres Sohnes, sei eine Welt für sie zusammengebrochen. Seit dem Jahr 2017 haben sich Metastasen in Lymphen, Hirn und Lunge ausgebreitet. Nach der Diagnose sagte der behandelnde Arzt zu ihr, dass sie mit dem Rücken zur Wand stehe, aber die Wand sei noch weit weg. Das war eben vor zwei Jahren und neun Monaten. Während dieser Zeit nahm die Bloggerin ihre Follower auf ihre Reise mit: Sie teilte regelmässige Updates und berichtete über die Chemotherapien. Ganz nah und unverblümt lässt sie ihre Follower, sie nennt sie ihre «Lieblingsfremde», an ihrem Leben mit dem Krebs teilhaben. 

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Wie sagt man Kindern, dass Mama sterben muss?

Ein Thema, dass Mia in ihrer letzten Story ebenfalls anspricht: «Wie sagen wir unserem Sohn, dass ich bald für immer weg bin?» Ein Moment, der mich besonders berührt hat. Wenn Eltern Krebs bekommen und unheilbar krank sind, dann ist das schon schlimm genug. Denn sie müssen sich mit Themen wie Abschied und Tod beschäftigen. Das andere – und das ist wohl für betroffene Mütter und Väter das Schwierigste – ist, die Kinder zurückzulassen und nicht mehr für sie da sein zu können. Für mich eine herzzerreissende Vorstellung. «Er muss verstehen, dass ich nicht einfach wie in den Ferien abwesend bin», ist Mia de Vries überzeugt. Der Vierjährige dürfe nicht davon ausgehen, dass seine Mama irgendwann wiederkomme. Trotzdem möchte die 29-jährige Mama nicht, dass ihr Sohn sie vergesse. Aus diesem Grund hat sie für ihn Geburtstagskarten bis zum 21. Lebensjahr vorgeschrieben und unzählige Fotoalben mit gemeinsamen Familienfotos gestaltet. Welche Kraft und positive Entschlossenheit eine Mama dafür haben muss, kann ich mir nicht vorstellen. Aber ich bewundere sie dafür.

Aber wie sagt man nun einem Vierjährigen, dass Mama sterben muss? Und genau diese Aufgabe steht Mia de Vries und ihrem Ehemann Michel de Vries nun bevor und die muss besonders viel Stärke benötigen. Nur wenige Tage nach ihrer Verabschiedung postet Mias Ehemann auf seinem Instagram-Kanal, wie sie dem kleinen Jungen die ausweglose Situation erklären. «Heute Abend war es soweit. Der erste Teil unserer traurigen Aufklärung für Levi bestand darin, ihm ein Kinderbuch vorzulesen: 'Wie mag's denn wohl im Himmel sein?’», schreibt der Ehemann und Papa. Gemeinsam versuchen sie ihren Sohn so spielerisch wie möglich an das schwierige Thema Tod heranzuführen und sprechen von einem neuen Abenteuer im Himmel, wo auch schon Levis Oma lebt. Wer selbst Kinder hat, kann sich nur ansatzweise vorstellen wie schwer diese Aufgabe für Mia und ihren Ehemann ist. Michel de Vries erzählt, dass Levi versteht, was seine Eltern ihm erzählen. «Levi legte sich an ihr Herz und wurde ganz still: 'Mama, ich will das nicht!' Wir mussten uns sehr zusammenreissen und versuchten, auf Oma Rosis Abenteuer im Himmel zu lenken».

«Verteilt Liebe. So viel ihr könnt»

In dieser letzten Nachricht an ihre 168 000 Follower hat sich Mia de Vries entschieden, besonders ein Thema anzusprechen: Liebe. Sie bedanke sich bei allen, die mit ihr diesen Weg gegangen sind. «Ich weiss nicht, wie ich die letzten drei Jahre ohne die Liebe geschafft hätte», so die 29-Jährige. Das Ende ihrer Botschaft erdet so manchen Menschen: «Verteilt Liebe. So viel ihr könnt. Und seid lieb zueinander.» Damit will sie sagen, dass wir Menschen grundsätzlich netter zueinander sein sollten. Mehr Verständnis für einander haben, nicht immer gleich verurteilen und allem voran müssten wir verzeihen. Denn jeder Mensch trage ein Päckchen mit sich und handle je nach Situation. 

Auf ihrem Instagram-Profil berichtet «hallowil.ch»-Redaktorin und Mama Magdalena Ceak über den Familienalltag und gibt Inspirationen für die Kinderzimmereinrichtung.