Kaplan Karl Wenzinger, der die Messfeier zelebrierte, gestattete Natalie Brägger anstelle einer Predigt einen ausführlichen Rückblick auf das Leben ihres Grossonkels vorzutragen. Kurt Kretz wurde 1942 in Lenggenwil geboren und wuchs dort in der Grossfamilie des Käsers Alois Kretz mit acht Geschwistern auf. Nach dem Besuch des Gymnasiums Appenzell entschloss er sich, Priester zu werden. Er absolvierte sein Theologiestudium in Innsbruck, Rom und Madrid. Dort hörte er ein Referat eines peruanischen Bischofs über die unermessliche Not der ländlichen Bevölkerung des südamerikanischen Landes. Das bestärkte seinen Wunsch nach einem Missionseinsatz. In Niederhelfenschwil feierte er 1967 seine Primiz. Zwei Jahre wirkte er als Dekan in Widnau, bevor er 1969 nach Südamerika aufbrach. Auf dem Hochland von Peru setzte er sich für die arme Bevölkerung ein. Sein Grundsatz für seine Entwicklungshilfe war:„Ich bringe euch das Material und zeige wie es geht, aber machen müsst ihr es selber“.

Hilfe zur Selbsthilfe

Natalie Brägger berichtete eingehend über das erfolgreiche Wirken von Kurt Kretz, der in seiner neuen Heimat Padre Conrado genannt wurde. Sie fügte auch eigene Gedanken und Überlegungen ein. Für sie sei es schwer vorstellbar, dass man seine schöne Heimat verlassen und in ein politisch unstabiles Land mit grosser Armut und kriegerischen Auseinandersetzungen auswandern könne. Für Kurt Kretz und sein Vorhaben war dies aber kein Hinderungsgrund. Als überzeugter Christ wollte er im wirtschaftlich schwachen Land den verunsicherten Menschen Hoffnung bringen. So reiste er 1969 in den Distrikt Arapa im peruanischen Hochland auf 3‘800 Meter über Meer. Er traf dort eine arme Bevölkerung an, deren Lage katastrophal war. Weder Wasser, Strom oder Strassen waren vorhanden, die Leute hatten keine Rechte und kein Selbstvertrauen. Neben seiner priesterlichen Tätigkeit baute er bald einmal kleine Betriebe für das Herstellen von Produkten aus Alpaka-Wolle auf und war später auch bei der Entwicklung einer Fischzucht im Arapa-See beteiligt.

Arbeit und Verdienst 

Trotz Kriegswirren und Unterdrückung des Volkes zog Padre Conrado seine Mission durch. Verschiedene von den Peruanern hergestellte Gegenstände konnte er über seine persönlichen Beziehungen in der Schweiz verkaufen und so wertvolle Mittel generieren. Bei Ferienaufenthalten in der Schweiz hielt er Vorträge und war an Verkaufsanlässen beteiligt. Auch brachte er Saatgut für die Anpflanzung von Gemüse, Kräutern und Beeren nach Peru mit. Sein Credo war: „Die Seelsorge auf dem Altiplano kann sich niemals nur auf den religiösen Bereich beschränken. Sie muss den ganzen Menschen erfassen, auch seine Geschichte, seine Not und seinen Überlebenskampf. Ich muss den Campesinos helfen, bessere Bauern zu werden“. Am 25. Oktober 1988 kam Pater Kurt Kretz bei einem tragischen Flugzeugabsturz ums Leben. Noch im gleichen Jahr trat mit Markus Degen ein Schweizer Priester die Nachfolge in Arapa an. Die Fischzucht gibt heute vielen Menschen Arbeit. Vor rund zehn Jahren wurde in Arapa eine Schule für geistig behinderte Kinder eröffnet und dieser Tage wird ein neues Labor zur Verarbeitung von Heilkräutern eingeweiht.

Stiftung führt das Lebenswerk fort

Das Lebenswerk von Kurt Kretz wird in der Schweiz noch heute von der Stiftung Conrado Kretz Peru aufrecht erhalten. Neben Beat Brägger, einem Grossneffen des Padre Conrado sind im Stiftungsrat auch die Grossnichte Natalie Brägger, der Neffe Markus Schreiber, Pfarrer Markus Degen, Rechtsanwalt Lukas Gayler und im Sekretariat die Grossnichte Lea Amstutz-Brägger vertreten. Mit den Spendengeldern und dem Verkauf von Woll- und Stricksachen aus Alpakawolle unterstützt die Stiftung Conrado Kretz Peru eine Heilpädagogische Schule mit Heim für geistig behinderte Kinder. Ausserdem wird der Aufbau und der Unterhalt von Infrastrukturen sowie der Anbau von Heilkräutern gefördert. Ebenso werden Notleidende in Ausnahmesituationen unterstützt und eine kostenlose Rechtsberatung für Familien angeboten. Am Weltmissionssonntag gedachte die Pfarrei Lenggenwil seines vor 30 Jahren verstorbenen Mitbürgers. Nach dem Gottesdienst wurden im Pfarreiheim bei einer Verkaufsausstellung Gebrauchssachen angeboten. Die von peruanischen Frauen mit der feinen Alpakawolle gestrickten Pullover, Schals und Handschuhe konnten dabei bestellt werden.

Weitere Informationen können unter www.stiftungconradokretz.ch abgerufen werden.